Hybride Kriegsführung ist eine Spezialität Russlands. In der sogenannten Gerasimow-Doktrin wurde sie vor mehr als einem Jahrzehnt durch den damaligen russischen Generalstabschef zwar nicht so genannt, aber beschrieben. Eines ihrer Merkmale ist, dass Attacken unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs liegen und dass ihre Urheberschaft nicht eindeutig zuzuordnen ist.Diese Grauzone wird ausgenutzt, um eine entschlossene Reaktion des angegriffenen Staates zu erschweren. Strategisches Ziel solcher Operationen ist es, Öffentlichkeit und Politik zu beeinflussen und verunsichern, was nicht ausschließt, dass das Ziel auch nach einem taktischen Nutzen ausgesucht wird.Nicht von „fremden Mächten“ schwurbelnDer Vorfall mit den Sprengstoffdrohnen am Flughafen Leipzig/Halle trägt geradezu schulmäßig diese Merkmale. Daher muss sich auf der Suche nach dem Urheber der Blick nach Moskau richten. Das war schon Anfang August klar, als die erste von offenbar mindestens zwei Drohnen durch einen fast grotesk erscheinenden Zufall in der Nähe von ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt und dingfest gemacht worden war.Und das hätte die Bundesregierung ruhig von Anfang an so kommunizieren dürfen, auch wenn es für eine klare Schuldzuweisung selbstverständlich klare Hinweise braucht. Klar ist, dass Putins hybrider Krieg sich auch gegen Deutschland richtet. Man muss nicht von „fremden Mächten“ schwurbeln, wie es Bundesinnenminister Dobrindt tat, als handle es sich um einen dunklen Magier, „du weißt schon wer“, dessen Name nicht genannt werden darf.Bundeskanzler Merz hat jetzt in Aussicht gestellt, dass man bald Ross und Reiter nennen wolle. Gut so, warum nicht gleich. Vorsichtig sollte er nur sein, damit er die Erwartungen an eine Reaktion nicht zu hoch schraubt. „Sie werden dafür bezahlen“ klingt zwar schön nach Western. Aber leider klingt es auch nach Trump, und dass auf dessen wildeste Drohungen wenig folgt, es sei denn sie richteten sich gegen Verbündete, weiß man inzwischen. Meint Merz etwa ein zweiundzwanzigstes Russland-Sanktionspaket?
Leipziger Drohnenvorfall: Nennt Putin beim Namen
Bundeskanzler Merz will bald sagen, wen er für den Urheber des Drohnenvorfalls bei Leipzig nennt. Gut so, warum nicht gleich.









