Man muss schon lange suchen, bis man auf eine bekannte Modemarke stößt, die nicht im Parfumgeschäft tätig ist. Häufig sind die Parfums einer Marke bekannter als die Mode selbst. No. 5 zum Beispiel ist ein Begriff, der klar zu Chanel gehört. Der Flakon ist ein Klassiker, einige werden sich, riechen sie diesen Duft, ihrer Großmutter wieder ganz nah fühlen. Aber wie heißt noch gleich diese Stepptasche aus demselben Haus mit der markanten Goldgliederkette und der doppelten C-Schließe? Classic Flap Bag – dieser Name könnte überall hingehören.Nicht wenigen wird aus dem Stand auch ein Gucci-Duft einfallen – Flora, Bamboo, Guilty zum Beispiel –, ohne dass sie vertraut sind mit der Designphilosophie des neuen Kreativdirektors Demna. Und dass Valentino aus Rom kommen muss, ist schon klar, weil es von Valentino diesen Duft gibt: Born in Roma.

Umso mehr fällt eine Abweichung von der Regel auf: Max Mara, vor allem bekannt für Mäntel aus Kamelhaar und Kaschmir in Beige, aber auch darüber hinaus eine Anlaufstelle für gediegene Luxusstücke, für Schuhe, Taschen, Bademode und, ja, sogar Hochzeitskleider, roch lange nach nichts. In den Nullerjahren gab es mal eine Weile Düfte, dann wurde die Linie eingestellt. In allen anderen Bereichen trieb die Marke die Markenbildung hingegen voran, stets im Zeichen dieses einen beigefarbenen Kaschmirmantels, der 1981 entworfen wurde und ein neuer ästhetischer Anker für das damals schon 30 Jahre alte Unternehmen aus der italienischen Region Emilia-Romagna werden sollte.Die Marke für Mäntel: Look aus der Herbstkollektion von Max MaraGettyGanz verflogen war der Duft aber noch nicht im Hause Max Mara. Von wegen Mantel des Vergessens. Es habe einfach den „richtigen Partner gebraucht“, erzählt Maria Giulia Prezioso Maramotti am Telefon. Die Enkelin des Gründers Achille Maramotti, der Max Mara einst nach einem stilvollen Bewohner seiner Heimatstadt benannte – Max – und die Kurzform seines Nachnamens Maramotti dranhängte – Mara –, ist an diesem Sommertag im Auto unterwegs. Die Handy-Verbindung ist nicht besonders gut. Dafür hält Maramotti die Verbindung umso besser zum Kerngeschäft der Marke – den Mänteln.Auch der Duft, der seit Kurzem mit dem nun offenbar richtigen Partner Shiseido erhältlich ist, solle sich auf sie beziehen. Ein Duft als „unsichtbarer Mantel“, sagt sie, eine weitere Schicht zum Tragen, nur eben nicht aus Wolle, sondern auf Basis von Tuberose, Vanille und Zedernholz. Ein Duft, der einfach Le Parfum heißt, zu einem Mantel mit einem Namen, der nicht mehr als eine Kennzeichnungsnummer ist: 101801. Mal schauen, welches dieser beiden Stücke in ein paar Jahren bekannter ist.