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Zisterne im Garten: Wann sich Regenwasser sammeln lohnt Wegen der Dürre haben viele Kommunen Gießverbote für Trinkwasser verhängt. Kann es sich lohnen, im Winter Wasser für den Sommer zu sammeln? Und wie macht man das am besten?

So wie dieser sehen derzeit viele deutsche Privatgärten aus: Hitze, Sonne und Trockenheit haben die Böden ausgetrocknet Foto: picture alliance / CHROMORANGEIm Juli lag die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Deutschland bei 44 Millimetern. Das ist nur knapp die Hälfte der durchschnittlichen Regenmengen von 1991 bis 2020. Einige Regionen, wie die Eifel, die Kölner Bucht, die Pfalz oder Rheinhessen bekamen gar seit Ende Mai so gut wie keinen Regen ab. Gleichzeitig lag die Temperatur weit über dem Durchschnitt, gab es kaum bewölkte Tage. Die große Hitze und der viele Sonnenschein führen zu einer schnellen Verdunstung des wenigen Wassers, das noch im Boden war.Neben Landwirtschaft und Binnenschifffahrt betrifft die Dürre inzwischen auch private Hausbesitzer: Viele Gemeinden und Wasserversorger haben zum Teil erhebliche Wassernutzungsbeschränkungen eingeführt. In einigen Gemeinden ist die Entnahme aus Bächen, Flüssen und Seen längst verboten, in anderen das Befüllen privater Pools oder das Beregnen des Rasens mit Leitungswasser; bei Zuwiderhandlungen drohen Geldbußen von bis zu 50.000 Euro.Dürre und Niedrigwasser Verstoß gegen Gießverbot kann Eigentümer bis zu 50.000 Euro kosten Der Staat schränkt die Bewässerung von Gärten wegen anhaltender Trockenheit ein. Was das für Hauseigentümer bedeutet. von Martin GerthDie Sommer werden trockener, die Winter nasserSoviel vorweg: Sich ganz autark zu machen von der Trinkwasserversorgung ist in Deutschland nicht möglich, schon weil der Gebrauch von Regenwasser zum Kochen, Trinken und für die Körperpflege verboten ist. Wer es dennoch tut, riskiert Krankheiten und Bußgelder von bis zu 25.000 Euro. Die Trinkwasserverordnung untersagt zwar nicht direkt, vom Himmel fallendes Wasser zu trinken. Sie schreibt jedoch strenge mikrobiologische und chemische Grenzwerte vor, die dabei eingehalten werden müssen. Das ist auch vernünftig, denn schon kleine Mengen von etwa Düngemitteln, Tierurin oder Vogelkot können eine ernsthafte Gesundheitsgefahr darstellen.Duschen, Baden und Kochen sind verbotenErlaubt und sogar in vielen Gemeinden gefördert ist dagegen die Nutzung von Regenwasser als Brauchwasser. Dazu zählen Gartenbewässerung, Toilettenspülung, Putzen und Wäschewaschen. Die technischen Möglichkeiten reichen von einfachen Regentonnen im Garten für wenige Euro über unterirdische Zisternen mit automatischer Bewässerung bis zu komplexen Brauchwassersystemen, die auch Teile des Hauses mit Regenwasser versorgen, etwa die Toilettenspülung oder die Waschmaschine.1. Das Regenfass: einfach, billig, wenig NutzenWer das Regenwasser ausschließlich für Rasen, Blumenbeete und Gemüse nutzen möchte, kommt mit einem reinen Außensystem aus. Anders als bei Innensystemen ist dafür weder eine Anmeldung bei der Gemeinde, noch das Einhalten von Normen oder Verordnungen nötig. Klassische oberirdische Regentonnen gibt es in jedem Baumarkt. Sie lassen sich zum Beispiel über einen speziellen Anschluss am Fallrohr der Dachrinne befüllen, idealerweise an der Westseite des Hauses, wo in Deutschland der Großteil des Regens ankommt.Der Nachteil liegt auf der Hand: Solche Tonnen fassen meist nur wenige hundert Liter; in längeren Trockenphasen wie diesen Sommer stoßen sie daher schnell an ihre Grenzen. Allerdings lassen sich leicht mehrere Regentonnen in Reihe mit einfachen Gartenschläuchen verbinden, wenn der Platz dafür vorhanden ist. Im Fachhandel gibt es auch spezielle Regentonnenverbinder.2. Die Zisterne: genug Wasser für 5 Wochen DürreEin gutes Stück weiter kommt man mit Gartenzisternen: Das sind unterirdische Tanks, meist aus Kunststoff oder Beton, die über ein Filterrohr an eines oder mehrere Regenfallrohre des Daches angeschlossen werden. Sie fassen einige tausend Liter. Mit einer Tauchpumpe lässt sich das gesammelte Wasser leicht per Gartenschlauch oder Bewässerungssystem auf die durstigen Pflanzen verteilen. Angenehmer Nebeneffekt: Dank natürlicher Erdkühle bleibt das Wasser länger frisch als in den oberirdischen Fässern aus dem Baumarkt.10.000Liter Wasserkönnen eine Gartenfläche von 400 Quadratmetern für fünf Wochen bewässern.Ein normaler deutscher Winter füllt auch eine große 10.000-Liter-Zisterne problemlos. Vorausgesetzt, die Regenwasser-Sammelfläche ist groß genug. Die Westseite oder Nordseite des Daches eines durchschnittlichen Einfamilienhauses genügt dafür völlig, wie eine kurze Rechnung zeigt: Ein mittelgroßer Garten benötigt bei Hitze und Trockenheit etwa 20 Liter Wasser pro Quadratmeter und Woche. Bei 400 Quadratmetern Gartenfläche braucht der Garten also rund 8000 Liter, wenn es – wie diesen Juli in vielen Teilen Deutschlands – gar nicht regnet. Immerhin fünf Wochen Gießverbot lassen sich also mit einer 10.000-Liter-Zisterne auch für einen relativ großen Garten überbrücken.Wann rechnet sich die Zisterne?Auch, wenn Zisternen bis 50.000 Liter in Deutschland nicht genehmigt werden müssen: Ein Anruf bei der Gemeinde lohnt sich oft trotzdem. Im besten Falle lassen sich ein Teil der Niederschlagsabwassergebühren sparen, weil das Regenwasser nicht mehr über versiegelte Flächen in die Kanalisation gelangt. Allerdings sind unterirdische Zisternen nicht ganz billig, schon wegen der nötigen Grabearbeiten.Rein ökonomisch betrachtet sind sie keine besonders rentable Investition: Die 10 Kubikmeter eingespartes Leitungswasser durch die 10.000-Liter-Zisterne würden ungefähr 50 Euro kosten. Dafür hält eine Zisterne mindestens 30 Jahre. Die Unabhängigkeit von Gießverboten dürfte vielen Pflanzenliebhabern auch einiges wert sein.Kunststoff- oder Beton-Zisternen gibt es ab etwa 1500, größere mit bis zu 10.000 Litern Fassungsvermögen kosten um die 3500 Euro. Inklusive Erdaushub sollte man mit 5000 Euro rechnen. Für eine automatische Bewässerung mit Zeitschaltuhr und Tropf- oder Sprühschlauchsystem kommen nochmal rund 1000 bis 2000 Euro dazu, je nach Größe.3. Das Brauchwassersystem: teuer und komplexSoll das Regenwasser auch im Haus zum Einsatz kommen, etwa für die Toilettenspülung und die Waschmaschine, sind einige Vorschriften und DIN-Normen zu beachten. Diese Anlagen sind zudem grundsätzlich meldepflichtig. Das Regenwasser muss in einem separaten Rohrsystem durchs Haus geführt werden; auf keinen Fall darf zwischen Trinkwasser- und Regenwasserrohren eine physische Verbindung bestehen.Gemeinden reagieren auf solche Konstruktionsmängel mit drastischen Strafen. Denn unter ungünstigen Bedingungen könnte verschmutztes Regenwasser ins Trinkwassersystem des Wasserversorgers gelangen.Rhein-Niedrigwasser Wenn die Dürre den Rhein lahmlegt, sollen diese Schiffe helfen Speziell konstruierte Schiffe ermöglichen Transport auch bei extrem niedrigen Wasserständen. Wie die Technik funktioniert – und wo ihre Grenzen liegen. von Thomas KuhnDas doppelte Leitungssystem macht Brauchwassersysteme im Haus schon mal viel aufwendiger und um bis zu 2000 Euro teurer als Zisternen, die nur den Garten mit Wasser versorgen. Haus-Brauchwassersysteme brauchen zudem einen Filterzulauf, der organische Substanzen wie Laub, Blütenpollen, Gras oder Erde entfernt, sonst wäre das Wasser nicht lange lagerfähig. Hinter der Zisterne braucht es eine Steuereinheit und eine Pumpe, die das gesammelte Brauchwasser zu den Toilettenspülungen und Waschmaschinen bringt. Ist die Zisterne leer, schaltet die Steuerung automatisch auf Leitungswasser um.Insgesamt kostet ein Brauchwassersystem, das auch im Haus zum Einsatz kommt, inklusive Erdaushub und Einbau 7500 bis 10.000 Euro. Genutzt werden darf sie dann in Deutschland für Toiletten, Waschmaschinen (ab 60 Grad oder heißer) und für Putzwasser.Da allein die Toilettenspülung bei einem durchschnittlichen Haushalt fast 30 Prozent des Trinkwasserverbrauchs ausmacht, kann der Einbau sich lohnen. Ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt in Deutschland verbraucht etwa 180 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Theoretisch lässt sich rund die Hälfte davon durch Brauchwasser ersetzen (Toilette, Waschmaschine, Putzwasser, Gießwasser). Allerdings nur, wenn die Zisterne groß genug ist, und sich immer wieder zumindest teilweise füllt. In trockenen Sommern wie dieses Jahr wäre das über Wochen nicht der Fall, dann würde sehr schnell eine Nutzungskonkurrenz zwischen Gießwasser und Toilette/Waschmaschine entstehen.Bei der Gemeinde nach Förderprogrammen fragenImmerhin: In den feuchten Monaten (Herbst, Winter, Frühling) wird die Zisterne permanent nachgefüllt. Toilettenspülung und Waschmaschine laufen in diesen Monaten zu 100 Prozent mit Regenwasser. Im trockenen Sommer würde eine 10.000‑Liter-Zisterne immer noch für 5 bis 6 Wochen, in kleineren Gärten auch länger, das teure Leitungswasser zum Gießen ersetzen. Selbst wenn die Anlage im Juli und August für einige Wochen Trinkwasser nachspeisen muss, hat der Durchschnittshaushalt in den restlichen 10 Monaten an die 70.000 Liter Wasser gespart. Bei einem Wasserpreis (inklusive Abwasser) von 5 Euro je Kubikmeter wären das 350 Euro im Jahr. Eine Anlage für 7000 Euro hätte sich ohne Förderung nach 20 Jahren amortisiert; beachtet man, dass die Trinkwasserpreise höchstwahrscheinlich weiter steigen, ist eine Amortisation in 15 bis 16 Jahren realistisch.Wohl gemerkt: ohne Förderung. Viele Städte und Gemeinden fördern jedoch die private Regenwassernutzung, weil sie die öffentliche Kanalisation entlastet; angesichts zunehmender Starkregenereignisse in vielen Städten ein großer Kostenfaktor. München und Köln etwa bezuschussen den Einbau mit 50 Euro pro Kubikmeter Fassungsvermögen, Hamburg übernimmt 40 Prozent der Kosten, allerdings gedeckelt bei 1500 Euro je Haushalt. Am großzügigsten unter den zehn größten deutschen Städten fördert Stuttgart: Bis zu 50 Prozent, in Talkessellagen sogar 70 Prozent und bis zu 10.000 Euro.Ein Anruf bei der Gemeinde lohnt also. 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