Klaus-Michael Kühne hinterlässt ein Milliardenvermögen: Was nun mit seinem Erbe passiertDer Unternehmer hat seine Nachfolge lange vorbereitet. Sein Vermögen fällt an die Kühne-Stiftung – und deren Einfluss wächst damit in neue Dimensionen. Doch einige Fragen sind noch offen.26.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenKlaus-Michael Kühne: Obwohl er über Jahrzehnte in Schindellegi lebte, blieb er seiner Geburtsstadt Hamburg stets verbunden.Adrian Baer / NZZ«Unternehmerischer Erfolg sollte mit einer Förderung des Gemeinwohls einhergehen», pflegte Klaus-Michael Kühne zu sagen. Diesem Credo ist der erfolgreiche Unternehmer und Multimilliardär bereits zu Lebzeiten nachgekommen. Nun erhält es eine völlig neue Dimension.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kühne ist in der Nacht auf Montag im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Schindellegi im Kanton Schwyz verstorben. Der verheiratete, aber kinderlose Unternehmer hatte seine Nachfolge vor langem geregelt: Sein Vermögen soll der gemeinnützigen Kühne-Stiftung zufallen.Damit steht die Stiftung vor einem gewaltigen Sprung. Im laufenden Jahr hat sie nach eigenen Angaben Stiftungsmittel von 65 Millionen Franken. Künftig wird hinter ihr ein Beteiligungsvermögen im Wert von mehreren Dutzend Milliarden stehen. Und damit stellt sich die Frage: Was macht eine Stiftung mit so viel Geld?Ein MilliardenportefeuilleKühne hatte seine wirtschaftlichen Interessen in der privaten Kühne Holding mit Sitz in Schindellegi gebündelt. Ihr wichtigstes Aktivum ist die Mehrheitsbeteiligung am Logistikkonzern Kühne + Nagel, den der Unternehmer zu einem Weltkonzern ausgebaut hatte. Hinzu kommen grosse Beteiligungen an der Reederei Hapag-Lloyd, der Lufthansa Group sowie Engagements etwa beim Transportunternehmen Flix mit der Marke Flixbus. Die Holding besitzt zudem Hotels und andere Immobilien.Kühnes Vermögen wurde zuletzt auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt. Mit seinem Tod wird nun die Kühne-Stiftung die Eigentümerin der Kühne Holding und der darin enthaltenen Beteiligungen. Beobachter rechnen damit, dass die Beteiligungen in normalen Jahren Dividendenerträge in der Grössenordnung von 1 Milliarde Franken abwerfen. Wenn auch nur ein Teil dieser Erträge an die Stiftung ausgeschüttet wird, erhöht sich ihre finanzielle Schlagkraft erheblich.Keine Stiftung, die einfach Geld verteiltDie Kühne-Stiftung ist keine klassische Förderstiftung, die nur Gesuche prüft und Finanzmittel an Dritte vergibt. Sie versteht sich als operative Stiftung. Das heisst, sie entwickelt eigene Projekte, baut Institutionen auf und betreibt diese teilweise selbst.Rund 800 Mitarbeiter arbeiten heute für die Stiftung und 20 Tochtergesellschaften und Organisationen. Die Leiter der einzelnen Bereiche haben dabei relativ viel Handlungsfreiheit.Die Stiftung konzentriert sich derzeit auf die Gebiete Logistik, Klimaforschung, Medizin und Kultur. Zu ihr gehören beispielsweise die Kühne Logistics University in Hamburg und der Medizincampus in Davos. Auch in der Kultur baut die Stiftung ihr Engagement aus. In Hamburg will sie den Bau eines neuen Opernhauses ermöglichen. Jüngst kam in Zürich ein Projekt dazu: Gemeinsam mit dem hiesigen Opernhaus gründete sie die «Kühne-Akademie – Zukunft Musiktheater», die junge Sänger und später auch angehende Intendantinnen ausbilden soll.Der Stiftungszweck ist breit gefasst und wurde von Kühne mehrfach angepasst. Seit 2019 umfasst er ausdrücklich auch die Förderung einer liberalen Wirtschaftsordnung – mit den Pfeilern Eigenverantwortung, freier Welthandel und weniger Regulierung.Kühne hatte die Stiftung gemeinsam mit seinen Eltern Alfred und Mercedes im Jahr 1976 in der Schweiz gegründet. Bereits sein Vater hatte seinen Wohnsitz und zahlreiche Geschäftsaktivitäten dorthin verlagert, angeblich nicht nur aus steuerlichen Gründen. «Mein Vater liebte die Schweiz», sagte Kühne 2021 im Gespräch mit der NZZ. Er sei schon als Kind Anfang des 20. Jahrhunderts in den Ferien in der Schweiz gewesen, und nach dem Krieg habe ihn die erste Auslandreise hierhin geführt.Das Familienunternehmen selbst ist wesentlich älter. 1890 hatte Kühnes Grossvater August zusammen mit Friedrich Nagel in Bremen ein Speditionsunternehmen gegründet. Klaus-Michael trat 1958 in die Firma ein und machte aus Kühne + Nagel einen der weltgrössten Logistikkonzerne.Über die Jahrzehnte baute er daneben ein Beteiligungsimperium auf. Nun soll dieses Vermögen dauerhaft der Stiftung dienen. Damit steigt die Kühne-Stiftung in die Liga der grössten privaten Stiftungen Europas auf.Wer übernimmt Kühnes Rolle?Bis jetzt war es Klaus-Michael Kühne selbst, der entschied, wo er investieren wollte, welche Unternehmen er für attraktiv hielt und welchen gesellschaftlichen Anliegen er sein Geld zukommen lassen wollte.Diese Verantwortung verteilt sich künftig auf mehrere Personen und Gremien. Eine Schlüsselrolle kommt dem Basler Anwalt Thomas Staehelin zu, einem langjährigen Vertrauten Kühnes. Staehelin gehört dem Stiftungsrat seit 1998 an und ist dessen Vizepräsident. Kühne hat ihn sowohl als Willensvollstrecker als auch als seinen Nachfolger an der Spitze der Stiftung vorgesehen.Thomas StaehelinPDAufgrund seiner 78 Jahre ist Staehelin allerdings als Präsident ein Übergangskandidat, wie Kühne selbst in einem Interview mit der «FAZ» im November 2024 sagte. Für die Nachfolge gebe es mehrere Kandidaten, man habe sich noch nicht festgelegt, hiess es damals.Zu den wichtigen Figuren gehört auch Jörg Wolle. Der frühere Chef des auf Asien ausgerichteten Handelshauses DKSH präsidiert seit 2016 den Verwaltungsrat von Kühne + Nagel. Gleichzeitig gehört er sowohl dem Verwaltungsrat der Kühne Holding als auch dem Stiftungsrat an.Eine ähnlich zentrale Rolle spielt Karl Gernandt. Der frühere Banker und Unternehmensberater galt lange als rechte Hand von Kühne. Gernandt ist Chairman der Kühne Holding, Aufsichtsratsvorsitzender von Hapag-Lloyd sowie Mitglied des Lufthansa-Aufsichtsrats.Im elfköpfigen Stiftungsrat sitzen auch Kühnes Witwe Christine und Tobias Staehelin, ein Sohn von Thomas Staehelin.Der Unternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne und seine Gattin Christine bei einem Besuch der Salzburger Festspiele im Jahr 2021.Manfred Siebinger / ImagoGrosse HerausforderungenObwohl Kühne zu Lebzeiten bereits vieles geregelt hat, gilt die Stiftung manchem Beobachter nicht als optimal für die nun neue Zeitrechnung aufgestellt. Sie sei mit den vier Bereichen ein Gemischtwarenladen, dabei sei es für Stiftungen in der Regel besser, wenn sie einen klaren Fokus hätten.Umgekehrt kann man sagen, dass gerade die breite Zwecksetzung von Kühne selbst gewollt war. Sie erlaubt der Stiftung, auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren und neue Gebiete aufzubauen.Hinzu kommt eine zweite Herausforderung. Unter dem Dach der Stiftung prallen künftig wirtschaftliche und philanthropische Aufgaben aufeinander, wenngleich die Holding und die Stiftung organisatorisch getrennt bleiben. Doch für die Kontrolle eines Beteiligungsportfolios von mehreren Dutzend Milliarden braucht es andere Fähigkeiten als für den Aufbau und die Beurteilung gemeinnütziger Projekte. Zudem wird entschieden werden müssen, wie viel von den Erträgen der Holding reinvestiert und wie viel an die Stiftung ausgeschüttet werden soll.Kühne hatte seiner Stiftung damit eine doppelte Aufgabe zugedacht: Sie sollte nicht nur dem Gemeinwohl dienen, sondern auch die Zukunft seines Unternehmens sichern.Bereits 2021 beschrieb er gegenüber der NZZ, wie er sich die Zeit nach seinem Tod vorstellte: Seine Holding werde ihre Anteile an die Stiftung übertragen, die damit langfristig das Firmenvermögen kontrolliere. So bleibe das Vermögen zusammen, und feindliche Übernahmen würden verhindert. «Das ist eine gute Mischung», sagte Kühne damals.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel
Das Erbe von Klaus-Michael Kühne: Milliarden und viel Macht für seine Stiftung
Der Unternehmer hat seine Nachfolge lange vorbereitet. Sein Vermögen fällt an die Kühne-Stiftung – und deren Einfluss wächst damit in neue Dimensionen. Doch einige Fragen sind noch offen.










