PfadnavigationHomeWissenschaft„Erhebliche Völkerverluste“Neuer asiatischer Parasit bedroht die heimische HonigbieneStand: 09:40 UhrLesedauer: 3 MinutenWildbienen gelten in Deutschland schon jetzt als stark bedrohtQuelle: Getty Images/500px Plus/John Kimbler/500pxEin asiatischer Parasit breitet sich rasant über den Osten Europas aus – und könnte bald Deutschland erreichen. Der Neuling ähnelt einem bekannten Schädling, bereitet Imkern aus einem Grund jedoch neue Sorgen.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenNach der asiatischen Hornisse droht den Honigbienen in Europa eine neue Gefahr aus Asien: die Tropilaelaps-Milbe. Der Parasit hat bereits den Osten und den Südosten Europas erreicht. In drei bis sieben Jahren könnte er Deutschland erreichen und heimische Bienenvölker befallen, warnt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Trends in Parasitology“. Damit stellt neben der bekannten Varroamilbe ein weiterer Parasit die Imkerei vor große Herausforderungen.„Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit auf“, schreibt Studienleiterin Kirsten Traynor, die die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim leitet. „Imker aus bereits betroffenen Regionen Asiens und Russlands berichten von erheblichen Völkerverlusten und einem andauernd hohen Aufwand für die Bekämpfung.“Tropilaelaps mercedesae war ursprünglich in Südostasien beheimatet und befiel ausschließlich die asiatische Riesenhonigbiene. Vor mehr als 60 Jahren gelang ihr der Sprung auf die westliche Honigbiene (Apis mellifera). Seither breitet sie sich in Richtung Westen aus und hat inzwischen auch gemäßigtere Klimazonen erreicht. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, erklärt Traynor.Lesen Sie auchTropilaelaps befällt die „verdeckelte Brut“ im Bienenstock und ernährt sich von der Körperflüssigkeit der Larven und Puppen. Das beeinträchtigt die Entwicklung der Bienen deutlich. Die Folgen reichen von Missbildungen der Antennen, Flügel und Beine bis zu einem geringeren Körpergewicht. Flug- und Lernfähigkeit können eingeschränkt sein. Hinzu kommt, dass die Milbe mehrere Krankheitserreger übertragen kann. „Die Gefahr liegt nicht nur in den direkten Schäden an der Brut, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Parasit ausbreiten kann“, sagt Traynor. „Unter günstigen Bedingungen vermehrt sich Tropilaelaps innerhalb eines Monats etwa um den Faktor 2,7, während sich die Population der Varroamilbe im gleichen Zeitraum etwa verdoppelt.“ Lesen Sie auchErschwerend kommt hinzu, dass die Symptome eines Befalls mit Tropilaelaps dem Varroabefall ähneln, was ein weiterer Grund ist, warum die Milbe oft erst spät entdeckt wird. Strategien für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung sind bislang auf die Varroamilbe ausgerichtet und müssten nun an Tropilaelaps angepasst werden. Um die Milbe wirksam bekämpfen zu können, muss ein Befall möglichst früh erkannt werden. Bislang ist noch nicht geklärt, warum sich die Milbe so schnell ausbreiten konnte, heißt es in der Studie des internationalen Forscherteams. Es sei zu befürchten, dass sie in der Imkerei größere Schäden verursachen könnte als die Varroamilbe. Das würde bedeuten, dass auch die Bestäuberleistung der Bienen in der Landwirtschaft beeinträchtigt wird. Welche Folgen sich daraus möglicherweise für die Preise von Lebensmitteln ergeben, lässt sich derzeit jedoch nicht abschätzen.Um die Bienenvölker vor der neuen Milbe zu schützen, muss nach Ansicht der Forscher das Völkermanagement angepasst werden. So sollten im Abstand von zwei bis drei Monaten Brutpausen eingelegt werden. Das würde den Arbeits- und Kostenaufwand der Imker erhöhen – und auch den Honigertrag reduzieren. dia