Ein früher Abflug, ständige Leaderwechsel und böses Blut in mehreren Rennställen: Der letzte Grand Prix in Zandvoort wird zum SpektakelLando Norris gewinnt in den Niederlanden vor Kimi Antonelli. Ausgerechnet Lokalmatador Max Verstappen fliegt schon in der ersten Runde ab.Elmar Brümmer23.08.2026, 19.53 Uhr4 LeseminutenDer Titelverteidiger kommt immer besser in Fahrt: Lando Norris feiert in Zandvoort seinen Sieg.Sem van der Wal / EPAEs war die letzte Runde überhaupt für die Grand-Prix-Strecke von Zandvoort. Aber der in die Jahre gekommene Kurs in den Nordseedünen vor den Toren von Amsterdam hat beim Abschied aus dem Rennkalender der Formel 1 noch einmal für ein Spektakel gesorgt. Mehr als zwei Stunden dauerte das Rennen, es schwankte zwischen Party und Drama.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Während der 72 Runden wechselte mehrfach die Führung. Und bis zum letzten Umlauf war nicht klar, welche Fahrer auf dem Podium stehen werden. Am Ende machte der Brite Lando Norris dort weiter, vor er vor der Sommerpause aufgehört hatte, und siegte. Der McLaren-Mercedes des Titelverteidigers kommt nach zahlreichen technischen Upgrades wieder in WM-Form.Vielleicht kommt die Leistungssteigerung aber zu spät. Denn mit dem zweiten Rang betrieb der aktuelle WM-Leader Kimi Antonelli Schadensbegrenzung. Und Antonellis bislang schärfster Widersacher im Titelrennen, der Engländer Lewis Hamilton, schaffte es mit seinem Ferrari auf den vierten Rang. Nach dem zwölften Wertungslauf führt der Italiener Antonelli nun mit je 59 Punkten Vorsprung auf den Rekordweltmeister Hamilton und auf Russell. Norris, dem Sieger von Zandvoort, liegt weitere 28 Zähler dahinter.Party-Crasher VerstappenWer in dieser Aufzählung Max Verstappen vermisst, wegen dem der Grosse Preis der Niederlande 2021 nach dreieinhalb Jahrzehnten Pause überhaupt wieder in den Kalender aufgenommen worden war, der ahnt zurecht Böses.Der 28-Jährige hatte zum Auftakt seines Heimspiels den Vertrag mit Red Bull Racing vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2030 verlängert und damit monatelange Spekulationen um seine Zukunft beendet. Für Verstappen dürfte sich das Durchhaltevermögen auszahlen, im Fahrerlager wird ein Jahresgehalt von bis zu 70 Millionen Dollar für möglich gehalten. «Das ist nicht nur eine gute Nachricht für uns, sondern auch für die Formel 1 und den gesamten Sport» sagte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies zu Verstappens Verbleib. Der Fahrermarkt an der Spitze ist damit zementiert, auch das spannende Generationenduell mit dem noch 19-jährigen Antonelli.Beim Heimrennen wurde dann ausgerechnet Max Verstappen unfreiwillig zum Party-Crasher. Auf der leicht feuchten Piste wählte der Red-Bull-Fahrer in der ersten Runde eine falsche Linie, kam auf die nasse Innenseite und schlug spektakulär in die Banden ein. Der Abflug des Niederländers machte einen 40minütigen Unterbruch nötig. Danach schien die Stimmung in Zandvoort, wo 105 000 Zuschauer zugegen waren, um das letzte WM-Rennen zu verfolgen, dahin.Doch unerwartet viele Überholmanöver auf dem mit Steilkurven gespickten Kurs sorgten in der Folge für ein spannendes Rennen mit viel Abwechslung. Mal wurde dieses von Norris angeführt, mal von Antonelli, mal von Hamilton. Permanente Reifenwechsel machten das Geschehen zunehmend unübersichtlich, an den Kommandoständen herrschte Anspannung. Und in den Cockpits kochten die Emotionen hoch.Zunächst geschah dies zwischen den Ferrari-Fahrern Charles Leclerc und Lewis Hamilton. Der in der Gesamtwertung chancenreichere Brite war schneller als sein Teamkollege und drängte nach vorne. Hamilton forderte, per Stallorder am Monegassen vorbeigewunken zu werden. Doch Leclerc, der jahrelange Musterschüler in Maranello, dachte nicht daran, dem Teamkollegen einen Freundschaftsdienst zu erweisen. Als er zum Boxenstopp befohlen wurde, verweigerte er diese Anordnung empört: «Was soll das? Herrgott nochmal, ihr zerstört mein Rennen.»Die Ferrari-Mechaniker, die vor der Garage schon auf Leclerc warteten, räumten ihr Werkzeug achselzuckend wieder weg. Eine Runde später musste dieser der Anweisung dann doch Folge leisten, was Hamilton zu einem hämischen Kommentar gegenüber der Teamführung veranlasste: «Toll gemacht, eine grossartige Art, wertvolle Zeit zu verschwenden.»Die heftigen Geplänkel, deren Brisanz Ferrari-Teamchef Fred Vasseur danach zu relativieren versuchte, kosteten Hamilton einen Podiumsplatz, der in einem ständig enger werdenden Kampf um den Formel-1-Titel am Ende noch entscheidend werden könnte. Der 41-Jährige verklausulierte seine grundsätzliche Kritik nach dem Rennen: er sei gekommen, um zu gewinnen, und Ferrari könne gewinnen – aber nur, wenn von jetzt an alles perfekt umgesetzt werde. «Wir haben da noch einiges zu tun», sagte Hamilton noch.Wolffs erhöhter StresspegelEine ähnlicher Konflikt entzündete sich im hektischen Schlussspurt auch zwischen den Mercedes- Fahrern Kimi Antonelli und George Russell. Mit frischen Reifen holte der zwischenzeitlich zurückgefallene Titelaspirant Antonelli mächtig auf. Russell, der seine Formkrise auch durch den Erfolg im samstäglichen Sprintrennen als überwunden sieht, funkte vorsorglich an die Box, dass es doch um echtes Teamplay gehe, wenn der interne Konkurrent keine Siegchance habe.Doch die Mercedes-Taktiker entschieden anders, sie wollten keinen gefährlichen Zweikampf der Rivalen auf der Piste riskieren. Russell fügte sich schliesslich und liess Antonelli vorbei, wurde aber so langsam, dass jeder Zuschauer diese Stallorder begreifen musste. Durch dieses Manöver aber kam zum Schluss plötzlich wieder Hamilton heran.Mercedes-Teamchef Toto Wolff gestand hinterher ein, dass die Geschehnisse seinen Stresspegel erhöht hatten. Was übertriebener Egoismus anrichten kann, hatten bei Mercedes die Duelle zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg Ende des letzten Jahrzehnts gezeigt. An diesen wäre das Team damals beinahe zerbrochen. Nun wirkte der Formel-1-Abschied von Zandvoort wie der Auftakt zu einer Saison-Schlussphase, in der sich die Rivalitäten zuspitzen.Passend zum Artikel
Der letzte GP von Zandvoort wird zum Spektakel
Lando Norris gewinnt in den Niederlanden vor Kimi Antonelli. Ausgerechnet Lokalmatador Max Verstappen fliegt schon in der ersten Runde ab.










