Haben Sie auch so eine Küchenschublade, in der all die Dinge aus Ihrem Haushalt landen, die sich nicht so richtig zuordnen lassen? Ein einzelner Schlüssel, eine Schraube ohne Gegenstück, Tesafilm, Briefmarken, Maßband. Man vergisst immer, was genau in dieser Schublade liegt – aber wenn man etwas sucht, schaut man zuerst dort nach. Mit unseren Mitmenschen machen wir es manchmal ähnlich: Auch sie sortieren wir bewusst oder unbewusst in Schubladen ein.

Das Problem ist nur: Manchmal stecken wir Menschen in eine Schublade, weil wir sie schlicht nicht lesen können. Nehmen wir die Schublade „Narzissten“. In ihr landen schnell Menschen, die sich selbst wichtig nehmen, schlecht mit Kritik umgehen können oder andere vor den Kopf stoßen. Ein Etikett, und schon scheint vieles erklärt. Was die meisten von uns jedoch vergessen: Nicht jeder Mensch mit einem großen Ego ist automatisch psychisch krank. Menschen wollen gesehen werden, stolz auf ihre Leistung sein und ein positives Bild von sich selbst bewahren.

In unserem Artikel „Was hilft, wenn ein Narzisst im Team für Ärger sorgt“ erklären der Psychologe Ramzi Fatfouta und der Psychotherapeut Pablo Hagemeyer, wie sich problematische Muster erkennen lassen und was Führungskräfte konkret im Alltag tun können, wenn sie vermuten, Narzissten in ihrem Team zu haben. Besonders schwierig wird es, wenn sachliches Feedback als Angriff auf den eigenen Status gewertet wird. Oder wenn Unterstützung nur gewährt wird, wenn sie sich auszahlt. Und erst recht, wenn hinter einer normalen Abstimmung bereits ein Komplott vermutet wird.