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Dampfturbinenwerk vcon Siemens Energy in Görlitz: Dieser Standort könnte bald auch einem Investor gehören. Foto: picture alliance/dpa Siemens Energy: Abspaltung der Abspaltung – was sich Siemens Energy vom Umbau verspricht Der Konzern fokussiert sich auf das profitstarke Energiegeschäft und will seine kleinste Sparte „Transformation of Industry“ ausgliedern – als Paket. Was nun passiert.

Auf einmal ging alles sehr schnell: Ende Juni wurde aus internen Papieren bekannt, dass der Vorstand von Siemens Energy die Abspaltung seiner kleinsten Sparte nicht nur erwägt, sondern bereits komplett durchgerechnet hat. Die Belegschaft war überrumpelt, nicht einmal Aufsichtsräte wussten vorab von den Plänen.Anfang August warb Vorstandschef Christian Bruch dann offen für die Eigenständigkeit der sogenannten „Transformation of Industry“ (TI). „Das beste Beispiel für eine erfolgreiche Abspaltung ist Siemens Energy“, sagte der CEO auf Nachfrage der WirtschaftsWoche. „Wir wären nicht da, wo wir heute sind, wenn wir um die Mittel der Siemens AG hätten kämpfen müssen.“ Zu dem Zeitpunkt zeigten Arbeitnehmervertreter sich kritisch gegenüber den Plänen, doch indessen stimmten sie in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats zu.Für Investoren ist eine gute Nachricht: Sie lieben klare Anlagestorys. Die Entscheidung helfe Siemens Energy, sich voll auf den Markt für Elektrifizierung zu konzentrieren, lobt etwa der Deutsche-Bank-Analyst Gael de-Bray.Rund zehn Milliarden Dollar könnte die Sparte laut Bloomberg wert sein. Mehrere Finanzinvestoren prüften schon mögliche Angebote – darunter könnten laut dem Medienhaus CVC Capital Partners, EQT und Bain Capital sein, auch Brookfield und KKR. Bald sollen die Verkaufsgespräche offiziell beginnen.Siemens Energy beginnt mit der AbspaltungBruchs Verweis auf die eigene Erfolgsgeschichte stimmt: Siemens Energy ist von der einstigen Bad Bank des Siemens-Konzerns zum boomenden Dax-Wert aufgestiegen – ausgerechnet dank des Geschäfts mit Gasturbinen und Netzen. Dem Kapitalmarkt gefallen solche klaren Zuschnitte. Doch die betroffene Sparte ist kein Sanierungsfall, im Gegenteil: 17.000 Beschäftigte, 5,7 Milliarden Euro Umsatz und 11,3 Prozent Gewinnmarge im Geschäftsjahr 2025.Warum forciert Bruch jetzt so ungeduldig die Abspaltung der Abspaltung?Die TI-Sparte, die Bruch jetzt verselbstständigen will, passt weniger gut zum Rest des Konzerns. Sie bedient das Industriegeschäft, zu ihrer Kundschaft gehören etwa Öl- und Gaskonzerne, die Chemieindustrie, Rechenzentren und die Schifffahrt. Die übrigen drei Sparten konzentrieren sich auf Stromerzeugung und -übertragung.So begründet Bruch auch die Pläne gegenüber seinen Mitarbeitern: Die Märkte, auf denen die Sparte unterwegs ist, „unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von anderen Geschäftsbereichen von Siemens Energy“, schreiben Bruch und Sparten-Chefin Anne-Laure de Chammard. „Sie sind häufig dynamischer, stärker transaktionsgetrieben und von anderen Kundenbedürfnissen geprägt.“Mehr Kapital für die IndustriesparteWettbewerber wie Baker Hughes und Atlas Copco haben höhere Margen und machen mehr Umsatz. Um in diesem Umfeld zu bestehen, brauche TI mehr finanzielle Spielräume und eine agilere operative Struktur. „Als eigenständiges Unternehmen“, so die Vorstände, „hätte TI mehr Freiheit, dort zu investieren, wo das größte Potenzial gesehen wird.“ Die Sparte müsste dann nicht länger mit den schneller wachsenden Bereichen Gas Services und Grid Technologies um Kapital konkurrieren.Im Klartext: Ihr habt Potenzial, aber wir haben kein Geld für euch – also sucht es euch anderswo.In einem ersten Schritt will Siemens Energy TI nun rechtlich verselbstständigen. Dazu müssen zahlreiche Verbindungen zum restlichen Konzern gekappt und eigenständig aufgesetzt werden – etwa eine bislang gemeinsame IT. Ein zentrales Team habe bereits mit der Arbeit begonnen, teilte der Konzern seinen Mitarbeitern mit. Der Prozess werde Monate dauern, sagte eine Unternehmenssprecherin. In der Branche rechnet man mit bis zu zwei Jahren für einen kompletten Carve-out.Parallel prüft der Konzern nun, welche Eigentümerstruktur die richtige ist und ob ein Börsengang in Frage käme. In Branchenkreisen gilt der Einstieg eines Investors als am wahrscheinlichsten. Ganz lösen will man sich aber nicht: Siemens Energy will Minderheitseigner werden.Warum TI passt nicht zum Rest?In der Branche ist die TI als „Gemischtwarenladen“ verschrien, weil sie so divers ist: Zum Kerngeschäft gehören industrielle Dampfturbinen und Kompressoren. Dazu kommen Generatoren und Motoren, Elektrolyseure für Wasserstoff, maritime und Unterwassertechnik, industrielle Energie- und Elektrifizierungslösungen. Rund 50 Prozent des Umsatzes erzielt die Sparte allein mit Service.Zu den wichtigsten deutschen Standorten der Sparte zählen Duisburg, Erlangen, Görlitz, Mülheim an der Ruhr, Nürnberg und Erfurt. Eine Standort- oder Beschäftigungsgarantie werde man im Zuge der Ausgliederung nicht aussprechen, sagt eine Unternehmenssprecherin. Aber es gehe bei der Abspaltung um Wachstum, betont sie, nicht um Schrumpfung.Überschneidungen mit anderen Bereichen von Siemens Energy gibt es noch. So kommt es vor, dass Industriekunden Projekte vergeben, bei denen sowohl TI als auch andere Sparten liefern. Die Verflechtungen sind aber begrenzt. Wenngleich Dampfturbinen das Geschäft der Industriesparte TI sind, baut etwa die Gassparte Dampfturbinen, aber nur solche, die in Kombination mit Gasturbinen in einem Kraftwerk zur Stromerzeugung eingesetzt werden.Das Wasserstoffgeschäft als BremseDer größere Haken liegt womöglich woanders: Siemens Energy will die Sparte explizit als gesamtes Paket anbieten, eine Zerschlagung erwägt der Konzern laut eigenen Aussagen nicht. Das dürfte zwar Mitarbeiter erleichtern, aber den Einstieg für Investoren unattraktiver machen. Nicht jeder Käufer wird sich für jedes einzelne TI-Geschäft gleichermaßen begeistern können.Das Geschäft mit Wasserstoff-Elektrolyseuren, auf dem einst große Hoffnungen ruhten, hat sich als Enttäuschung erwiesen. Es schrieb 2025 noch Verluste, gilt aber weiterhin als strategisch wichtig für Deutschland. Damit dieses Geschäft wachsen kann, braucht es einen geduldigen Eigentümer. Typische Finanzinvestoren sind das nicht. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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