Im flirrenden Intro dreht sich das Roulette, flattern die Geldbündel, rekelt sich eine Frau auf dem Laken – und würgt schließlich teuren Schmuck heraus. Die ARD-Serie „Selling Sex“ zeigt käuflichen Sex als besonderes Luxusgut. Die Wirtschaftsstudentin Nelly (Ella Morgen) steht zu Beginn im Slip auf einem Hotelbalkon und erzählt, warum sie als Escort-Girl „Aurora“ anfing: Sie hat sich für das Studium an der Privatuniversität hoch verschuldet, glaubt nicht mehr an ihre Karrierechancen und hat auch kein prickelndes Liebesleben.

Damit zeigt diese ARD-Serie, die im Ersten erst kurz vor Mitternacht beginnt und ganz auf die Onlineausstrahlung setzt, ein anderes Bild von der Prostitution als die meisten Krimis zur Hauptsendezeit. Denn hier geht es nicht um junge Frauen, die ihren Körper in ranzigen Bordellen oder Wohnwagen verkaufen müssen, ständig von Gewalt bedroht sind und deshalb gerettet werden müssen.

Einen Anflug von Krimi besitzt nur die Episode, als die Newcomerin mit drei Kolleginnen zu einem Junggesellenabschied in ein abgelegenes Anwesen fährt – und dort auf acht Männer arabischer Abstammung trifft. Aber selbst hier behalten die Frauen die Oberhand und verteidigen ihre Selbstbestimmung.