Bis zu 17,1 Milliarden Dollar muss der Konzern Meta an 47 Bundesstaaten, den Disctrict of Columbia (Washington) und mehrere US-Territorien in einem historischen Prozess bezahlen. Die Summe ist eine der höchsten Strafzahlungen, die ein Tech-Konzern jemals leisten musste. Die Strafe folgt keinem Urteil, sondern einer außergerichtlichen Einigung.Die New York Times beschreibt diese Einigung als „dramatische Kapitulation“ des Konzerns, zu dem die marktführenden sozialen Medien Facebook, Instagram und Whatsapp gehören. Vorangegangen waren Klagen von 29 Bundesstaaten. Sie hatten argumentiert, dass diese Anwendungen Sucht erzeugen und vor allem bei Kindern und Jugendlichen psychische Schäden nach sich ziehen. Außerdem habe Meta die Privatsphäre nicht ausreichend geschützt. Daten auch minderjähriger Nutzender seien verwendet worden, um KI-Anwendungen des Konzerns zu trainieren.Zusätzlich zu den Strafzahlungen verpflichtet sich Meta auch, bestimmte Mechanismen so zu justieren, dass diese Gefahren minimiert werden. Wie diese Änderungen genau aussehen sollen, ist am späten Mittwochnachmittag noch nicht bekannt gewesen. Es ist anzunehmen, dass die Nutzungszeit für Kinder und Jugendliche begrenzt wird. Auch die Automatisierungen der Newsfeeds und Reels könnten Gegenstand von Änderungen sein. Das automatische Abspielen weiterer Videos gehört genauso zu den Suchtmechanismen, wie die Dopamin-Schleudern der sozialen Signale, also die Likes, Däumchen und Herzchen, die Nähe, Zustimmung und Ablehnung vorspiegeln.Zum Prozessauftakt am 19. August waren zahlreiche Angehörige von Opfern solcher psychischen Schäden vor dem Gerichtsgebäude in Oakland aufgetaucht. Sie trugen Plakate mit den Bildern von Kindern und Jugendlichen, die sich das Leben genommen hatten und beklagten, Meta habe den Tod dieser Menschen verursacht. Die Szene erinnerte an eines jener historischen Bilder aus Bürgerkriegsländern, auf denen Angehörige bei Protestmärschen die Bilder ihrer ermordeten oder verschleppten Verwandten hochhielten.Der Prozessausgang ist vor allem deswegen ein so historischer Moment, weil sich der Konzern damit erstmals einer Regulierung von außen beugt. Meta gehörte zu den hartnäckigsten Vertretern jener Firmen, die daran festhalten, dass technischer Fortschritt nur ohne jede Einmischung von Behörden oder Drittorganisationen möglich ist. Unterm Strich bedeutete das, dass mächtige Technologien, die buchstäblich von Milliarden Menschen genutzt werden, ohne jede Qualitätskontrolle auf den Markt kamen und betrieben wurden.Auch der Rest der Welt wird von diesem Urteil profitieren. Meta wird die Änderungen kaum nur für die USA ausführen. Vor allem, weil auf den Absatzmärkten in Europa und Australien ähnliche Prozesse laufen oder drohen. Ein halbes Dutzend Länder, darunter Frankreich, Österreich und Griechenland, erwägen derzeit auch Gesetze, die die Nutzung von Social Media für Kinder und Jugendliche grundsätzlich verbieten sollen.Der Konzern wehrt sich bisher gegen die Vorwürfe und weist darauf hin, dass Social-Media-Sucht keine anerkannte psychische Erkrankung sei. Das stimmt nur insofern, als dass diese Form der Sucht noch nicht ins offizielle Handbuch der psychischen Erkrankungen aufgenommen ist. Die Forschung ist sich noch nicht einig, ob übermäßiger Social-Media-Gebrauch solche Schäden verursacht oder nur vorhandene psychische Leiden verstärkt.Der jetzt verhandelte Vergleich ist nicht die erste Entscheidung dieser Art. Im März verurteilte ein Gericht in New Mexico Meta zu einer Zahlung von 375 Millionen US-Dollar, weil die Firma die Nutzer getäuscht habe. Anfang August ordnete ein Richter in dem Fall weitere 567 Millionen Dollar Strafe sowie Maßnahmen für den Jugendschutz an. Ebenfalls im März sprach eine Jury einer Klägerin sechs Millionen Dollar zu, weil die Plattformen von Meta und Google bei ihr Depressionen und Angstzustände verursacht hätten.So historisch der Vergleich mit Meta in Oakland nun ist, der Konzern rettet sich damit auch vor einem Verlauf des Prozesses, der noch viel teurer hätte werden können, bis zu 1,4 Billionen US-Dollar hatten die Kläger ursprünglich gefordert. 1,4 Billionen US-Dollar, das ist ungefähr die Summe, die dem Börsenwert des Unternehmens entspricht.Gegen die Urteile in New Mexico und Los Angeles geht Meta nun in Berufung. Der Vergleich von Oakland könnte dagegen ein Wendepunkt im Umgang der Zivilgesellschaft mit sozialen Medien sein.
Meta zahlt 17 Milliarden an US-Bundesstaaten in außergerichtlichem Vergleich
Meta zahlt 17 Milliarden an US-Bundesstaaten in außergerichtlichem Vergleich











