Ein neuer Vorwurf gegen Jacques Moretti könnte eine Wende im Fall Crans-Montana bringenDer Mitbetreiber der ausgebrannten Bar soll laut einem Medienbericht seine Frau spitalreif verletzt haben. Er sitzt deshalb erneut in Untersuchungshaft. Das wirft mehrere Fragen zum Strafverfahren auf.24.08.2026, 15.57 Uhr3 LeseminutenJacques Moretti sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt.Alessandro della Valle / KeystoneDie Walliser Staatsanwaltschaft kommuniziere generell nicht in Fällen von häuslicher Gewalt. Das hat die Behördenchefin Beatrice Pilloud am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA-Keystone erklärt. Man kann darin eine implizite Bestätigung zweier brisanter Medienberichte zu den Hauptbeschuldigten der Brandkatastrophe von Crans-Montana sehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Genfer Fernsehsender Léman Bleu berichtete am Sonntagabend, dass Jacques Moretti in der Nacht vom 11. auf den 12.August mutmasslich Gewalt gegen seine Ehefrau ausgeübt habe. Jessica Moretti habe daraufhin ins Spital eingeliefert werden müssen. Es sei unklar, ob sie mittlerweile aus dem Spital entlassen sei.Jacques Moretti sitze wegen des Vorfalls in Untersuchungshaft, berichtete «Léman Bleu» weiter. RTS bestätigte diese Angaben am Montag. Moretti sass bereits im Januar zwei Wochen in Untersuchungshaft, damals wegen Fluchtgefahr infolge des Grossbrands in der Bar des Ehepaars in der Silvesternacht.Anwälte der Morettis thematisieren ZusammenhaltDie Anwälte der Morettis verschickten am Sonntagabend eine Stellungnahme. Die «jüngsten Ereignisse im Haus des Ehepaars» seien Gegenstand eines separaten Verfahrens und beträfen ausschliesslich das Privatleben der Morettis. Konkretere Angaben zum Geschehenen machten die drei Anwälte nicht.Sie forderten weiter, den Vorfall nicht mit der «Tragödie» in der Silvesternacht zu vermischen. Der Vorfall stehe jedoch in einem Kontext, der nicht ignoriert werden könne. Seit dem 1. Januar hätten die Morettis «versucht», die schwere Zeit gemeinsam durchzustehen.Damit thematisieren die Anwälte selbst die grosse Frage, die sich nun im Strafverfahren zur Brandkatastrophe stellt: Halten die Ehepartner weiterhin zusammen? Oder beginnen sie nun, sich in den Einvernahmen der Staatsanwaltschaft gegenseitig Vorwürfe zu machen?Jacques und Jessica Moretti hatten sich zwar in ihren ersten Befragungen unmittelbar nach der Brandkatastrophe in mehreren Punkten widersprochen. Doch danach sprachen sie sich offensichtlich eng ab, denn ihre Aussagen ähnelten sich in den folgenden Befragungen stark. Das betraf brisante Punkte wie die gesperrten Notausgänge und die zulässige Gästezahl.Die Morettis unterstützten sich gegenseitigDas Ehepaar zeigte sich der Öffentlichkeit seit dem 1. Januar stets geeint. Egal, ob die beiden zunächst getrennt befragt wurden oder später zusammen im sogenannten Konfrontationsmodus, das Duo ging gemeinsam zur Staatsanwaltschaft. Auch seine Anwälte – zwei Genfer für Jessica Moretti, ein Lausanner für Jacques Moretti – unterschrieben ihre wenigen Communiqués immer gemeinsam.Die nächsten Einvernahmen der Morettis sind für November und Dezember geplant, dann wieder im Modus der Gegenüberstellung. Dieser gilt schon unter normaleren Umständen als stressig für die Befragten. Das gilt also umso mehr, sollte sich der Vorwurf der häuslichen Gewalt durch Jacques Moretti erhärten.Der Vorfall könnte bei den Behörden auch zu einem Umdenken in puncto Fluchtgefahr führen. Die Walliser Staatsanwaltschaft wollte Jacques Moretti wegen der Brandkatastrophe ursprünglich für drei Monate in Untersuchungshaft sehen. Das Zwangsmassnahmengericht jedoch befand, Ersatzmassnahmen wie die Zahlung einer Kaution in Höhe von 200 000 Franken reichten aus.Staatsanwaltschaft könnte erhöhtes Fluchtrisiko sehenDie Ersatzmassnahmen werden von den Behörden regelmässig geprüft und wurden bis jetzt verlängert. Sollte Jacques Moretti tatsächlich seine Frau spitalreif verletzt haben, könnte die Staatsanwaltschaft ein erhöhtes Fluchtrisiko sehen. Denn Moretti hätte mit einer kriselnden Ehe womöglich noch weniger zu verlieren als jetzt schon.Schliesslich könnte der Vorfall auch die öffentliche Wahrnehmung der Morettis verändern. Bis dato kamen wohl beide Ehepartner in der Öffentlichkeit gleich schlecht weg. Gegen Jessica Moretti ermittelt die Staatsanwaltschaft im Gegensatz zu Jacques Moretti zudem auch wegen Urkundenfälschung im Zusammenhang mit falschen Rechnungen über den abgebrannten Akustikschaumstoff. Nun könnte sich der öffentliche Groll klarer auf Jacques Moretti fokussieren.Passend zum Artikel
Jacques Moretti nach Gewalt-Vorwurf in U-Haft: Wende im Fall Crans-Montana?
Der Mitbetreiber der ausgebrannten Bar soll laut einem Medienbericht seine Frau spitalreif verletzt haben. Er sitzt deshalb erneut in Untersuchungshaft. Das wirft mehrere Fragen zum Strafverfahren auf.











