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Fertigung des KNDS-Radfahrzeugs Boxer in München. Foto: picture alliance / SvenSimon Jobsuche: „Die Rüstungsindustrie ist nicht der Heilsbringer der Autobranche“ Die Autoindustrie baut weiter massiv Stellen ab, die Rüstungsindustrie baut auf. Welche Fach- und Führungskräfte suchen die Unternehmen?

Mit ihren Aufträgen kommen manche Rüstungsunternehmen nicht hinterher. Sie brauchen dringend geeignetes Personal, um die Arbeit zu bewältigen. Die Nachfrage nach Fachkräften für die Rüstungsindustrie ist ungebrochen, wie exklusive Daten zeigen.Im ersten Halbjahr 2026 waren in der Rüstungsbranche, in Unternehmen, die Waffen, Munition, und militärische Kampffahrzeuge herstellen und bauen, 22 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben als im gleichen Zeitraum 2025, so eine Auswertung der Personalmarktforschung Index für die WirtschaftsWoche. Demnach suchten 69 Firmen Mitarbeiter für gut 4700 Positionen.Die Analyse auf Grundlage Hunderter Printmedien und Onlinebörsen, des Stellenportals der Bundesagentur für Arbeit sowie einer Million Firmenwebseiten stellt heraus, welche Berufsgruppen und Hierarchielevel besonders gefragt sind – und wo die Unternehmen die meisten Jobs zu vergeben haben.Die Diskrepanz zwischen Stellenanzeigen und tatsächlichen Stellen entsteht dadurch, dass eine ausgeschriebene Stelle etwa als Abteilungsleiter bei Rheinmetall in Unterlüß mitunter dreimal inseriert ist, in der Lokalzeitung, online auf einem Stellenportal und auf der Firmenwebseite.Diese Berufe sind besonders gefragtDie meisten Positionen entfallen auf das Bauwesen und Handwerk, auf Projektmanager und auf technische Berufe, also Ingenieure, Konstrukteure und Architekten. Gerade in diesem Bereich, der maßgeblich für das Abarbeiten der Aufträge verantwortlich ist, stieg der Bedarf enorm, um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.Eine Chance etwa für Ingenieure, die sich umorientieren wollen – oder in der darbenden Autoindustrie ihren Job verlieren könnten. Doch Personalberaterin Julia Siems warnt: „Die Rüstungsindustrie ist nicht der Heilsbringer der Autobranche.“ Wissen und Spezialisierungen seien längst nicht eins zu eins übertragbar. Siems arbeitet für die Karriere- und Personalberatung von Rundstedt und hilft Menschen seit rund 20 Jahren, sich beruflich neu zu orientieren. Ein Fokus der Rüstungsbauer liege weiter auf KI und Cybersicherheit, sagt Siems: „Alle Bereiche, in denen IT eine große Rolle spielt.“ Aber auch Ingenieure, Maschinenbauer und Elektrotechniker würden gebraucht.Wechsel aus der Autoindustrie bleibt schwierigDie ganz großen Wanderungsbewegungen aus der einen in die andere Branche macht Siems nicht aus. Die Profile passten oft auf den ersten Blick. Aber häufig scheitere eine Beschäftigung dann eben doch noch, aufgrund individueller Rahmenbedingungen wie dem Gehalt oder des dann doch sehr großen Weiterbildungsbedarfs, um die vakante Position wirklich ausfüllen zu können. „Viele Arbeitgeber sind bereit, in Weiterbildung zu investieren. Aber ich kann auch nicht 100 Automobilingenieure auf einmal aufnehmen.“ Continental und Bosch unterstützen ihre Mitarbeiter intensiv über Personaldrehscheiben. Darüber verbinden sich Betriebe, die Personal abbauen, mit solchen, die Fachkräfte suchen. Doch deren Erfolg, zumindest mal in der Zusammenarbeit mit Rüstungsfirmen, ist überschaubar.Siems empfiehlt Jobsuchenden, ihr eigenes Kompetenzprofil zu erstellen, sich und Kollegen zu fragen: Welche Stärken habe ich? Was für Projekte habe ich mit welchen Erfolgen abgeschlossen? Und dann gezielt nach Stellenanzeigen zu schauen. Nicht nur auf den gängigen Stellenbörsen, sondern auch auf spezialisierten Portalen wie Defence Career oder Def-Jobs. Und über die Firmen direkt. „Nicht alles ist veröffentlicht.“ Überhaupt sei es gerade in der Rüstungsindustrie wichtig, sich die Firmen genau anzuschauen. Denn die Branche sei sehr heterogen, sagt Siems. Radarsysteme, Drohnenabwehr, Munitionsproduktion – „man muss genau abgleichen, ob das, was ich mitbringe, zu dem passt, was gesucht wird“.Welche Führungskräfte die Rüstungsindustrie suchtAuf Führungsebene zeigt sich im Vergleich der Index-Daten über die vergangenen zwei Jahre eine interessante Verschiebung: 2024 gab es acht Positionen in Vorständen und Geschäftsführungen zu vergeben, in gerade einmal vier Firmen. 2025 lag der Fokus mit 13 Positionen auf der Ebene darunter, Bereichsleitungen. Und 2026 sind es Abteilungsleiter, die besonders stark gesucht werden.Allerdings sind in diesen obersten Führungsebenen insgesamt nur wenige Stellen zu vergeben. Das gilt zwar auch für die Autoindustrie, aber, erläutert Siems: „Die Autobauer und Zulieferer haben über die Jahrzehnte viele Ebenen eingezogen, damit Mitarbeiter aufsteigen konnten.“ Auch diese fallen nach und nach dem Stellenabbau zum Opfer. „Der Verteidigungsbereich ist schlanker aufgestellt.“ Entsprechend gering fällt das Angebot aus für verhältnismäßig viele Führungskräfte im Autosektor.Die Gruppe mit den meisten Stellen waren und sind Fachkräfte mit akademischer Ausbildung – mit steigender Tendenz. Im zurückliegenden ersten Halbjahr waren es rund 1300 Stellen, noch einmal ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum.Unterlüß etwa ist die Rheinmetall-Hochburg. Dort in der niedersächsischen Südheide produziert der Konzern mit Sitz in Düsseldorf seit Jahrzehnten. Vor einem Jahr eröffnete er ein neues Munitionswerk. 500 neue Arbeitsplätze sollten so entstehen, 350 Neue haben nach Angaben eines Unternehmenssprechers inzwischen angefangen. Bundesweit hat Rheinmetall von Januar bis Juli 2026 demnach mehr als 1800 Stellen besetzt. „Aktuell suchen wir deutschlandweit rund 2300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“In Aschau sucht Rheinmetall vor allem Verstärkung in der Elektrotechnik, wie es auf der Firmenwebseite heißt. In Kassel hat neben Rheinmetall auch Panzerbauer KNDS einen großen Standort. Im bayerischen Schrobenhausen sitzt MBDA, das Lenkflugkörper- und Luftverteidigungssysteme baut.Dieser Artikel wurde erstmals am 24. August 2026 veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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