Auf deutschen Brauchtumsveranstaltungen geht es sehr rustikal zu. Gerade die traditionellen Bluesrock- und Coverbands sind nüchtern kaum zu ertragen.

D raußen vor der Haustür tobt gerade wieder unser Stadtteilfest, was aber nicht so heißt, sondern „Bernemer Kerb“, grob übersetzt also: Bornheimer Kirmes oder Kirchweih. Es handelt sich dabei keineswegs um eine sakrale Angelegenheit, sonst stünden in unserer Seitenstraße nicht die Toilettenwagen, die Rotkreuzsanitäter und einige Oldtimertraktoren mit den Signets der veranstaltenden Festgesellschaft.

Die sechstägige Veranstaltung hat ihre eigenen uralten Traditionen und ist deshalb so beliebt, dass sich die Hälfte des dörflichen Umlandes sowie die rustikaleren Teile der Stadtbevölkerung zum Kommen genötigt sehen. Alle sympathisierenden Geschäfte und Gaststätten stellen meterhohe Birkenzweige mit roten und weißen Schleifen vor die Türen und es wird ein unglaubliches Gewese um das hiesige Kultgetränk Apfelwein veranstaltet.

Die Hauptsache ist wie immer hierzulande, dass die Leute auf offener Straße alkoholische Getränke in sich hineinschütten und sich überteuerte Imbissprodukte ins Maul schieben. Dazu erklingen irgendwelche Gassenhauer. Zu den eigenen Traditionen der Kerb zählt jedoch, dass samstags auf dem Festplatz („Kerbeplatz“) vor der Johanniskirche mit dem Zwiebelturm („Zwiwwelkerch“) ein Baum aufgestellt wird („Kerbebaum“).