Zandvoort (dpa) - Lando Norris hat sich nach dem Unfall-Drama von Oranje-Star Max Verstappen in der ersten Runde als Sieger des letzten Großen Preises der Niederlande verewigt. Der Formel-1-Titelverteidiger meldete sich mit einer starken Vorstellung von der Pole aus in einem ereignisreichen ersten Grand Prix nach der Sommerpause zurück - mit einem Sieg von Startplatz eins aus hatte sich Norris in Budapest auch in die Ferien verabschiedet. Aus nach einem Unfall in der ersten Runde. Sem Van Der Wal/ANP/dpaZweiter auf dem Dünen-Kurs von Zandvoort wurde WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli, der damit in der Gesamtwertung seine Führung weiter ausbaute. Auf Rang drei kam der Mercedes-Teamkollege des Italieners, George Russell. Rekordweltmeister Lewis Hamilton wurde im Ferrari Vierter - im Rennen schimpfte der 41-Jährige lauthals über die Teamtaktik. Audi-Pilot Nico Hülkenberg fuhr als Achter über die Ziellinie.Ein frühes Ende mit Schrecken erlebte Verstappen. Noch gefeiert von den Fans vor dem Rennen verunglückte der viermalige Weltmeister mit dem Red Bull in der ersten Runde. Trotz des immensen Schadens am Auto blieb Verstappen unverletzt. „Alles gut, alles okay. Vielleicht ein bisschen zu früh am Gas, ich habe aber eine trockene Linie gesehen, vielleicht habe ich zu früh beschleunigt. Ich habe mich die ganze Woche schlecht gefühlt, ich brauche wohl so eine Woche“, sagte Verstappen.Auch das Königspaar ist da Beim letzten Formel-1-Fest in Zandvoort herrschte bis dahin PS-Partystimmung. 2021 noch während der Corona-Zeit war der Kurs in den Rennkalender zurückkehrt, nach sechs Auflagen ist nun dennoch Schluss. Die niederländischen Veranstalter wollen nicht mehr. „Es fühlt sich seltsam an“, erklärte Renndirektor Jan Lammers in einem offenen Brief an die Fans. Aus finanziellen Gründen ist Schluss. Den wehmütigen Schlusspunkt wollte sich auch das niederländische Königspaar - Máxima und Willem-Alexander - nicht entgehen lassen. Auf der Strecke bildeten Streckenposten ein Spalier bei der Fahrerparade. 2021, 2022, 2023 siegte der diesmal verschnupfte und gesundheitlich angeschlagene Verstappen, in den vergangenen beiden Jahren kam er auf Platz zwei.Qualm in der Steilkurve - Verstappen demoliert Red BullDie Aussichten diesmal waren nicht besonders, im Sprint am Samstag hatte es beim Sieg von Russell nur zu Platz sechs gereicht, im Qualifying danach wurde Verstappen Siebter. Von der Pole nahm - wie schon bei seinem Sieg vor der Sommerpause in Budapest - Titelverteidiger Norris in Angriff. Dahinter lauerte in Russell und Antonelli das Mercedes-Duo.Verstappens heftiger AbflugBevor das (vor)letzte Mal die Roten Ampeln erloschen für die Formel 1 in den Niederlanden, fing es auch noch an zu regnen. Dazu böiger Wind und gerade noch 16 Grad Außentemperatur. Die Rennleitung entschied: Vor dem Start wird eine Runde hinter dem Safety Car gedreht, der Regen hatte aufgehört, die Strecke an einigen Stellen aber noch feucht. Und dann das: Qualm, Einzelteile und Stille auf den Rängen. Ausgerechnet Verstappen verunglückte. Er verlor noch in der ersten Runde in der Steilkurve vor der Start- und Zielgeraden die Kontrolle über seinen Wagen, krachte drei Tage nach seiner Vertragsverlängerung bis Ende 2030 in die Streckenmauer und rutschte mit dem schwer demolierten Red Bull zurück auf die Strecke. Erneuter Start - und Antonelli attackiertDahinter drehte sich dann auch noch Gabriel Bortoleto im Audi und nur in letzter Sekunde verhinderte sein von hinten herankommender Teamkollege Hülkenberg gedanken- und reaktionsschnell einen weiteren heftigen Unfall. Das Rennen musste erstmal unterbrochen werden. Nach einer knappen halben Stunde sollte es wieder losgehen - doch dann sorgte Oliver Bearman mit seinem Haas für eine weitere Verzögerung. Der Motor war dahin.Der Motor des Haas-Rennwagens ließ Bearman im Stich. David Davies/PA Wire/dpaBeim nächsten stehenden Start schnappte sich Antonelli Norris und übernahm die Führung. Sechs der elf Rennen vor der Sommerpause gewann der noch 19-Jährige. Beim nächsten Grand Prix - ausgerechnet in Italien - wird er wegen neuer Teil für den Mercedes aber eine Startplatzstrafe hinnehmen müssen. Im Rennen lief erstmal vieles für ihn. Der Boxenstopp von Russell war nicht optimal, noch schlechter war der von Piastri. Von der Spitze wartete Hamilton nun am längsten.Großes Taktikspielchen mit den ReifenAbsetzen konnte sich Antonelli von Norris nicht. Beide fuhren auf den harten und damit haltbarsten Reifen. Aber würden sie halten bis zum Ende? Mercedes ließ es nicht drauf ankommen und holte Antonelli und Russell erneut rein. Dahinter entbrannte ein wilder Dialog bei Ferrari: Leclerc war langsamer, aber noch vor Hamilton. Der Brite forderte, vorbeigelassen zu werden und wirkte recht ungehalten. Dann kam Leclerc nach einer Bockig-Runde zum Reifenwechsel. „Großartig, so Zeit zu verplempern“, giftete Hamilton. Norris kam nun auch rein zum erneuten Reifenwechseln - und das zahlte sich aus. Der Brite holte den Rückstand vom Boxenstopp binnen kürzester Zeit auf und überholte Antonelli spektakulär. Ein paar Kilometer weiter war auch Hamilton fällig, der nun mit den Reifen kämpfte. „Bin ich euer Versuchskaninchen?“, wütete Hamilton via Funk, nachdem er auch noch von Antonelli überholt worden war. In der virtuellen Safety-Car-Phase nach dem Aus von Esteban Ocon im zweiten Haas bekam dann auch Hamilton neue Reifen. So wie der Brite fuhr auch Antonelli zum Schluss mit den schnellsten Gummis. Durch den erneuten Stopp fiel er allerdings zunächst auf Platz drei, war aber deutlich schneller als Russell, der ihn wenig begeistert auch vorbeiließ. Durch die Tempoverlangsamung kam aber Hamilton näher.© dpa-infocom, dpa:260823-930-571769/1