Ein Mann pfeift. Er pfeift, weil eine junge Frau in kurzem Rock an ihm vorbeiläuft, kommentiert ihren Hintern. Es ist eine Szene, wie sie täglich viele Frauen erleben. Aber offensichtlich weiß der pfeifende Mann nicht, dass die Person, die er da gerade anquatscht, Lucia Caminos ist. Sie dreht sich um, warnt ihn – und als keine Entschuldigung kommt, haut sie ihm eine rein. Und noch eine. Mit blauem Auge verzieht sich der Mann.

Lucia und ihr Freund Jason sind die zwei Protagonisten des Videospiels GTA 6, dem lange ersehnten und oft verschobenen neuen Teil der Grand-Theft-Auto-Reihe. Im November soll es herauskommen, am Donnerstagabend zeigt Rockstar einen »ausführlichen Blick« mit den ersten echten Spielszenen. Sechs Stunden läuft der Trailer auf Netflix, kann also nur mit Streaming-Abo gesehen werden, bevor er frei verfügbar im Internet ist. Es ist nur ein knapp halbstündiges Werbevideo für ein Spiel – doch die Aufregung über jedes Detail ist gigantisch. Denn obwohl die ganze Gamingszene seit Jahren auf dieses Spiel wartet, hat kaum jemand außerhalb des Entwicklers Rockstar mehr als die zwei bisherigen Trailer gesehen.

Die ZEIT konnte während eines Besuchs bei den Entwicklern von Rockstar North im schottischen Edinburgh nicht nur den Trailer vorab sehen, sondern auch eine knappe Stunde des Spiels erleben, darunter Momente wie die obige Prügelei. Rob Nelson, Chefentwickler von Rockstar North, hat exklusive Einblicke in das Spiel gewährt und die Fragen der ZEIT beantwortet. Um es direkt vorwegzunehmen: Die Erwartungen an GTA 6 sind riesig. Aber vielleicht schafft es das Spiel wirklich, sie zu erfüllen.