PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBerliner SpitzenkandidatKrach beklagt Kompromisse „bis zur Unkenntlichkeit“ – SPD muss wegen schlechter Ergebnisse sparenStand: 05:24 UhrLesedauer: 3 MinutenSteffen Krach (SPD), Berliner Spitzenkandidat und LandesvorsitzenderQuelle: Fabian Sommer/dpaWeitere Debatten über die Parteivorsitzenden lehnt Steffan Krach ab. Das Kernproblem sei nicht das Personal, sondern, dass die SPD in Regierungskoalitionen immer wieder Kompromisse eingehen müsse. Die schlechten Wahlergebnisse haben unterdessen finanzielle Folgen für die Partei.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDie SPD leidet aus Sicht ihres Spitzenkandidaten für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Steffen Krach, unter einem Glaubwürdigkeitsverlust. Dies sei auch der Grund für die aktuell schlechten Umfragewerte, sagte Krach im „Politico“-Podcast „Berlin Playbook“. „Wir haben nicht mehr die Glaubwürdigkeit, weil wir immer wieder Kompromisse eingehen müssen.“So setze sich die SPD zwar für eine Vermögensteuer ein, könne aber ihre zentralen Projekte nicht durchsetzen. Die Partei müsse aufpassen, sich nicht „bis zur Unkenntlichkeit“ zu verbiegen, sagte Krach.Weitere Personaldebatten lehnte er ab. „Wir haben in den letzten Jahren ja häufig genug Parteivorsitzende und auch sonstige Personen ausgetauscht“, sagte er. Das Kernproblem sei nicht das Personal, sondern, dass sozialdemokratische Positionen in Regierungskoalitionen nicht durchgesetzt würden.Lesen Sie auch„Es ist eine Gesamtperformance der SPD, und daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten. Im Bund, in den Ländern und in den Kommunen“, sagte Krach auf die Frage nach der Rolle der Parteichefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil.Zuletzt hatte die SPD in einer Umfrage des Instituts Forsa für die Berlinwahl mit 12 Prozent abgeschlagen hinter Linken, CDU, AfD und Grünen auf Platz 5 gelegen. Die Linke kam auf 22 Prozent, CDU und AfD lagen bei jeweils 18 Prozent, die Grünen bei 16 Prozent. Gewählt wird am 20. September in Berlin.SPD verordnet sich SparprogrammZu den schlechten Umfragewerten gesellen sich nun auch finanzielle Probleme. Die SPD steckt in finanziellen Schwierigkeiten und hat sich deswegen ein umfassendes Sparprogramm verordnet. Pro Jahr fehlen der Partei etwa fünf Millionen Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Im Zuge des Sparens ist auch eine Modernisierung der Parteistrukturen geplant. Derzeit beschäftigt die Bundespartei im Willy-Brandt-Haus in Berlin 171 rechnerische Vollzeitstellen. Bis 2029 oder 2030 sollen es weniger als 150 werden. „Der Prozess, den wir jetzt angestoßen haben, ist notwendig. Es liegt aber auch eine große Chance darin“, sagt SPD-Schatzmeister Dietmar Nietan der Frankfurter „Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z.). Wegen der schlechten Wahlergebnisse in den vergangenen Jahren erhält die SPD weniger Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Außerdem verliert die SPD Mitglieder, auch der Anteil der Beiträge zur Finanzierung der Partei sinkt also.Lesen Sie auchDerzeit verhandelt die SPD mit dem Betriebsrat über die neue Struktur für die Beschäftigten. Geplant ist ein Abschluss bis Ende des Jahres. Um den Druck zu erhöhen, zu einer Einigung zu kommen, hat die SPD einige Betriebsvereinbarungen gekündigt. Die regeln etwa die 37,5-Stunden-Woche und die Auszahlung von 13,5 Monatsgehältern.„Es geht nicht darum, dass unsere Mitarbeiter künftig länger arbeiten oder weniger verdienen sollen. Es geht um eine moderne Vergütungsstruktur. Die SPD soll ein attraktiver Arbeitgeber bleiben“, sagt Nietan. Einige Mitarbeiter dürften in Zukunft aber mehr, andere weniger als bisher verdienen. Außerdem sollen weitere Büros im Willy-Brandt-Haus untervermietet werden. Die Parteizentrale selbst wird in Teilen umgebaut und eine moderne Arbeitsumgebung geschaffen.Lesen Sie auchIn dem Zuge sollen auch die veralteten Parteistrukturen modernisiert werden. „Die SPD spart nicht nur, sie soll auch attraktiver werden und eine moderne IT- und Kampagnen-Infrastruktur erhalten“, sagt Nietan der „F.A.Z.“. 20 Millionen Euro fließen in ein neues IT-System, mit dem auch der digitale Wahlkampf besser gelingen soll. Kampagnen sollen künftig koordinierter und gebündelter geplant werden. Die Parteizeitschrift „Vorwärts“ wird zu einem digitalen Produkt umgebaut und gedruckt nur noch zweimal jährlich erscheinen.dpa/saha