PfadnavigationHomePanoramaFast 1500 VermissteTodeszahl nach verheerender Sturzflut steigt drastisch an – jetzt droht eine zweite FlutStand: 18:35 UhrLesedauer: 6 MinutenNur wenige Sekunden bebt die Erde vor dem Unglück, dann bricht die Flut los. Wie bei einer Explosion schießen Wasser, Schlamm und Geröll in Richtung Tal.Mindestens 362 Menschen sind nach der Flutkatastrophe in Nepal und Tibet tot, fast 1500 werden vermisst. Nun wächst die Sorge vor einer zweiten Flut: Ein neu entstandener See könnte überlaufen oder brechen.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDie verheerende Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China hat eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Inzwischen werden allein in Nepal 910 Menschen vermisst. Auf chinesischer Seite in Tibet sind es 558, damit gelten insgesamt fast 1500 Menschen als vermisst.In Nepal stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer inzwischen auf mindestens 359. Zusammen mit drei Toten in Tibet sind damit mindestens 362 Menschen ums Leben gekommen.Viele Tote wurden demnach viele Kilometer flussabwärts an der Grenze zu Indien entdeckt – sie waren am Mittwoch offenbar von den Fluten extrem weit mitgerissen worden. Ein Polizeisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass oft nur noch Leichenteile gefunden wurden.China warnt vor Risiko eines DammbruchsChinas Behörden befürchten sogar mögliche weitere Fluten. Auf nepalesischer Seite habe sich an einer Flussmündung ein Stausee gebildet, berichtete das chinesische Staatsfernsehen unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen. Es bestehe das Risiko eines Dammbruchs.In dem neuen See hätten sich bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt, weitere drei Millionen Kubikmeter könnten hinzukommen. Der See sei auch schon übergelaufen, hieß es.Im Staatsfernsehen liefen Aufnahmen aus der Luft, die den See zeigten. Dieser soll nahe dem von der Sturzflut dramatisch überspülten Grenzposten Gyirong, doch noch auf dem Gebiet Nepals liegen. Die Behörden überwachten die Lage weiter und führten Berechnungen durch, hieß es.Chinesische Behörden warnten zudem, dass der neu entstandene See am Zusammenfluss der Flüsse Tsogyal und Purupqiangzangbu überlaufen und brechen könnte. Nach chinesischen Angaben stieg der Wasserspiegel weiter an.Das erhöhte Risiko schließt sich damit an die ohnehin schwierigen Rettungsarbeiten an. Die betroffene Gebirgsgegend entlang der dortigen Flüsse ist schwer zugänglich. Chinas Rettungsmannschaften waren zunächst nach der Flut nur aus der Luft oder mit langen Autofahren an den von Schlammmassen eingeschlossenen Grenzübergang Gyirong herangekommen.Chinas Ministerpräsident Li Qiang traf am Donnerstag in Gyirong ein, um die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Rund 500 Soldaten und paramilitärische Einsatzkräfte waren dort im Einsatz. Militärhubschrauber suchten nach Überlebenden, erkundeten das Schadensgebiet und mögliche Rettungs- und Evakuierungsrouten.Das ganze Ausmaß der Zerstörung – auch Deutsche werden vermisstBilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaja legten ein erschreckendes Ausmaß der Zerstörung nahe. Es ist davon auszugehen, dass die Opferzahlen weiter steigen. Den Behörden in Nepal zufolge waren hier mehr als 7400 Retter im Einsatz. Die nepalesische Armee teilte mit, mehr als 100 Menschen mit Hubschraubern gerettet zu haben. Zudem wurden Menschen aus Anlagen des Trishuli-Wasserkraftprojekts evakuiert. Dutzende Verletzte wurden zur medizinischen Behandlung nach Kathmandu gebracht.Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, bestätigte der dpa, Hunderte Touristen seien bislang nicht erreichbar. Nach Angaben der nationalen Tourismusorganisation Nepal Tourism Board befinden sich darunter acht deutsche Staatsangehörige und eine Person aus der Schweiz.Das US-Außenministerium teilte inzwischen mit, dass 90 US-Amerikaner in Nepal und China als vermisst gelten. Drei US-Bürger seien gerettet worden; von Todesfällen unter US-Amerikanern sei bislang nichts bekannt. Indien meldete 288 vermisste Staatsangehörige.Das Auswärtige Amt hatte auf Anfrage am Mittwoch erklärt, bislang keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen zu haben.Auch 33 Briten werden nach Angaben der BBC vermisst, darunter ein 13-jähriges Mädchen und ein 14-jähriger Junge. König Charles III. und Königin Camilla zeigten sich angesichts der Katastrophe „zutiefst erschüttert“ und sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Auch Prinz William und Prinzessin Kate äußerten sich bestürzt. Die britische Regierung kündigte zudem fünf Millionen Pfund Unterstützung für Nepal an, wie die BBC berichtete.Die Rettungskräfte in den Katastrophengebieten beider Länder suchten derweil am Tag nach dem Unglück weiter mit Hochdruck nach Verschütteten. Weitere 111 Profiretter der Feuerwehr erreichten am Vormittag (Ortszeit) den Flughafen in Tingri, im Südwesten Tibets, um von dort ins Katastrophengebiet aufzubrechen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete.Die dicken Schlammmassen am dramatisch überspülten Grenzübergang Gyirong erschwerten aber die Rettungsarbeiten. Die Geröll- und Schlammlawinen haben zudem die Straßen für schweres Gerät und große Fahrzeuge unpassierbar gemacht und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen lassen.Nach Angaben des Nepal Red Cross wurden rund 1200 Menschen aus mindestens drei Dörfern vertrieben. Die Organisation konzentriert sich inzwischen neben den Suchmaßnahmen verstärkt auf die Versorgung der Betroffenen mit Hilfsgütern.Am Mittwoch hatten gewaltige Schlamm- und Gesteinsmassen in der Gebirgsregion zwischen Nepal und dem Südwesten Tibets entlang des Flusses Bhotekoshi bis nach Zentralnepal hinein eine Schneise der Verwüstung geschlagen.Die Flut riss Brücken mit sich, beschädigte Staudämme und ließ Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken, wie dramatische Videoaufnahmen zeigten. Der Moment des Unglücks wirkte wie aus einem Katastrophenfilm.Australiens Ministerpräsident Anthony Albanese sprach auf X von einer unbekannten Anzahl australischer Staatsbürger in der Region. „Nepal ist ein Entwicklungsland. Es verfügt nicht über die Ressourcen, die in Australien für ein solches Ereignis zur Verfügung stünden. Daher ist die Informationsbeschaffung schwierig“, zitierten ihn australische Medien. Nach Informationen der Regierung in Canberra werden mindestens 34 Australier vermisst.Die USA sagten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern zu. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000 US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Außenministerium mit.Auch die Vereinten Nationen kündigten weitere Hilfe an. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher ordnete die Freigabe von zwei Millionen US-Dollar aus dem Zentralen Nothilfefonds der Vereinten Nationen an. Das Geld soll unter anderem für medizinische Versorgung, Unterkünfte und Trinkwasser eingesetzt werden.EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden, schrieb sie auf X.Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und Rettungskräften auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung. UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe durch Teams der Vereinten Nationen zu.Die betroffene Region gilt als beliebtes Wandergebiet und Ziel von buddhistischen und hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet wollen.Unter den Vermissten befinden sich nach Angaben der Behörden auch zahlreiche Menschen, die auf dem Weg zu einer Pilgerreise zum Mount Kailash waren. Nach Angaben des indischen spirituellen Lehrers Sadhguru Jaggi Vasudev wurde eine Gruppe von 77 Pilgern von den Fluten an einem Grenzübergang eingeschlossen. Zu der Gruppe sollen 22 US-Amerikaner und Menschen aus weiteren Ländern gehört haben.Bereits vor einem Jahr hat eine schwere Flut in dem Gebiet Menschen getötet und eine Brücke zerstört. Laut nepalesischen Medien hatte sich im Juli 2025 am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein Gletschersee plötzlich in den Bhotekoshi-Fluss ergossen.Suche nach der UrsacheWas die Flutwelle diesmal auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutete jedoch nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die „Kathmandu Post“ berichtete. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei. Eine Flut aus Wasser, Eis und Geröll sei dann flussabwärts niedergegangen.Lesen Sie auchDie US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch einen Erdrutsch am Morgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, „dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde“, teilte die USGS mit.dpa/kami/lfb/lay/luwi/nw/ceb