Eine eherne Regel für Wanderer lautet: Alle Abfälle, die auf deiner Tour anfallen, nimmst du mit nach Hause und entsorgst sie dort. Das gilt für Brotzeitreste genauso wie für leere Dosen oder Flaschen und anderes. Lothar Mies, seit mehr als 35 Jahren Ranger im Nationalpark Bayerischer Wald, und seine Kollegen beobachten indes, dass die Grundregel immer öfter missachtet wird. Und zwar sogar in ihrem Nationalpark, wo die Wanderer gleichsam an jeder Ecke darauf hingewiesen werden, dass sie in einer besonders geschützten Natur unterwegs sind.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Dieser Tage ist es offensichtlich richtig krass. Auf einem Rundgang am Lusen hat Mies allein auf dem wenige Hundert Meter langen Schlussanstieg zu dem felsigen Nationalpark-Gipfel, der sogenannten Himmelsleiter, 130 weggeworfene Papiertaschentücher eingesammelt. Auf seinem Rückweg über den Winterweg waren es dann noch einmal 60 Stück. Damit nicht genug: Typische andere Hinterlassenschaften im Nationalpark sind volle Hundekotbeutel, Zigarettenstummel und jede Art Plastikmüll, heißt es von den Rangern. Dazu volle Windeln, kaputte Schuhe, Getränkekartons.In den Bergen machen sie ähnliche Beobachtungen. Schon vor Jahren hat der Deutsche Alpenverein (DAV) deshalb die Aktion „Saubere Berge“ gestartet und zum Beispiele Abfalltüten-Spender in den Alpenvereinshütten installiert. Die Beutel, die sich Wanderer und Bergsteiger aus ihnen ziehen können, damit sie ihre Abfälle zurück ins Tal mitnehmen können, sind aus kompostierbarer Maisstärke. Außerdem organisieren sie an besonders frequentierten Bergen Müllsammelaktionen. Diesen Herbst zum Beispiel im Spitzinggebiet am Rosskopf, im Wetterstein rund um die Reintalangerhütte und in den Tegernseer Bergen am Galaun.Nationalpark Bayerischer Wald:Das Waldschmidthaus macht wieder aufSeit Jahren ist das denkmalgeschützte Schutzhaus am Großen Rachel geschlossen. Die Sanierung geht voran, für 2027 ist die Wiedereröffnung geplant. Nur ein Pächter wird noch gesucht.Denn die Abfälle, auch das weiß eigentlich ein jeder Wanderer, verschandeln ja nicht nur die Landschaft. Sondern sie belasten die Natur. Bis die Kunststoffverpackung eines Müsliriegels, die irgendwo in der Bergwelt herumliegt, gänzlich verrottet ist, dauert es 200 bis 400 Jahre. So kann man bei der DAV-Sektion München-Oberland nachlesen. Bei einer Getränkedose sind bis zu 600 Jahren. Und für ein weggeworfenes Papiertaschentuch braucht es immerhin bis zu fünf Jahre. Auch Bananen und andere Obstschalen sind weniger harmlos als viele denken: Bis sie sich in der Bergwelt zersetzt haben, können drei Jahre vergehen.Juristisch gesehen sind die weggeworfenen Papiertaschentücher, Bananenschalen und der ganze andere Unrat in der Natur denn auch illegale Müllentsorgung. Streng genommen können sie mit einem Bußgeld bestraft werden. Das Problem ist nur, dass die Delinquenten in aller Regel nicht greifbar sind, sondern eben nur ihre Hinterlassenschaften. Wohl deshalb belassen sie es im Nationalpark Bayerischer Wald und beim Alpenverein bei dem dringenden Appell, dass ein jeder doch bitte schön seine Ausflugsabfälle nicht in der freien Natur, sondern zu Hause entsorgen soll. Am besten, man nimmt sich dazu im Rucksack eine eigene Tüte oder Box mit.