Abrupter doppelter Führungswechsel bei Techem: Der Ablesekonzern teilte am Donnerstag mit, Unternehmenschef Matthias Hartmann und Finanzchef Carsten Sürig schieden noch am selben Tag aus der Geschäftsführung aus. Hartmann hatte zwar vor vier Monaten schon angekündigt, er wolle seinen Vertrag über das Frühjahr 2027 hinaus nicht verlängern.Nun aber gehen er und zusätzlich noch Sürig, beide 60 Jahre alt, mit sofortiger Wirkung, ohne dass reguläre Nachfolger benannt sind. Stattdessen führt nun eine Übergangsdoppelspitze das Unternehmen aus Eschborn, „bis die Positionen endgültig neu besetzt sind“, wie Techem mitteilte. Das Duo besteht aus dem Deutschlandchef Ulrich Schiller, 50 Jahre, und Aufsichtsratsmitglied Michael Nilles, 53 Jahre. Das dritte Mitglied der Geschäftsführung, Nicolai Kuß, verbleibt in seiner Position, er verantwortet Vertrieb und Kundenmanagement.So kommt zu den vergangenen Turbulenzen in der Eignerstruktur nun noch Unruhe an der operativen Spitze hinzu. Als Techem Ende April bekanntgab, Hartmann werde seinen Vertrag im kommenden Frühjahr nicht verlängern, hatte man sich mit der Nachfolge noch Zeit gelassen: Das zuständige Gremium werde „zu gegebener Zeit einen strukturierten Nachfolgeprozess durchführen“, hieß es damals. Erst vor einer Woche schickte Techem eine Terminvormerkung („Save the Date“), wonach Hartmann am 1. Oktober den „Techem Atlas“ vorstellen sollte, der die Entwicklung von Energie-, Wärme- und Wasserverbrauch in deutschen Mehrfamilienhäusern beleuchtet – das kann als weiteres Indiz dienen, wie abrupt der Wechsel auch intern kommt.Wechselnde Private-Equity-Gesellschaften als EigentümerTechem ist, mit Unterbrechung, seit 30 Jahren in der Hand von Private Equity. Im vergangenen Jahr geriet das Unternehmen zum wiederholten Male in eine neue Eigentümerkonstellation. Der Schweizer Finanzinvestor Partners Group hatte den Erfasser von Heizungs- und Wasserkosten in Immobilien an den US-Finanzinvestor TPG veräußern wollen. Doch der zog sich aus der 6,7 Milliarden Euro schweren Vereinbarung zurück, als die EU-Kartellaufsicht eine vertiefte Prüfung wollte. Stattdessen stieg TPG am Ende mit einer Minderheitsbeteiligung ein. Nach damaligen Techem-Angaben lagen in der neuen Struktur noch 51 Prozent bei Partners Group. Als weitere Minderheitseigner wurden der singapurische Staatsfonds GIC und die Investmentgesellschaft Mubadala aus Abu Dhabi genannt.Techem ist einer von zwei dominierenden Konzernen, die den Wärme- und Wasserverbrauch in Mehrfamilienhäusern erfassen und die Kosten für die einzelnen Haushalte berechnen. Großer Konkurrent ist Ista. Kunden sind Wohnungsbaugesellschaften, Hausverwaltungen und Eigentümer in Mehrfamilienhäusern. Der früher börsennotierte Konzern erzielt nach den jüngsten veröffentlichten Angaben mehr als eine Milliarde Euro Jahresumsatz mit 4300 Beschäftigten und bedient knapp 14 Millionen Wohnungen in 18 Ländern.Hartmann hält sich zugute, die Digitalisierung des Geschäfts bei Techem vorangetrieben zu haben. Er war 2020 als Nachfolger von Frank Hyldmar an die Spitze von Techem gewechselt. Zuvor hatte er als Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland gearbeitet und als Vorstandsvorsitzender des Marktforschungsunternehmens GfK.
Heizkostenableser: Rätselhafte Abgänge bei Techem
Der Heizkostenableser kommt nicht zur Ruhe. Ein Jahr nach dem turbulenten Eigentümerwechsel gehen Knall auf Fall der Vorstandschef und der Finanzchef. Das Unternehmen wird nun interimistisch geführt.







