99 Millionen Dollar Verlust, und auch die EU macht Probleme: Das chinesische Fashion-Wunder Shein entzaubert sich selbstDer Onlinehändler Shein will es nach zwei gescheiterten Versuchen in New York und London endlich in Hongkong an die Börse schaffen. Nach geopolitischen Konflikten sind es nun aber die eigenen Geschäftszahlen, die zweifeln lassen.29.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenSchillernd, schrill, Shein: Der Modehändler aus China produziert Ultra-Fast-Fashion für die Welt.Stephanie Keith / BloombergShein ist Mode auf Speed. Tag für Tag stellt der chinesische Onlinehändler 4700 neue Artikel auf seine Plattform. Ultra-Fast-Fashion heisst das Prinzip, mit dem Shein zu einem der meistdiskutierten Phänomene des weltweiten Onlinehandels wurde. Nur eines wusste niemand so genau: Wie gut läuft dieses Geschäft eigentlich?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun hat sich die Blackbox geöffnet. Weil Shein an die Börse in Hongkong will, hat der Konzern für den Börsenprospekt die detaillierten Geschäftszahlen der letzten drei Jahre veröffentlicht. Und sie bleiben überraschend weit hinter den Erwartungen zurück, die der Konzern während so vieler Jahre selbst geschürt hat.Ein Riese mit einem AberJa, Shein ist gigantisch. Fast 42 Milliarden Dollar Umsatz, 273 Millionen Kundinnen und Kunden und mehr als zwei Millionen Artikel im Sortiment: So lautet das Fazit für das Geschäftsjahr 2025. Nach eigenen Angaben ist Shein heute die grösste Onlineplattform für Mode weltweit.Doch wie der Börsenprospekt auch offenlegt, hat sich das Wachstum verlangsamt. Nach einem Umsatzsprung von mehr als 20 Prozent im Jahr 2024 wuchsen die Erlöse zuletzt nur noch um 8 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres kam der Konzern gerade noch auf ein Plus von 1,1 Prozent.Auch beim Gewinn ist Shein zuletzt unter Druck geraten, schrumpfte dieser im Jahr 2025 doch um 39 Prozent auf gut zwei Milliarden Dollar. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres rutschte das Unternehmen sogar in die roten Zahlen und verzeichnete einen Verlust von 99 Millionen Dollar.Eine Erklärung liefert Shein gleich selbst. Zum einen verweist der Konzern auf einen buchhalterischen Sondereffekt. Wegen einer Neubewertung von Vorzugsaktien musste Shein einen hohen, nicht zahlungswirksamen Aufwand verbuchen. Doch das ist nicht alles. Das Unternehmen räumt auch ein, dass politische Entscheidungen sein Geschäftsmodell zunehmend unter Druck setzen.Die Zollfreigrenze war entscheidend für den ErfolgBesonders hart traf Shein die Abschaffung der amerikanischen «De minimis»-Regelung, die Präsident Donald Trump vor einem Jahr beschlossen hatte. Zuvor konnten Pakete mit einem geringen Warenwert praktisch zollfrei direkt aus China in die USA verschickt werden. Seit diese Ausnahme nicht mehr gelte, seien die Umsätze gesunken und die Kosten gestiegen, schreibt der Konzern. Das Unternehmen reagierte mit höheren Preisen und einer Neuorganisation seiner Logistik, was jedoch wiederum auf die Marge drückt.Und die USA dürften erst der Anfang sein. Inzwischen erwirtschaftet Shein gut ein Drittel seines Umsatzes in Europa. Doch auch hier werden Billigimporte aus China zunehmend ein Thema der Politik. Die EU hat Anfang Juli die Zollfreigrenze für Kleinsendungen abgeschafft und plant weitere Gebühren. Die Folgen in Europa könnten «den in den USA beobachteten Effekt erreichen oder sogar übertreffen», schreibt Shein.Für die Investoren sind diese Zahlen entscheidend. Jahrelang galt Shein als Ausnahmeerscheinung: ein Unternehmen, das scheinbar unaufhaltsam wächst. Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2022 wurde Shein noch mit fast 100 Milliarden Dollar bewertet. Für den anstehenden Börsengang werden inzwischen nur noch 40 bis 50 Milliarden Dollar erwartet. Und laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ist selbst diese Bewertung alles andere als ausgemacht.Shein konnte sich nie von China lösenDer IPO in Hongkong – laut Bloomberg ist er für August geplant – ist Sheins dritter Anlauf, an die Börse zu gehen. Zunächst plante der Konzern ein Listing in New York, später in London. Beide Vorhaben scheiterten am geopolitischen Konflikt zwischen China und dem Westen.Die Aufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien verlangten detaillierte Angaben zu möglichen Risiken in der Lieferkette. Konkret ging es um Vorwürfe der Zwangsarbeit gegen die uigurische Minderheit in Xinjiang, wo ein grosser Teil der chinesischen Baumwolle produziert wird. Nach Medienberichten nahm Shein entsprechende Risikohinweise in den Börsenprospekt auf. Die für einen Börsengang im Ausland ebenfalls notwendige Zustimmung der chinesischen Behörden blieb daraufhin jedoch aus. Erst nachdem Shein seine IPO-Pläne nach Hongkong verlagert hatte, erhielt das Unternehmen die nötige Unterstützung aus Peking. Und siehe da: Im nun veröffentlichten Börsenprospekt wird Xinjiang an keiner Stelle erwähnt. Stattdessen warnt Shein allgemein vor möglicher «negativer Berichterstattung» über Produktionsmethoden und Lieferanten, die dem Ruf und dem Geschäft schaden könne.Noch 2021 verlegte Shein seinen Hauptsitz nach Singapur. Auch sonst bemühte sich das Unternehmen stets, seine chinesischen Wurzeln herunterzuspielen. In einem NZZ-Interview von April 2025 sagte der Strategiechef für Europa: «Wir sehen uns nicht als chinesisches Unternehmen, sondern als ein internationales Unternehmen mit Teams auf der ganzen Welt.»Nun führt der Weg an die Börse ausgerechnet über Hongkong.Passend zum Artikel
Vor Börsengang in Hongkong: Shein enttäuscht mit roten Zahlen
Der Onlinehändler Shein will es nach zwei gescheiterten Versuchen in New York und London endlich in Hongkong an die Börse schaffen. Nach geopolitischen Konflikten sind es nun aber die eigenen Geschäftszahlen, die zweifeln lassen.











