Rüstungshersteller haben allein im ersten Halbjahr 2026 deutschlandweit 4700 Stellen öffentlich ausgeschrieben, 22 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ergibt eine Auswertung durch die Personalmarktforschung Index Research aus Berlin. Der jüngste Anstieg ist noch stärker als der Zuwachs von 18 Prozent in der ersten Hälfte des Jahres 2025. Nach Einschätzung von Index-Chef Jürgen Grenz zeigt das Stellenplus den enormen Personalbedarf der Rüstungsbranche, die zu einem Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft geworden sei.Der russische Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 hat der zuvor weitgehend verpönten deutschen Rüstungsindustrie einen Boom beschert. Wegen der steigenden Verteidigungsinvestitionen wächst nicht nur der Bedarf an Arbeitskräften. Mit der Zeitenwende ist zudem deutlich geworden, dass Landesverteidigung einen gesellschaftlichen Nutzen bietet, sodass die Rüstungsbranche auch für ethisch verantwortungsvolle Arbeitnehmer nicht länger tabu ist.Die Indexauswertung zeigt auch, an welchen Standorten die meisten Rüstungsjobs ausgeschrieben sind. Ganz vorn sind demnach Unterlüß, Kassel und Schrobenhausen. Weitere Städte mit zahlreich ausgeschriebenen Rüstungsstellen sind Lüneburg, Hannover, Celle, Oberndorf am Neckar, Bad Hersfeld, Göttingen und Anschau am Inn.Riesiges Testgelände für Rüstungsprodukte und neues MunitionswerkDer Spitzenreiter Unterlüß in der Lüneburger Heide ist ein wichtiger Standort des Rüstungsriesen Rheinmetall. Im Jahr 2024 startete dort der Bau des Werks Niedersachsen, das Artilleriemunition herstellen soll. In Unterlüß befindet sich auch ein riesiges Testgelände für Rheinmetall-Produkte. Es ist das größte privatwirtschaftliche Versuchsgebiet in Europa. Für Unterlüß zählt die Indexauswertung 654 Stellenausschreibungen im ersten Halbjahr 2026.In Kassel, wo laut Indexauswertung im gleichen Zeitraum mehr als 500 Rüstungsjobs offen waren, produzieren sowohl Rheinmetall als auch der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS. Laut der Kasseler Regionalzeitung „HNA“ hat KNDS in diesem Jahr allein für Kassel 20.000 Bewerbungen bekommen. Das übertrifft deutlich die 500 Ausschreibungen.Auf Platz drei der Rüstungsstandorte mit den meisten offenen Stellen liegt das oberbayerische Städtchen Schrobenhausen mit 470 offenen Positionen. Dort befindet sich der Hauptsitz der deutschen Tochtergesellschaft des europäischen Rüstungskonzerns MBDA. Dessen Spezialität sind Lenkflugkörper, doch die technologischen Veränderungen sind rasant. So hat MBDA zusammen mit Rheinmetall den Auftrag erhalten, bis 2029 eine Laserwaffe für die Bundesmarine zu entwickeln. Das neue Waffensystem soll insbesondere den Schutz von Schiffen und Häfen vor Drohnenangriffen verbessern.Quelle der Auswertung ist die laut Index Research größte Stellendatenbank Europas. Ausgewertet wurden 196 Printmedien, 304 Stellenbörsen, eine Million Firmenwebsites sowie das Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit. Demnach suchte die Rüstungsindustrie im ersten Halbjahr 2026 vor allem technische Fachkräfte. Für diese Berufsgruppe waren laut Indexauswertung 1560 Stellen offen. Darüber hinaus wurden 885 Projektmanager sowie 753 Bauarbeiter und Handwerker gesucht. Von den insgesamt offenen Rüstungsjobs waren mit 1611 die meisten im Bundesland Niedersachsen ausgeschrieben, gefolgt von 916 Stellen in Bayern und 908 in Hessen.