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„Unsere Enkel“, höre ich den Architekturkritiker Wolfgang Kil sagen, „unsere Enkel werden die Platte lieben.“ Der Schauplatz: eine Historikertagung gegen Ende der Neunzigerjahre. Wolfgang Kil war bekannt für solche Sätze, damals schon. Es waren junge Forscher am Start, man traf sich einmal im Jahr in Erkner, und ich gehörte dazu. Gegenüber saß die alte Architektengarde, gewissermaßen die Urheber des Corpus Delicti. Mitunter ging es tatsächlich zu wie vor Gericht, mit Plädoyers und Verurteilungen und wortreicher Verteidigung. Die Jungen hatten sich auf das Sammelgebiet der Ostarchitektur gestürzt, was exotisch und zudem abgeschlossen war. Vor allem die Fünfzigerjahre hatten es ihnen angetan. Die neoklassizistischen Attitüden faszinierten die Promovierenden.

Kaum jemand ließ hingegen ein gutes Haar an der Platte. Das industrielle und genormte Bauen, die Kisten aus Waschbetontafeln und Flachdach, sie hatten keinen guten Stand. Sie erschienen billig, einheitlich und langweilig. Ausschreitungen wie in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda, wo ein Mob die Einwanderer in der Platte drangsalierte, hatten das Image vollends verdorben. Und in diese Stimmung hinein sagte Wolfgang Kil seinen Satz.