Drei Tage nach der Ankündigung des Pfarrers von St. Ursula, sein Amt für die Liebe aufzugeben, hat sich die Pfarrei in Oberursel im Taunus mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. „Wie schwer muss es gewesen sein, die Beziehung nur heimlich leben zu können“ und „Ich freue mich für ihn“ – so hätten die ersten Reaktionen in der Gemeinde gelautet, schreibt das Team um Pastoralreferentin Susanne Degen. Dann aber hätten sogleich viele den Verlust des Pfarrers beklagt: „Dass jemand geht, gehen muss, den man als Seelsorger, als Prediger, als Ermutiger und Ermöglicher sehr geschätzt hat, hat viel Betroffenheit und Traurigkeit ausgelöst.“Es sei den Verantwortlichen in der Pfarrei klar, dass sie nicht für alle Gläubigen in Oberursel und Steinbach sprechen könnten, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme, an der das Pastoralteam, der Pfarrgemeinderat und die Verwaltungsleiterin mitgewirkt haben. Es dominiere jedoch das Verständnis für die Entscheidung des 63 Jahre alten Geistlichen. Unfried hatte am Samstag mitgeteilt, dass er gegenüber dem Limburger Bischof Georg Bätzing nach 37 Jahren als Pfarrer den Verzicht auf das Amt erklärt habe. Der Grund: Er wolle seine langjährige Lebenspartnerin heiraten. Zwingende Folge ist wegen des Zölibats in der katholischen Kirche die Suspendierung.Applaus nach der Erklärung des PfarrersDie Information hat der Pfarrer, so schildert es die Pfarrei, bei einem Besuch Bätzings in Oberursel mit den knapp 80 Teilnehmern einer Zukunftswerkstatt geteilt. Der Bischof reist in diesem Jahr im Rahmen einer Visitation in die Pfarreien im Taunus. „Es war ein besonderer Moment, das spürten alle nach wenigen Sätzen“, schreiben die Haupt- und Ehrenamtlichen von St. Ursula. Alle seien nach Unfrieds Erklärung aufgestanden und hätten applaudiert. Anschließend habe der Pfarrer die Veranstaltung verlassen.Die Worte, die der Limburger Bischof bei dem Anlass gesprochen habe, seien „ein großer Segen“ gewesen. Bätzing und das Pastoralteam hätten schon am Donnerstag vereinbart, dass „ab diesem Zeitpunkt der Tag nicht wie geplant durchgeführt werden kann“. Stattdessen sollten die Gemeindemitglieder ihm „die weitere Dynamik geben“.Nach den ersten Reaktionen – Überraschung, Trauer, Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Dank, Wertschätzung – hätten sie sich dem Thema der Werkstatt zugewandt, also der Zukunft. Die Stimmung sei gewesen: „Wir haben unseren Pfarrer verloren, was uns sehr schmerzt, aber wir haben nicht unseren Glauben, nicht unsere Hoffnung verloren.“ Abends vor dem Gottesdienst habe der Bischof gesagt: „Ich bin heute einer erwachsenen Pfarrei begegnet.“Wie aber sieht die Zukunft von St. Ursula nun aus? Das kann so kurz nach dem Weggang des Pfarrers noch niemand sagen. Als Pfarrverwalter ist immerhin schon ein Pfarrer im Ruhestand gewonnen worden, Paul Lawatsch, den im Taunus viele Katholiken kennen. Ansonsten sind der Pfarrgemeinderat, das Pastoralteam, die Verwaltungsleiterin und die Kitakoordinatorin laut dem gemeinsamen Schreiben froh, dass die Bistumsleitung sie unterstützt. Auch viele Ehrenamtliche engagierten sich jetzt ganz besonders. Das gebe Mut: „Es wird gut weitergehen mit der Pfarrei St. Ursula.“