Harald V. wurde Segelweltmeister, kämpfte für seine Liebe und galt als bescheiden. Nun ist der König von Norwegen gestorben35 Jahre lang sass Harald V. auf dem norwegischen Thron. Nun ist der älteste regierende Monarch Europas mit 89 Jahren gestorben. Ein Nachruf.28.08.2026, 08.45 Uhr5 LeseminutenKönig Harald V. sass 35 Jahre lang auf dem norwegischen Thron. Er war der älteste Monarch Europas.Emilie Holtet / ImagoDer norwegische König Harald V. ist am Freitag in einem Spital in Oslo gestorben. Das bestätigte der norwegische Königshof am Freitagmorgen. König Harald V. starb im Alter von 89 Jahren. 35 Jahre sass er auf dem norwegischen Thron. Bis zu seinem Tod war er der älteste amtierende Monarch Europas.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In den Tagen vor seinem Tod teilte der Königshof mit, Harald V. leide an einer bakteriellen Infektion des Blutkreislaufes. Er musste im Spital behandelt werden. Zuvor war er bereits wegen der Folgen einer Bluterkrankung in Behandlung gewesen.Kurz vor seinem Tod, als Harald V. im Spital behandelt wurde, veröffentlichte der norwegische Rundfunk (NRK) an den Monarchen gerichtete Botschaften aus der Bevölkerung. «König Harald, Vater von ganz Norwegen. Wir haben so ein Glück, so einen feinen und bodenständigen König zu haben», stand dort. In einem anderen Kommentar wurde er als «Fels in der Brandung» beschrieben. «Wir brauchen dich!»Flüchtling, Segler, ThronfolgerHarald wurde im Februar 1937 als drittes Kind des Kronprinzen Olav und der Kronprinzessin Märtha geboren. Das Paar hatte zwei ältere Töchter, Ragnhild und Astrid, die jedoch nicht für den Thron bestimmt waren. Die Verfassung sah seinerzeit nur männliche Kinder als Nachfolger vor. Erst seit einer Reform im Jahr 1990 spielt das Geschlecht für die Thronfolge keine Rolle mehr.Kronprinzessin Märtha von Norwegen (1901–1954) mit ihren Kindern Prinzessin Ragnhild, Prinzessin Astrid und dem 1937 geborenen Prinzen Harald auf dem Schoss. Dahinter steht ihr Ehemann, der spätere König Olav V.Sjöberg Bildbyrå / Ullstein / GettyHarald als kleiner Junge auf einer Schaukel.Sjöberg Bildbyrå / Ullstein / GettyDie ersten drei Lebensjahre habe Harald in «friedlicher Umgebung» auf dem Gutshof Skaugum südwestlich von Oslo verbracht, schreibt der norwegische Königshof in seiner Biografie. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und deutsche Truppen in Norwegen einmarschierten, floh Märtha zusammen mit Harald und seinen Schwestern aus dem Land. Erst suchten sie Schutz in Schweden, später in den USA.Nach fünf Jahren kehrte die Familie zurück nach Norwegen. Harald war damals acht Jahre alt. Als sein Grossvater Haakon VII. zwölf Jahre später verstarb, bestieg sein Vater Olav V. den Thron. Und Harald, damals zwanzig Jahre alt, bestritt zunehmend offizielle Auftritte.Neben seinen Pflichten als Prinz fand Harald aber auch Zeit für seine Leidenschaften. Dazu gehörte der Segelsport. Er nahm drei Mal an den Olympischen Spielen teil und schwang 1964 als Fahnenträger die norwegische Flagge in Tokio. Im Verlauf seines Lebens wurde er mit seiner Crew Weltmeister und Europameister. Erst im Jahr 2022 beendete er offiziell seine Segelkarriere.König Harald V. auf seinem Boot «Sira» beim Aguti Classic Cup auf dem Bodensee im Jahr 2018.Felix Kaestle / APGettyImagoPrinz Harald von Norwegen in jungen Jahren beim Lesen (links) sowie 1964 als Kronprinz und Flaggenträger der norwegischen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Tokio (rechts).Ein Kampf um die LiebeHarald und sein Vater, König Olav V., arbeiteten eng zusammen, wie es in der Biografie des Königshofs heisst. Doch es gab auch Spannungen. Mit Anfang zwanzig lernte Harald auf einer Party in Oslo eine junge Frau namens Sonja Haraldsen kennen. Sie ist die Tochter eines norwegischen Unternehmers. Die beiden verliebten sich. Einziges Problem: Sonja war eine Bürgerliche. Harald wollte sie trotzdem heiraten.Das löste in Norwegen heftige Debatten aus. Einige prophezeiten gar das Ende der Monarchie, sollte der Kronprinz eine einfache Frau aus dem Volk heiraten. Auch König Olav V. war gegen eine Ehe. Doch Harald gab nicht nach. Als einziger Thronerbe seines Vaters soll er König Olav V. ein Ultimatum gestellt haben: Entweder würde er Sonja heiraten oder niemanden.Harald musste neun Jahre warten. Aber schliesslich fand die Hochzeit von ihm und Sonja 1968 im Osloer Dom statt – mit Zustimmung des Königs. Das Paar bekam zwei Kinder. 1971 wurde Prinzessin Märtha Louise geboren, zwei Jahre später folgte Kronprinz Haakon.Prinz Harald und Prinzessin Sonja grüssen am Tag ihrer Hochzeit am 29. August 1968 vom Balkon des Königspalastes in Oslo.Getty1991 starb König Olav V. – und Harald bestieg den Thron. Wie er sich dabei fühlte? «Ich hatte ein wenig Angst», sagte er Jahre später der norwegischen Nachrichtenagentur NTB. Sein Vater sei äusserst populär gewesen, er habe in grosse Fussstapfen treten müssen. Für seine Zeit als König übernahm Harald V. das Motto seines Vaters und seines Grossvaters: «Alles für Norwegen».Schwierige ZeitenKönig Harald V. galt als schüchtern und bescheiden. In seinen Reden zeigte er sich aber auch nahbar und emotional. So etwa 2016, als er bei einem Schlossfest in Oslo eine Rede hielt, die über die Grenzen Norwegens hinaus viel Aufmerksamkeit erregte. «Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben. Jungen, die Jungen lieben. Und Mädchen und Jungen, die einander lieben», sagte Harald V. Norweger seien auch Migranten aus Afghanistan, Pakistan, Polen oder Schweden. «Norweger glauben an Gott, Allah, alles oder nichts.» Die Ansprache wurde im Netz als «The King’s Speech 2.0» bezeichnet – in Anlehnung an den gleichnamigen Film von Tom Hooper aus dem Jahr 2010.Im August 2011 sprach Harald V. unter Tränen zu seinen Landsleuten. Vier Wochen zuvor hatte Anders Breivik einen Bombenanschlag verübt und später auf der Insel Utöya auf Jugendliche und Betreuer geschossen. 77 Menschen wurden an diesem Tag getötet. Der Anschlag ging als schwerstes Verbrechen in die Geschichte Norwegens ein. An der nationalen Gedenkfeier sagte Harald V.: «Als Vater, Grossvater und Ehemann kann ich euren Schmerz nur erahnen. Als König dieses Landes ist mein Mitgefühl mit euch allen.» In schwierigen Zeiten wie diesen betonte Harald V. die Wichtigkeit von Zusammenhalt und gegenseitigem Beistand.Doch in letzter Zeit ist die Unterstützung für das norwegische Königshaus ins Wanken geraten. Die Kronprinzessin und Haralds Schwiegertochter, Mette-Marit, machte mit ihren Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Schlagzeilen. Zudem wurde ihr Sohn, Marius Höiby, wegen Vergewaltigung und weiterer Straftaten verurteilt.Das norwegische Königshaus im Palast in Oslo im Jahr 2015: Kronprinzessin Mette-Marit, Kronprinz Haakon, Königin Sonja und König Harald V. (v. l. n. r.).Joergen Gomnaes / EPATrotz all den Skandalen: König Harald galt bis zu seinem Tod als sehr beliebter König. Allerdings sind nur 60 Prozent der Norwegerinnen und Norweger der Meinung, dass die Monarchie nach seinem Tod weiterbestehen solle. Das zeigt eine Meinungsumfrage im Auftrag des Rundfunks NRK vom Mai dieses Jahres. Vor allem jüngere Menschen sehen im Königshaus keine Zukunft.König Harald V. hatte immer wieder mit seiner Gesundheit zu kämpfen. So musste er mehrfach wegen Herzproblemen operiert werden. In den vergangenen zwei Jahren reduzierte der König seine offiziellen Termine. Er wurde vermehrt von seinem Sohn, dem Kronprinzen Haakon, vertreten. Eine Abdankung schloss Harald V. jedoch stets aus. Der Eid eines Königs gelte auf Lebenszeit, so die Auffassung des Monarchen.Haralds Nachfolger, Kronprinz Haakon, wird nun in grosse Fussstapfen treten müssen. Wie einst sein Vater, als dieser 1991 König wurde.Haralds Sohn Haakon wird der nächste König sein.Patrick Van Katwijk / GettyMit Agenturmaterial.Passend zum Artikel
König Harald V. von Norwegen ist gestorben. Ein Nachruf
35 Jahre lang sass Harald V. auf dem norwegischen Thron. Nun ist der älteste regierende Monarch Europas mit 89 Jahren gestorben. Ein Nachruf.










