Aller guten Dinge sind drei: Nachdem es in New York und London nicht geklappt hat, will der Billigmodehändler Shein in Hongkong an die BörseDer chinesische Onlinehändler plant seinen Handelsstart für Anfang September. Der Weg dahin war schwierig, zwei geplante Börsengänge musste Shein wieder absagen. Als einer der Ankerinvestoren ist auch die UBS mit von der Partie.24.08.2026, 14.21 Uhr4 LeseminutenIn einer Fabrik in China stapeln sich Shein-Pakete.Go Nakamura / ReutersShein verspricht seinen Kunden Schnelligkeit. Der chinesische Onlinehändler macht innert kürzester Zeit aus Modetrends billige Kleidungsstücke und liefert seine Ultra-Fast-Fashion global aus. 273 Millionen aktive Kundinnen und Kunden zählte das Unternehmen 2025 weltweit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ausgerechnet den eigenen Börsengang hat Shein jedoch verstolpert. Zweimal hat der Onlinehändler sein Debüt verschoben. Erst war ein Listing in New York geplant, dann wollte der Konzern an die Londoner Börse. Beide Male gab es Widerstand wegen der engen Beziehung zwischen Shein und China.Nun soll es in Hongkong klappen. Der Handelsbeginn ist für den 1. September vorgesehen. Rund 1,8 Milliarden Dollar will der Modehändler dabei einsammeln, das geht aus dem Börsenprospekt hervor, den Shein am Montag veröffentlicht hat. Die Preisspanne der Aktien soll zwischen 47.60 und 49.50 Hongkong-Dollar liegen.Die UBS ist einer der AnkerinvestorenAm Listing von Shein beteiligen sich grosse Vermögensverwalter als Ankerinvestoren. Sie verpflichten sich, die Aktien nach dem Kauf für ein halbes Jahr zu halten. Das soll Ruhe und Stabilität in die Kursentwicklung bringen. Insgesamt haben diese Investoren Aktien im Umfang von 383 Millionen Dollar gezeichnet – knapp ein Fünftel der offerierten Wertpapiere.Darunter befinden sich die chinesische Private-Equity-Firma Boyu Capital, der amerikanische Hedge-Fund Tiger Global, der chinesische Tech-Konzern Tencent sowie die UBS.Die Asset-Management-Tochter der Grossbank in Singapur beteiligt sich über mehrere Fonds mit China-Fokus. Gemäss Börsenprospekt hat die UBS Wertpapiere von Shein im Umfang von 20 Millionen Dollar gezeichnet. Auf Anfrage der NZZ kommentiert die Grossbank ihre Beteiligung am Listing des Modehändlers jedoch nicht.Rahmenbedingungen haben sich verschlechtertEs ist allerdings fraglich, ob der Modehändler den idealen Zeitpunkt für einen Börsengang nicht verpasst hat. Shein rechnet nach dem ersten Handelstag mit einer Bewertung von knapp 27 Milliarden Dollar. Das ist weit weniger als ursprünglich erwartet. Vor allem während der Corona-Pandemie hat sich der Onlinehändler zu einem Wachstumswunder entwickelt.Vor vier Jahren wurde Shein in einer privaten Finanzierungsrunde gar mit 100 Milliarden Dollar bewertet. Ende Juli rechnete die Nachrichtenagentur Bloomberg noch mit 40 bis 50 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 rutschte der Onlinehändler sogar in die roten Zahlen und musste einen Verlust von 99 Millionen Dollar verbuchen. Für das Gesamtjahr 2025 resultierte noch ein Gewinn von rund 2 Milliarden Dollar.Mit ein Grund für den Rückgang sind die deutlich schlechter gewordenen Rahmenbedingungen für Shein. Der Modehändler steht in Europa und den USA für vieles, was Politiker und Behörden an der Globalisierung kritisieren. Es geht um den Handelsstreit mit China. Sie fürchten, dass durch die Billigware aus Fernost und die anschwellende Flut von Paketen der einheimische Handel stärker unter Druck gerät.Die Politiker haben reagiert. Bis vor kurzem konnte der Modehändler Waren mit geringem Wert fast zollfrei aus China in die Vereinigten Staaten verschicken. Im Mai 2025 haben die USA diese Regelung abgeschafft, und auch die EU hat die Regeln für Onlinehändler verschärft.Seit Anfang Juli muss in der Europäischen Union für kleine Pakete, die aus einem Nicht-EU-Land kommen, Zoll bezahlt werden. Für einen Wert von bis zu 150 Euro wird eine Gebühr von 3 Euro fällig. Die Schweiz erhebt bislang keine spezielle Gebühr auf Lieferungen der chinesischen Billighändler. Eine entsprechende Motion ist im Parlament hängig. Die Detailhandelsbranche befürchtet, dass Plattformen wie Shein oder Temu ihr Geschäft aufgrund der neuen EU-Zölle in der Schweiz noch stärker ausbauen könnten.Geschäftspraktiken von Shein werden untersuchtDie grosse Frage für Analysten ist, ob es Shein gelingt, trotz diesen widrigen Bedingungen in Zukunft wieder zu wachsen. In den Vereinigten Staaten ist der Umsatz in den ersten drei Monaten 2026 im Vergleich zum Vorjahr bereits von 2,4 Milliarden auf 2 Milliarden Dollar zurückgegangen. Die neue Paketgebühr könnte auch in der EU zu einem Rückgang führen.Dazu kommen zahlreiche Untersuchungen und Rechtsstreitigkeiten in verschiedenen Ländern. In den USA untersucht etwa die Handelskommission FTC die Geschäftspraktiken von Shein. Im Februar 2026 hat die EU-Kommission eine Untersuchung gegen den Onlinehändler eröffnet, unter anderem wegen des Verkaufs von illegalen Gütern und eines App-Designs, das Nutzer süchtig machen soll.Ausserdem ist Shein gemäss Börsenprospekt wegen Urheberrechtsverletzungen in mehr als vierzig Klagen in den USA und Grossbritannien mit dem Billighändler Temu verstrickt. Die Schweizer Behörden führen momentan keine behördliche Untersuchung gegen Shein. Das Parlament berät allerdings über eine schärfere Deklarationspflicht für den Onlinehandel. So soll für Konsumentinnen und Konsumenten auf den ersten Blick ersichtlich sein, wenn Produkte nicht den hiesigen Normen entsprechen.Passend zum Artikel
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