Die im Fall Fabian wegen Mordes angeklagte Frau hat sich erstmals seit Prozessbeginn selbst vor dem Landgericht Rostock geäußert. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagte die 30-Jährige über das Verhältnis zum Vater des getöteten Jungen. Das Verhältnis sei zu Anfang sehr harmonisch gewesen – auch zu dem Kind Fabian. Mit dem Vater sei sie sehr schnell zusammengezogen.Später kam es ihren Angaben nach zu Spannungen, auch weil sie nach einer ungeplanten Schwangerschaft abgetrieben habe. Obwohl die Entscheidung gemeinsam getroffen worden sei, habe sie sich später alleingelassen gefühlt und habe an Depressionen gelitten, schilderte sie ihre Gefühlslage. Angeklagte im Fall Fabian berichtet von Pflaster Die Angeklagte beschrieb auch die Beziehung zu Fabian. Ihr etwa gleichaltriger Sohn und Fabian hätten sich gut verstanden, sagte die 30‑Jährige. Im August 2025 hätten sie zu dritt sogar noch einen gemeinsamen Ausflug an einen Badesee gemacht. Dabei habe sich Fabian leicht am Fuß verletzt. Sie habe die kaum blutende Wunde mit einem Pflaster versorgt und mit einer Küchenrolle abgetupft, ohne das Blatt von der Rolle abzureißen. „Dann war Fabians Welt wieder in Ordnung.“Die Ermittler hatten die Küchenrolle mit dem Blut des Kindes in der hinteren Tür ihres Autos gefunden und als Beweismittel in den Prozess eingeführt. Die Angeklagte verlas ihre Aussage, die sich auf einem großen Stapel DIN‑A4‑Blätter befand. Dabei berichtete sie auch unter Tränen vom Tod ihres Lieblingspferdes. Nach einer halben Stunde unterbrach der Richter die Anhörung, um der Angeklagten eine kurze Pause zu gewähren. Angeklagte war auf materielle Hilfe von Fabians Vater angewiesen Die 30-jährige Frau soll Fabian laut Anklage am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben. Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen.Oft schickte sie im Minutentakt Sprachnachrichten an Fabians Vater, mit dem sie bis August 2025 eine vierjährige Beziehung führte. In den Chats ging es um Liebe, Trennung, Vorwürfe der Lüge und Eifersucht. Die Frau war auch auf die materielle Hilfe von Fabians Vater angewiesen, denn sie hat fünf Pferde. Wegen einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen bezieht sie seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Zuschauer stellten sich schon um 4.00 Uhr an In dem seit dem 28. April laufenden Indizienprozess wurden bereits Dutzende Zeugen gehört und zahlreiche Gutachten vorgelegt. Als letzter Verhandlungstag ist bislang der 10. September terminiert. Dann könnte das Urteil gesprochen werden.Der Prozess stößt seit Beginn auf großes öffentliches Interesse. Die ersten Zuschauer stellten sich bereits gegen 4.00 Uhr in der Früh am Landgericht an, um den Prozess zu verfolgen. Allerdings fanden bei weitem nicht alle Platz im Saal, wo es 100 Zuschauerplätze und 50 Medienplätze gab. Der Prozess wird seit seinem Beginn am 28. April von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Zuschauer und Journalisten müssen durch Sicherheitsschleusen. (dpa/Tsp)