Dass manche Lieder von Prince, in all ihrer Virtuosität und Exaltiertheit, auch etwas Komödiantisches haben, zeigt sich schon an einem der bekanntesten mit der gewitzt unterbrochenen Zeile „I just want your – dingelingelingelingeling – kiss!“. Während darin die äußerst funky gespielte Gitarre für den Witz sorgt, ist es in „Tick Tick Bang“ die Zungenakrobatik des Sängers, der in unfassbarer Geschwindigkeit das Ticken einer Bombe imitiert – fast unnötig zu sagen, dass es sich dabei um eine Sexbombe handelt. Der 1981 aufgenommene Song, der mit einer regelrechten Schlagzeug-Attacke beginnt, zeigt auf allen Ebenen die schiere Freude an einer Spielart des Rock ’n’ Roll, die ständig für Explosionen sorgt.Ob Prince, der sehr viele Instrumente beherrschte, ein besserer Sänger oder Gitarrist war, ist eine schwer zu beantwortende Frage, weil er beide Künste zu ungekannten Ekstasen brachte und selbst die größten Vorbilder, darunter James Brown und Jimi Hendrix, teils noch übertraf. Während insbesondere seinen Falsettgesang wohl niemand vergessen könnte, wird das (Solo-)Gitarrenspiel vielleicht zumindest von manchen noch unterschätzt. Wer das tut, sollte sich vielleicht einmal die Aufzeichnung aus der Rock ’n’ Roll Hall of Fame von 2004 ansehen, bei der Prince sogar unter den großen Rockgitarristen, die zu Ehren von George Harrison „While My Guitar Gently Weeps“ spielen, heraussticht. Bei einem Stück wie dem dreckigen „The Guilty Ones“, das auf der hier angezeigten Veröffentlichung zu hören ist, kann man von Prince Gitarrentöne hören, wie man sie wohl eher vom Heavy Metal gewohnt ist – auch solche hatte er locker drauf.Material aus unterschiedlichen WerkphasenEtwas mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass Prince Rogers Nelson im Alter von 57 Jahren nach einer Überdosis an Schmerzmitteln auf seinem Anwesen Paisley Park in Minnesota tot aufgefunden wurde. Das heute auch der Öffentlichkeit zugängliche Anwesen war seine Kreativzelle mit legendär gewordenem Studio, in dem der Tausendsassa seine Musik großteils selbst einspielte und produzierte. In seinem Nachlass schlummern noch unveröffentlichte Reste davon. Die eingangs genannten, bislang unbekannten Songs von Prince sind auf einer heute erscheinenden Kompilation zu hören, die als „Album“ zu bezeichnen etwas irreführend wäre, weil es sich um Songs aus ganz unterschiedlichen Werkphasen handelt.„Timeless“ umfasst Aufnahmen von 1977 bis 2016 und wird seinem Titel vielleicht nicht mit jeder davon gerecht. Denn etwa die Ballade „With This Tear“ (1991) ist schon ziemlich verhaftet in einer Neunziger-Klangästhetik mit Synthesizer, Glockenspiel und Geigen. Trotzdem bestärkt selbst ein solcher Song in der Ansicht, dass es „B-Seiten“ bei Prince vielleicht gar nicht gibt – man würde ihn nur mit seiner eingängigen Soulstimme gerne noch einmal anders arrangiert hören (ohne damit schlafende KI-Hunde wecken zu wollen).Der lustige Sprechgesang von „Calabama“ (2003) erinnert daran, wie Prince auch im Hip-Hop mitbeheimatet war; den meisten Tanz-Drive hat das zu Recht als Single ausgekoppelte „Stone“ (1995); das theatralische „Bestest Friend“ (2012) schraubt über schrillen Bigband-Arrangements dann noch einmal Gesang und Gitarre in höchste Höhen. Und quasi als Zugabe gibt es eine Liveaufnahme von „How Come You Don’t Call Me Anymore“ von 2016, bei der nicht nur der Sänger, sondern auch das Publikum in Ekstase gerät. Im selben Jahr, wenige Tage nach dem Tod von Prince, wurde dieses Stück in Paisley Park bei einer Gedenkveranstaltung dann schon von einer anderen Stimme, jener von Alicia Keys gesungen, die ihn Jahre zuvor schon gecovert und als „so raw and truthful“ bezeichnet hatte. Stimmt noch immer.Prince: „Timeless“. Sony Music
„Timeless“: Unveröffentlichte Prince-Songs zehn Jahre nach seinem Tod
Fast unnötig zu sagen, dass es sich dabei um eine Sexbombe handelt: Zehn Jahre nach dem Tod des großen Popmusikers Prince erscheint das aus bislang unveröffentlichtem Material kompilierte Album „Timeless“.











