Es ist ein tödlicher Trend, der auf Tiktok viral geht. Er trägt den Namen „Joyriders“. Junge Männer stehlen Autos, fahren rücksichtslos und filmen sich dabei selbst. Sie sind meist vermummt, fahren mit hoher Geschwindigkeit und absichtlich als Geisterfahrer. Während der Verfolgungsjagden verhöhnen und provozieren sie Polizisten.Auch unter Begriffen wie „Driving Wrong Way Challenge“ (Gegenverkehr-Wettbewerb) werden die Aufnahmen in den sozialen Medien hochgeladen. In Großbritannien und Irland sind bereits zwölf Menschen bei solchen Unfällen gestorben.In Großbritannien kamen sieben Menschen ums LebenAm frühen Samstagmorgen kamen bei einer Verfolgungsfahrt auf der Fernstraße A66 nahe Middlesbrough in Nordengland sieben Menschen ums Leben. Fünf junge Menschen fuhren in einem VW Passat als Geisterfahrer auf die Autobahn. Das Auto sei in falscher Richtung auf die Fernstraße aufgefahren, teilte die Cleveland Police mit. Das Fahrzeug sei zuvor auch schon auffällig gewesen und von Beamten verfolgt worden. Dabei prallte das Auto frontal mit einem entgegenkommenden Streifenwagen zusammen. Keiner der Insassen überlebte den Zusammenstoß. Unter den Toten sind zwei Polizeibeamte.Middlesbrough: heftiger Zusammenstoß auf der A66Owen Humphreys/PA via APLaut einem britischen Medienbericht sind Aufnahmen aufgetaucht, die zeigen, wie sich einer der tödlich verletzten Männer in den Monaten zuvor selbst dabei filmte, wie er rücksichtslos inmitten eines Wohngebietes fuhr. Das im Mai gepostete Video scheint den 23 Jahre alten Jacob Matusiak am Steuer zu zeigen. Dazu schrieb er wohl, offenbar an seine Freundin gerichtet: „Leider bin ich kein gelassener Freund – lösch ihn, sonst geht er über die Motorhaube.“„Sie spielen russisches Roulette mit dem Leben anderer Menschen“Bereits eine Woche vor dem Unfall in Großbritannien gab es in Irland einen ähnlichen Vorfall. In der Nacht zum Sonntag (16. August) raste ein gestohlener BMW auf der Autobahn M9 in der Grafschaft Kildare in die falsche Richtung. Das mit fünf maskierten Jugendlichen besetzte Auto krachte in ein anderes Fahrzeug. Darin saß eine Familie, die auf dem Weg zum Flughafen Dublin war, um in den Urlaub zu reisen. Die Familienmitglieder – drei Schwestern und ein siebenjähriger Junge – wurden schwer verletzt. Die fünf Jugendlichen, im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, kamen alle ums Leben.„Ich weiß nicht, was in den Köpfen von Teenagern vorgeht, die beschließen, auf einer Autobahn in die falsche Richtung zu fahren“, sagte James Morrisroe von der Gewerkschaft der irischen Polizei dem britischen Sender „Sky News“. „Damit spielen sie russisches Roulette mit ihrem eigenen Leben und russisches Roulette mit dem Leben anderer Menschen.“Einige der Accounts der getöteten Jugendlichen würden Anzeichen für kriminelle Aktivitäten zeigen, berichtet „Sky News“. Sie würden Autos per Kabel kurzschließen und die Besitzer gestohlener Autos provozieren. Laut der irischen Polizeigewerkschaft (GRA) versuchen sich „zahlreiche Banden“ von jungen Männern, mit Videos in den sozialen Medien „gegenseitig zu übertrumpfen“.Die Plattform Tiktok teilte derweil „Sky News“ mit, dass sie sogenannte Joyrider genau beobachte und Videos und Accounts entferne, die gegen ihre Regeln verstießen. Tiktok behauptet, dass 99 Prozent solcher Videos entfernt werden, noch bevor Nutzer sie melden.Der irische Justizminister Jim O’Callaghan nannte die Vorfälle „inakzeptabel“: „Es ist lebensgefährlich. Es ist rücksichtslos. Es ist kriminell.“ Zudem würde die irische Regierung bereits härtere Strafen für Geisterfahrer prüfen und Gesetzesvorlagen erarbeiten, um den Schutz für irische Polizeibeamte zu stärken, „die Verfolgungsjagden mit Fahrzeugen durchführen“. Überdies warnte der 58 Jahre alte O’Callaghan Nachahmer mit den Worten: „Man landet im Gefängnis oder im Grab.“