KommentarIn der deutschen Fussballmeisterschaft herrscht oft Langeweile: Eine Öffnung für Investoren könnte die Liga belebenDer nächste Meister steht schon vor dem ersten Anpfiff mit grosser Wahrscheinlichkeit fest: Bayern München. Könnte eine Abschaffung der 50+1-Regel so viel Spannung wie in der Premier League erzeugen?28.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenSchal-Parade in der Südkurve der Münchner Allianz-Arena: Die meisten Anhänger von Bundesliga-Vereinen lehnen Mehrheitsinvestoren ab.Feiner / ImagoAm Freitagabend startet mit dem Spiel FC Bayern gegen VfB Stuttgart die Fussball-Bundesliga in die Saison. Viele Fans fiebern der neuen Spielzeit im Vereinsfussball umso mehr entgegen, als die deutsche Nationalmannschaft nach dem dritten desaströsen Abschneiden bei einer WM wieder für Frust sorgte. Die Bundesliga ist zugleich ein Produkt. Und dieses Produkt ist seit vielen Jahren äusserst begehrt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es geniesst bei den Kunden, also meist den Fans, sowohl im Stadion als auch vor dem Fernseher eine hohe Nachfrage. Die Auslastung der Arenen war in der vergangenen Saison mit gut 95 Prozent auf dem Niveau der britischen Premier League, dem Marktführer im europäischen Profifussball. Doch in Deutschland gibt es ein Manko: In der Meisterschaft herrscht oft Langeweile. In den vergangenen 14 Jahren hat Bayern München 13-mal den Titel geholt. Auch heuer sind die Bayern glasklarer Favorit. In England, wo grosse Investoren die Vereine beherrschen, gab es in der gleichen Zeit sechs verschiedene Meister.Deutsche Fussball-Klubs setzen auf TraditionViele Fans würden mehr Spannung schätzen. Die Abschaffung der sogenannten 50+1-Regel in der Bundesliga könnte eine Chance sein, die Meisterschaft wieder attraktiver zu machen. Zumindest würden dadurch die Karten in der Liga wohl neu gemischt. Die Zwangsregel für alle Profivereine besagt, dass der historische Stammverein, rechtlich meist ein eingetragener Verein, die absolute Mehrheit an den oft als Kapitalgesellschaft ausgegliederten Profiabteilungen behalten muss.Während sich die vier anderen grossen europäischen Ligen in England, Spanien, Italien und Frankreich, aber auch jene der Schweiz, längst für investorenfreundliche Modelle geöffnet haben, setzt Deutschland ungebrochen auf Tradition: Der Verein muss sich selbst gehören, also seinen aktiven und passiven Mitgliedern.Auch aus kartellrechtlicher Sicht ist die 50+1-Regel heikel. Sie führt nämlich zu einer Einschränkung der Eigentumsrechte der Vereine und des wirtschaftlichen Wettbewerbs um Investitionen in den Profifussball. Das Bundeskartellamt teilte in der vergangenen Woche nach jahrelanger Prüfung dennoch mit, dass die Regel zulässig sei, wenn sie konsequent und ohne Unterschiede angewendet werde. Ihr Ziel der Vereinsprägung und der Mitgliederpartizipation rechtfertige die Wettbewerbsreduktion.Die Befürworter der Regel finden es gut, dass durch sie die Macht bei den Vereinen bleibt und die Fans mitbestimmen können. Das ist auch vielen Fans extrem wichtig, vor allem den Ultras, die in Vereinen oft eine unverhältnismässig hohe Mitsprache fordern und in der Praxis zum Teil auch haben. Die Regel sorge zudem für eine hohe Identifikation, gute Stadionauslastung und niedrige Ticketpreise. Und in der Tat sind die Tickets in der Premier League erheblich teurer als in der Bundesliga.Die Gegner der Regel sehen durch die Abschaffung bessere Chancen, öfters einen anderen Meister als Bayern München zu sehen. Garantiert ist das aber keineswegs, denn die Bayern sind als Zugpferd der Liga für Investoren der attraktivste Verein. Ferner hätten derzeit abgeschlagene Traditionsklubs wie Schalke 04, der Hamburger SV und viele mehr die Möglichkeit, mit Hilfe von Investoren wieder in die Spitzengruppe der Liga zu kommen. Auch international könnte die Öffnung für Investoren dazu führen, dass deutsche Klubs häufiger eine europäische Trophäe in die Bundesliga holen. Das war in den vergangenen Jahren selten der Fall, die Titel gingen sehr oft nach Spanien und England.Zudem spielen die besten Spieler tendenziell dort, wo das meiste Geld im Umlauf ist. Das ist derzeit in England, wo sich viele Klubs an Investoren verkauft haben. Die Zuschauer auf der Insel bekommen also viel mehr Weltstars zu sehen als andernorts, und durch die Attraktivität der Liga steigen auch die weltweiten Fernseh- und Werbeeinnahmen.Sonderfälle Werksklubs und RB LeipzigIn Deutschland wäre ein erster Schritt die Vereinheitlichung in der Bundesliga selbst, denn manche Klubs gehören historisch bedingt bereits Unternehmen. Deshalb geniessen die Werksvereine Bayer Leverkusen (Bayer AG) und VfL Wolfsburg (Volkswagen AG) noch einen gewissen Sonderstatus. Der Red-Bull-Konzern hat dagegen mit dem Konstrukt RB Leipzig eine Regulierungslücke genutzt, um die 50+1-Regel zu umgehen. Hier hat das Kartellamt die Deutsche Fussball-Liga (neuer Name: Bundesliga) als Ausrichter der Bundesliga zurecht angewiesen, nach zu arbeiten. Allerdings ist der Druck gering, denn das Kartellamt machte weder Vorgaben noch setzte es Fristen.In einem zweiten Schritt sollte der Zwang zu 50+1 fallen, in dem die Profivereine selbst entscheiden dürfen, ob sie sich an Investoren verkaufen wollen oder nicht. Das könnte den Wettbewerb zwischen den Vereinen beleben und die Liga noch attraktiver machen. Die Hürden für einen solchen Schritt blieben jedoch hoch: Erstens würden bei den meisten Vereinen die Vorstände bei den Fans in Ungnade fallen. Und zweitens wäre der Verkauf des Vereins an Investoren quasi unumkehrbar. Ein solcher Schritt müsste wohldurchdacht sein.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel
Eine Öffnung der deutschen Liga für Investoren könnte sie beleben
Der nächste Meister steht schon vor dem ersten Anpfiff mit grosser Wahrscheinlichkeit fest: Bayern München. Könnte eine Abschaffung der 50+1-Regel so viel Spannung wie in der Premier League erzeugen?














