KommentarPro ArtikelMit KI werden Hackerangriffe gefährlicher. Doch KI kann auch helfen bei der Cyberabwehr. Diese Chance muss man nutzenCybersicherheit wurde lange Zeit vernachlässigt, obwohl die Gefahr bekannt war. KI verschärft die Lage weiter. Wer jetzt nicht handelt, wird bald zur leichten Beute.26.08.2026, 05.35 Uhr5 LeseminutenKI-Agenten haben das Hacken gelernt. In den vergangenen Wochen kam es zu mehreren Vorfällen, bei denen KI-Systeme autonom Cyberangriffe durchgeführt haben. KI-Agenten von Open AI brachen aus ihrer Testumgebung aus, Systeme von Anthropic und Meta führten Hackerangriffe aus. Taiwan meldete gar, dass mehrere Behörden von KI-Agenten angegriffen worden seien. Das löst Besorgnis aus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Befürchtung ist, dass KI-Agenten künftig autonome Cyberangriffe ausführen, die praktisch nicht mehr zu stoppen sind. Im schlimmsten Szenario droht ein globales Chaos, in dem die IT-Infrastruktur immer wieder mit Ausfällen zu kämpfen hat. Es kommt zu Stromausfällen, oder Spitäler stehen still.KI verändert die Cybersicherheit. Doch eine Cyberapokalypse heraufzubeschwören, lenkt vom wesentlichen Punkt ab. Eine Abwehr der digitalen Angriffe ist möglich, wenn die richtigen Instrumente zum Einsatz kommen. Aber die Zeit drängt. Wer bisher die grundlegende IT-Sicherheit vernachlässigt hat, kann schon bald zum Opfer von KI-Angriffen werden.Autonome Angriffe sind gar nicht so neuDass sich autonome Systeme im Internet so rasch etabliert haben, hat gute Gründe. Die Informatik funktioniert nach klaren Regeln. Ein technisches System kann diese Regeln einfacher verstehen.Deswegen sind automatisierte Systeme im Internet nicht neu. Bots und Crawler haben bereits in der Vergangenheit selbständig Aktionen durchgeführt – etwa das Scannen des Internets auf Schwachstellen und das Platzieren von Schadsoftware. Allerdings mussten die Befehle dafür klar definiert sein.Mit künstlicher Intelligenz ist das anders: Eine pauschale Anweisung reicht, und ein KI-Agent sucht selbständig Wege und Mittel, um seine Aufgabe zu lösen. Dennoch bleibt KI ein technisches System, das Befehle gemäss seiner Konstruktion ausführt. Es hat keinen eigenen Willen.Von «autonomen Cyberangriffen» zu sprechen, ist deshalb irreführend. Für die Cybersicherheit zählt nicht, ob ein Mensch mitgeholfen hat oder nicht. Entscheidend sind drei Entwicklungen, welche die Lage durch KI generell gefährlicher machen.Geschwindigkeit: KI arbeitet ausserordentlich schnell. Sie kann das Ziel vollautomatisiert analysieren und selbständig in IT-Systeme eindringen und sich dort ausbreiten. Das ist ein wichtiger Unterschied zu menschlichen Angreifern.Masse: Ein KI-System kann seine Aktionen rasch skalieren. Es kann verschiedene Angriffsarten parallel durchprobieren oder über die gleiche Schwachstelle gleichzeitig mehrere IT-Systeme angreifen.Komplexität: KI kann technisch ausgeklügelte Wege für seine Angriffe finden. Sie ist fähig, unentdeckte Sicherheitslücken aufzuspüren und einen Code zu schreiben, um in das Zielsystem einzudringen.Ein KI-System entspricht einer ganzen Hundertschaft von Hackern, die gemeinsam auf höchstem Niveau und ununterbrochen an einer Cyberattacke arbeiten. Das verändert die Bedrohungslage radikal.Terrorgruppen könnten autonome KI-Angriffe einsetzenUm autonome Angriffe auszuführen, muss ein Akteur ein System von KI-Agenten aufbauen und losschicken. Das braucht Fachwissen und Ressourcen. Diesen Aufwand betreibt ein Angreifer nur, wenn er sich lohnt. Doch nicht alle profitieren gleichermassen von vollautomatisierten Angriffen.Wenn Nachrichtendienste Spionage betreiben, wollen sie ihre Cyberoperation möglichst unauffällig durchführen, um lange unerkannt zu bleiben. Sie wollen kontrolliert vorgehen. Geschwindigkeit ist meist nebensächlich. Autonome KI-Agenten können ein Risiko sein, weil sie zumindest heute noch viele verschiedene Wege ausprobieren. Die Gefahr, dabei entdeckt zu werden, steigt. Nachrichtendienste werden deshalb KI bei Spionageaktionen sehr präzise für bestimmte Teilaspekte einsetzen, um zum Beispiel neue Schwachstellen zu finden.In der Cyberkriminalität ergibt eine verstärkte Automatisierung mehr Sinn. Die Angreifer setzen bereits heute auf breit gestreute Angriffe, um möglichst viele Opfer zu treffen. KI unterstützt dieses Vorgehen und kann die Zahl der Angriffe vergrössern.Entscheidend für Kriminelle ist der finanzielle Aspekt. KI-Systeme müssen nicht nur leicht zugänglich und einfach zu bedienen sein, sondern auch billig – billiger als herkömmliche Methoden für Betrug oder Erpressung. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn sich der Betrug automatisieren lässt: Ein KI-Agent sammelt automatisch Informationen über ein bestimmtes Opfer, startet den Phishing-Anruf mit gefälschter Stimme, um an das Passwort zu gelangen, und transferiert anschliessend autonom das Geld vom geknackten Bankkonto.Autonome KI-Agenten können sich auch für zerstörerische Cyberangriffe eignen, also wenn zum Beispiel ein Akteur bewusst die kritische Infrastruktur eines Gegners stören möchte. Dies kann Teil eines umfassenden Kriegs sein wie in der Ukraine. Iran verübt derzeit Angriffe auf die Wasserversorgung in den USA. Für Teheran gibt es keinen Grund, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.Beunruhigend ist, dass möglicherweise schon bald Terrorgruppen solche KI-Agenten für Sabotageaktionen einsetzen könnten. Eine präzise, zielgerichtete Aktion ist dort gar nicht erwünscht. Islamistische Gruppen könnten mittels KI eine breite Störung des öffentlichen Lebens in westlichen Ländern verursachen. Linksextremistische Gruppen könnten IT-Systeme der Sicherheitskräfte lahmlegen, Klimaaktivisten den Erdölsektor ins Visier nehmen.KI-Angriffe lassen sich entdecken und aufhaltenKI verändert die Cybersicherheit. Angriffe werden schneller, ausgeklügelter, billiger. Zur Verteidigung helfen viele grundlegende Massnahmen, die es bereits heute gibt. Die Cyberabwehr muss sich aber auch auf die gewandelte Bedrohung ausrichten – dann ist sie nicht machtlos gegen KI-Attacken.Das wichtigste Mittel gegen KI ist KI selbst. Um auf die Geschwindigkeit und Menge der Angriffe reagieren zu können, muss Cybersicherheit stärker automatisiert werden. KI-gestützte Abwehr kann verdächtige Aktivitäten rasch erkennen und betroffene Nutzerkonten oder Zugänge zu IT-Systemen automatisch in Sekundenschnelle sperren.Lange galt in der Cybersicherheit der Grundsatz, dass der Angreifer im Vorteil ist: Er muss nur einen einzigen Weg in das IT-System finden, während die Verteidiger alle Lücken schliessen müssen. KI verändert diese Rechnung.Bereits heute gilt, dass der Schutz eines IT-Systems in mehreren Schichten aufgebaut sein muss. Der Weg für den Angreifer sollte so steinig wie möglich sein, die Orientierung innerhalb des Netzwerks muss aufwendig sein, und es braucht Stolperfallen, die einen Alarm auslösen. Dieser Grundsatz wird künftig noch wichtiger.Dem Angreifer reicht zwar bereits ein einziger Weg in das IT-System des Opfers. Aber dieser muss richtig schwierig zu finden sein.Die Verteidiger haben zudem einen Vorteil gegenüber den Angreifern, den sie erst mit KI richtig ausspielen können: Sie kennen die eigenen IT-Systeme und die alltäglichen Aktivitäten. Auffälliges Verhalten kann eine KI-Abwehr deshalb rasch erkennen und blockieren.Hersteller müssen bessere Software machenNur auf Angriffe zu reagieren, reicht allerdings nicht. Die Antwort auf die technisch komplexeren Cyberangriffe muss bessere Software sein.Heute kommen zahlreiche Software-Produkte auf den Markt, die unausgereift sind oder zumindest ungenügend getestet wurden. Die Hersteller müssen keine Verantwortung für die Qualität ihrer Applikationen übernehmen. Vorgaben für eine Prüfung auf Schwachstellen vor der Veröffentlichung gibt es nicht.Das wird sich ändern müssen. Denn die Gefahr durch KI-Angriffe wird sonst zu gross. Wer Software kauft, sollte sich darauf verlassen können, dass sie eine Reihe grundlegender Sicherheitschecks durchlaufen hat. Die Hersteller können es dabei machen wie die Angreifer: mit KI auf die Suche nach Sicherheitslücken in ihren Produkten gehen.Dank KI werden solche Sicherheitschecks billiger. Die Softwarehersteller haben ein Interesse daran, ihre Produkte von sich aus besser zu machen. Gelingt ihnen das nicht, wird es eine staatliche Regulierung geben. Die Cyber Resilience Act der EU geht bereits in diese Richtung, in der Schweiz gibt es ähnliche Pläne.IT-Sicherheit hat lange nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Das mag daran liegen, dass die Folgen von Angriffen nicht immer publik werden. Doch weil IT-Systeme inzwischen zentrale Funktionen übernehmen und vernetzt sind, geht es oft um mehr als nur um wirtschaftliche Schäden. Bei Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur können Menschenleben in Gefahr geraten, zum Beispiel, wenn die IT-Systeme eines Spitals stillstehen oder grossflächig der Strom ausfällt.KI macht die Situation noch gefährlicher. Cybersicherheit wird zur Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft. Unternehmen und Behörden müssen ihre Schutzmassnahmen verbessern. Wer das Thema nicht angeht, dem drohen Ausfälle und Datendiebstahl.Die Zeit drängt. Doch das Positive ist: Der Kampf gegen angreifende KI-Agenten ist nicht aussichtslos. KI selbst ist das beste Mittel zur Abwehr von Cyberangriffen.Passend zum Artikel
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