Nvidia ist für die Börse längst nicht mehr nur ein Unternehmen, das Zahlen veröffentlicht. Wenn am Mittwoch nach Börsenschluss in den USA der Chiphersteller seine Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 (1. Februar bis 31. Januar) präsentiert, könnte das richtungsweisend für die Aktienmärkte sein. Das ist nicht neu, immerhin fungierte das Unternehmen, das wie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet (Google), Meta (Facebook) und Tesla zu den Glorreichen Sieben gehört, schon in der Vergangenheit als Gradmesser für die Börsenstimmung.Doch dieses Mal könnte etwas hinzukommen: Die Märkte könnten negative Nachrichten schlechter wegstecken. Vor allem, nachdem langlaufende US-Staatsanleihen auf Renditen kommen, die zuletzt während der Finanzkrise gezahlt wurden.Nicht, dass viele Fachleute davon ausgehen, dass Nvidia enttäuschen wird. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass Nvidia erneut positiv überraschen kann. Die Kursziele der 94 von Bloomberg befragten Analysten reichen bis zu 500 Dollar, fast alle raten Anlegern zum Kauf. Aaron Rakers, Analyst bei Wells Fargo, stuft Nvidia mit „Übergewichten“ ein und nennt ein Kursziel von 315 Dollar. Nvidias Vorsprung beruhe nicht nur auf den Chips, sondern auch auf der dazugehörigen Software und dem technischen Wissen des Unternehmens. Am Dienstag lag der Kurs vor Börsenstart in den USA bei gut 208 Dollar.Entscheidend sei nun aber weniger, ob Nvidia wächst, schrieb Maximilian Wienke, Analyst bei eToro, dazu. „Viel wichtiger ist, ob das Unternehmen die hohen Erwartungen übertreffen kann.“ Rückenwind komme weiterhin von den sogenannten Hyperscalern. Hyperscaler sind sehr große Technologiekonzerne, die riesige Rechenzentren betreiben und ihre Kapazitäten für digitale Dienste und Künstliche Intelligenz ausbauen. Vor allem Amazon, Microsoft und Google vermieten Rechenleistung an andere Unternehmen. Für den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur kaufen diese Technologiekonzerne leistungsfähige Chips bei Nvidia.Nicht nur die Nachfrage, auch Nvidias Angebot ist entscheidend„Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet investieren massiv in Rechenzentren und KI-Infrastruktur und sorgen damit für eine hohe Nachfrage nach Nvidias Chips“, so Wienke. Genau darin liege aber auch ein Risiko: Sollten die Techkonzerne ihr Investitionstempo drosseln, könnte sich auch Nvidias Wachstum abschwächen. Und selbst wenn die Hyperscaler das Tempo beibehalten, könnte Nvidia Schwierigkeiten bekommen, ausreichend Chips zu liefern. Nach Einschätzung von Analysten begrenzen derzeit eher Bauteile und Materialien die Auslieferungen als die Nachfrage.„Nvidia ist ein Wegweiser, der weit über eine einzelne Aktie hinausgeht“, findet Marcus Weyerer, der bei dem Fondsanbieter Franklin Templeton für die Investmentstrategie mit ETF (börsengehandelte Fonds) zuständig ist. „Die Ergebnisse des Unternehmens liefern wichtige Anhaltspunkte für den breiteren KI-Investitionszyklus: die Investitionsausgaben der Hyperscaler, die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und – ganz entscheidend – die Prognosen zur Nachhaltigkeit dieser Nachfrage.“Auch die Vergangenheit zeige, dass die Auswirkungen der Nvidia-Ergebnisse auf den Markt über die Aktie selbst hinausreichen. „Mit anderen Worten: Anleger scheinen ihr Risiko im gesamten Technologie- und Aktienkomplex im Vorfeld eines Ereignisses zu reduzieren, das für die Markterwartungen zunehmend an Bedeutung gewinnt“, hat Weyerer berechnet.Auch ETF-Anleger scheinen sich im Vorfeld der Ergebnisse stärker zu selektieren. Die Mittelflüsse in globale Technologie-ETF schwankten laut Franklin Templeton stark. Im Juli waren es noch Zuflüsse von 12,8 Milliarden Dollar. Im August hingegen flossen bis dato 6,9 Milliarden Dollar an Geldern ab. „Das ist eine der stärksten Umkehrungen in unseren aktuellen ETF-Mittelflussdaten.“ Der Fondsanbieter hat nicht nur analysiert, wie viele Gelder Anleger investiert beziehungsweise aus Produkten abgezogen haben, sondern auch wie stark diese Veränderungen im Vergleich zu üblichen Schwankungen waren. Im August war die Veränderung besonders ausgeprägt.
Nvidia Quartalszahlen: Wie weit trägt der KI-Boom noch?
Nvidia legt Zahlen vor. Die Nachfrage ist da. Nun muss der Konzern zeigen, ob er genügend Chips liefern kann – und die Nachfrage muss anhalten.









