In Russland wächst die Angst vor einer neuen Mobilmachungswelle. Noch gibt es keinen offiziellen Erlass zur Rekrutierung. Doch die Vorzeichen haben sich verändert. Militärische Vorbereitungen, ukrainische Geheimdienstberichte, ein zunehmender Druck auf potenzielle Rekruten und steigende Ausreisen wecken bei vielen Russen Erinnerungen an den Herbst 2022.
Damals hatte der Kreml die „Teilmobilmachung“ verkündet und offiziell 300.000 Reservisten einberufen. Die Reaktion war chaotisch: Männer versuchten, das Land zu verlassen, Flüge waren ausgebucht, an den Grenzen bildeten sich lange Schlangen. Nach britischen Regierungsangaben flohen in der Folge rund 900.000 Männer aus Russland.
Statt einer Massenmobilisierung setzt Russland derzeit vor allem auf freiwillige Verträge, hohe Prämien und immer stärkeren Druck. Doch dieses System stößt offenbar an Grenzen. Die Verluste an der Front sind hoch, während es schwieriger wird, genügend neue Soldaten zu gewinnen. Der Guardian berichtet von monatlichen russischen Verlusten in der Größenordnung von rund 30.000 Soldaten.
Mobilmachen ohne Mobilmachung
Gerade deshalb ist bemerkenswert, was derzeit im Hintergrund geschieht. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden in mehreren russischen Regionen Übungen durchgeführt, bei denen geprüft wurde, wie eine größere Zahl neuer Soldaten untergebracht, ausgerüstet und versorgt werden könnte. Besonders die russische Exklave Kaliningrad an der Ostsee stehe hier im Fokus. Dort sollen Militärvertreter konkrete Mobilisierungsabläufe getestet haben. Ähnliche Vorbereitungen soll es landesweit gegeben haben.














