Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert erneut die Freilassung Osman Kavalas. Die Türkei ignoriert die Straßburger Urteile seit Jahren.

Seit Oktober 2017 inhaftiert: der türkische Menschenrechtler und Kulturförderer Osman Kavala

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat erneut die Freilassung des türkischen Mäzens und Menschenrechtlers Osman Kavala gefordert. Das Urteil erinnert wieder einmal an eine beispiellose Missachtung europäischen Rechts durch die Türkei.

Osman Kavala ist einer der bekanntesten politischen Gefangenen in der Türkei. Als reicher Unternehmenserbe hatte er sich ab 2002 vor allem für die türkische Zivilgesellschaft engagiert. Dabei hat er mehrere liberale und linke Stiftungen und NGOs gegründet und finanziert.

Er sitzt seit Oktober 2017, also seit fast neun Jahren, in Haft. Ihm wurde vorgeworfen, 2013 die Proteste im Gezi-Park angezettelt zu haben. Bei den Protesten gegen ein Bauprojekt in Istanbul, die sich bald zu Protesten gegen Polizeigewalt und die zunehmend autoritäre Regierung von Recep Tayyip Erdoğan ausweiteten, wurden rund 8.000 Menschen verletzt und acht Personen getötet.