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Nach zwei Insolvenzen: Handelskette Depot wird offenbar eingestellt Der Deko- und Einrichtungshändler Depot gibt sein Geschäft wohl Ende September auf. Zwei Insolvenzen binnen zwei Jahren konnten den Händler nicht retten. Die Kritik an Inhaber Christian Gries wächst.
Erst im Juni hatte Depot angekündigt, zahlreiche unrentable Filialen zu schließen. Jetzt macht der Händler all seine Geschäfte dicht. Foto: dpa Picture-AllianceDie Wohnaccessoires-Handelskette Depot wird offenbar zum 30. September den Betrieb einstellen. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus dem Umfeld des Unternehmens. Demnach soll Christian Gries, Inhaber der Depot-Muttergesellschaft GDC Deutschland GmbH, seine Mitarbeiter am Mittwochvormittag in einer Telefonkonferenz über den Schritt informiert haben. Für die Zukunft soll er laut Unternehmenskennern an weiteren „Shop-in-Shop“-Lösungen arbeiten und sei dazu mit Edeka und Rewe im Gespräch. Auf eine WirtschaftsWoche-Anfrage äußerte sich Christian Gries zunächst nicht. Auch das Branchenmedium Lebensmittel Zeitung berichtet über das bevorstehende Aus.Es ist das bittere Ende einer seit Jahren andauernden Krise des Handelsunternehmens. Erst im Mai hatte Gries den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt; es war bereits die zweite Insolvenz binnen zwei Jahren.Im Juni hatte Depot angekündigt, unrentable Filialen zu schließen. Mittelfristig sollten noch etwa 80 Geschäfte übrigbleiben. Nach WirtschaftsWoche-Informationen wurden zudem rund 75 Prozent der Depot-Angestellten bereits zum 31. Juli 2026 freigestellt. Sie sollen auch kein Gehalt mehr bekommen haben, weil die GDC Deutschland GmbH kein Geld mehr hat.Insolvenz Welchen Anteil hat Inhaber Gries am Niedergang der Dekokette Depot? von Stephan KniepsWarum Depot scheiterteChristian Gries ist der Enkel der Unternehmensgründer. Seine Großeltern hatten 1948 mit der Herstellung und dem Vertrieb von Christbaumschmuck die Firma begründet. Gries übernahm im Jahr 2000 die Unternehmensleitung und baute das Großhandels- zum Einzelhandelsgeschäft um. Die erste Depot-Filiale für Endkunden eröffnete er 2000 in Aschaffenburg. Schon drei Jahre später schloss er die 50. Filiale auf.Zwischen 2009 und 2012 verkaufte Gries sein Unternehmen schrittweise an die Schweizer Migros-Gruppe, die vor allem für die gleichnamige Supermarktkette bekannt ist. Die Schweizer Inhaber expandierten mit Depot in beachtlichem Tempo, erhöhten die Zahl der Filialen von 109 (im Jahr 2009) auf 500. Der Umsatz eskalierte von 83 Millionen auf über 575 Millionen Euro (2017). Allerdings schrieb die damalige Depot-Muttergesellschaft Gries Deco Company in den Jahren 2016 und 2017 bereits tiefrote Zahlen. Ende 2019 kaufte Gries die Firma von Migros wieder zurück. Doch die kurz darauf beginnende Coronapandemie erschwerte Depot – wie allen anderen stationären Händlern – das Geschäft. Darüber hinaus halten zahlreiche Begleiter und Branchenkenner auch Christian Gries selbst für mindestens mitschuldig am Niedergang von Depot.Gries und die ManagementfehlerKenner beschreiben ihn als schwierig im Umgang. Die „Lebensmittel-Zeitung“ zitierte zuletzt Wegbegleiter, die Gries als „dominanten Alleinentscheider“ bezeichnen. Davon zeuge etwa der hohe Verschleiß an Führungskräften. Zudem, so lautet ein weiterer Vorwurf, habe Gries die finanzielle Notlage verkannt, in der sich Depot spätestens seit der Coronazeit befunden habe, und habe nicht jeden verfügbaren Euro ins Unternehmen investiert. „Er hat sein Unternehmen kaputtgespart“, kritisierte ein Kenner. Die WirtschaftsWoche hatte zudem im Juli berichtet, dass Gries 2020 im Rahmen des sogenannten „Open-house“-Verfahrens des damaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) mehrere Millionen Atemschutzmasken geliefert hatte. Davon zeugte ein in den Jahren darauf folgender Streit mit einem Zulieferer aus Hongkong vor dem Landgericht Aschaffenburg.Im Zuge der früheren Expansion startete Depot bereits 2015 das sogenannte „Rooms by Depot“-Konzept: Shop-in-Shop-Flächen in größeren Edeka-, Rewe- und Toom-Märkten. Auf dem Höhepunkt soll es mehr als 150 dieser Shop-in-Shop-Depots gegeben haben. Aber wie die Lebensmittel Zeitung vergangene Woche berichtete, suchten die Handelspartner aufgrund der immer düsterer werdenden Lage von Depot diesbezüglich bereits nach Alternativen für diese Flächen. Für Gries sollen diese Konzepte offenbar eine letzte Lösung sein. Es bleibt abzuwarten, wie Edeka und Rewe nun auf die Geschäftsaufgabe von GDC reagieren.Nach der letzten Ankündigung im Juni, das gerupfte Depot-Filialnetz noch einmal um 66 Standorte zu reduzieren, stand für Beobachter das Ende bereits fest: „Die können nicht profitabel sein“, sagte ein Insider gegenüber der WirtschaftsWoche: „Depot braucht eine kritische Masse von etwa 150 Filialen, um sich zu finanzieren. Mit 80 Filialen kann Depot dieses Geschäftsmodell nicht wirtschaftlich darstellen.“ Damals widersprach Christian Gries klar: „Wir haben umfangreiche Berechnungen anstellen lassen. Auch mit 80 Filialen oder weniger kann Depot wirtschaftlich arbeiten.“ Rund fünf Wochen später lässt sich festhalten: Er hat sich offenbar geirrt. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick








