Der Meister des würdigen Lebens / Von Bernd EilertAls ich Hans Traxler im Jahre 1970 kennenlernte, gehörte er zu den wenigen Menschen im Umkreis der später sogenannten Neuen Frankfurter Schule, die ich bedenkenlos gesiezt habe. So habsburgisch souverän trat er auf, makellos wie seine Zeichnungen. Auch als wir irgendwann zum Du übergingen: daran änderte sich nie etwas. Obwohl sein Lebensideal britisch klang: A decent life wollte Hans Traxler führen, und das ist ihm wohl gelungen.Bernd Eilert ist Schriftsteller. Leonardo da Lindscheid / Von Pit KnorrDas Dorf Lindschied war für einige Jahre unser kreativer Rückzugsort. Ich habe ihn Leonardo da Lindschied genannt. Er nannte mich seinen Bestsellerautor. Es waren fabelhafte Zeiten. Wir gehörten beide zur Neuen Frankfurter Schule. Wir haben zusammen „Titanic“ gegründet. Wir haben gemeinsam erfolgreiche Bücher gemacht. Wir sind zusammen nach Moskau gereist und nach Paris. Er hat’s gezeichnet, ich hab’s beschrieben. Einen solch großartigen Zeichner als Freund und Partner zu haben, war ein Glücksfall. Ihn zu verlieren, ein Trauerfall. Ein heftiger.Pit Knorr, geboren 1939, ist Schriftsteller.Auf dem einzig gangbaren Weg zum Glück / Von Mehrdad ZaeriHans Traxler war einer der ganz Großen – jedenfalls für jemanden, der seit seinem fünfzehnten Lebensjahr wie ein Besessener zeichnet, heute 56 ist, in Deutschland lebt und das Erzählen als den einzig gangbaren Weg zum Glück kennt.Mehrdad Zaeri, geboren 1970, ist Illustrator.Diese so schwierige Leichtigkeit„Fünf Hunde erben 1 Million“ hieß das Buch, das ich aus der Bibliothek ausgeliehen hatte. Ich war sieben, Hunde fand ich gut, und wollte wissen, was die mit so viel Geld machen. Und so tauchte ich das erste Mal in die Welt von Hans Traxler ein. Amüsierte mich über seine Geschichten. Fühlte mich in seinen Häusern, Wohnzimmern und Landschaften zu Hause. Und versuchte, die Tiere und Menschen, die dort lebten, mit meinen Filzstiften nachzuzeichnen. Was kompliziert war und mir eine allererste Ahnung davon gab, wie schwer es ist, Leichtigkeit zu schaffen.Denn Leichtigkeit war das, was Hans Traxlers Zeichnungen auch später in der Neuen Frankfurter Schule, in „Pardon“ und dem „Titanic“-Magazin immer herausstechen ließ. Während F. W. Bernstein experimentierte, F. K. Wächter schraffierte und Robert Gernhardt lieber dichtete, ließ er seine Pinsel sanft über das Papier schweben, sodass die geschmeidigen Linien aus seiner so klugen wie spöttischen Weltsicht wunderschöne Bilder machten. Je länger ich mich selbst mit der Zeichnerei beschäftigte, desto mehr begriff ich, was für ein Meister der luftigen Linien Hans Traxler war. Und wie viel Schönheit seine scheinbare Mühelosigkeit in unsere Welt bringt.Jetzt hat Hans Traxler Pinsel und Farben für immer beiseitegelegt. Was ich kaum glauben kann. Das Einzige, was mich seitdem ein bisschen tröstet, ist die Vorstellung, dass er vielleicht eine Million an fünf Hunde vererbt hat. Und seine Lebenslinien weitergehen.Flix, geboren 1976, ist Comiczeichner, Schriftsteller und Illustrator.