Kanadas Premierminister traut sich etwas: Er verweigert sich TrumpDie Zollverhandlungen zwischen den USA und Kanada sind gescheitert. Jetzt droht ein Handelskrieg, der auch Ausdruck von jahrelangen politischen Kämpfen ist. Kanada fühlt sich von Trumps Politik in seiner Souveränität bedroht.23.08.2026, 15.26 Uhr3 LeseminutenDer kanadische Premierminister Mark Carney weist den amerikanischen «Angriff» auf sein Land entschieden zurück.Patrick Doyle / ImagoAm Dienstag hatte Präsident Donald Trump noch einen «Deal» verkündet, zum Wochenende kracht nun alles in sich zusammen. Eigentlich sollten ausführliche Verhandlungen zwischen Kanada und den USA verhindern, dass hohe zusätzliche Zölle die engen Handelsverflechtungen beider Länder belasten und wirtschaftliche Verluste auf beiden Seiten verursachen. Doch die Gespräche sind gescheitert. Am Wochenende traten US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf einer Reihe kanadischer Güter in Kraft.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diese betreffen unter anderem Eishockeyschläger, Möbel und Wein. Es geht um kanadische Exporte im Wert von rund 20 Milliarden Dollar.Der kanadische Premierminister Mark Carney kündigte sogleich Gegenmassnahmen an, die am 8. September in Kraft treten sollen. Laut Carney sollen die kanadischen Zölle amerikanische Produkte wie Milch, Stahl, landwirtschaftliche Geräte und Papier treffen. Carney sagte, es sei eindeutig, dass die USA sein Land erneut attackierten. «Es ist ein Angriff in einem Handelskrieg.» Er fügte hinzu, Kanada würde den USA nicht geben, was sie verlangten.Amerikanische Bedingungen seien «unsinnig»Eigentlich hätten die amerikanischen Zölle bereits am Mittwoch in Kraft treten sollen, doch Präsident Trump hatte vor Ablauf der Frist einen Aufschub bis zum Wochenende verkündet. Seitdem liefen intensive Verhandlungsgespräche zwischen den beiden Ländern. Trump kommentierte diese stets mit grossem Optimismus, jetzt endeten sie jedoch mit dem offensiven Bruch.Während Carney die von den USA vorgelegten Bedingungen als «unfair» und «wirtschaftlich unsinnig» bezeichnete, machte der amerikanische Handelsbeauftragte Jamieson Greer die Kanadier für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Diese hätten in letzter Minute neue Forderungen vorgelegt, indem sie niedrigere Zölle auf schwere Lastwagen verlangt hätten. Die Kanadier wiederum wiesen das von sich.Das Ergebnis ist eine schwere Eskalation von Zollverhandlungen zu einem Handelskrieg, der die Wirtschaft beider Länder stark beeinträchtigen könnte.Carney hat die Bevölkerung hinter sichMit dem Eklat traut sich der kanadische Premierminister etwas, was zuvor kaum ein Verbündeter der USA gewagt hat: Er wehrt sich offen gegen Trumps Bedingungen, indem er aktiv aus den Verhandlungen austritt. Dies begründete er am Samstag in einem Fernsehauftritt mit einer längeren Rede. «Bereits letztes Frühjahr gab ich warnend zu bedenken, dass Amerika uns brechen will, so dass sie uns besitzen können. Und ich versprach: Das wird niemals passieren», sagt Carney.Kanada werde vielmehr stärker und reduziere seine Abhängigkeit von den USA. Das Land erwirtschafte bereits selbst mehr, als die USA ihm wegnehmen könnten. «Und wir fangen gerade erst an», sagte Carney. Zum Vergleich: Grossbritannien und die europäische Union haben Trumps Forderungen teilweise nachgegeben und leben nun mit Zollvereinbarungen, die langfristig für sie nachteilig sind.Carney hat die kanadische Bevölkerung hinter sich. Selbst Oppositionelle beglückwünschten ihn zu seiner Reaktion. Die Stimmung unter den Kanadiern ist nach jahrelangen politischen Spannungen nicht sonderlich USA-freundlich. Mehrfach hatte Trump öffentlich wiederholt, Kanada solle der 51. Bundesstaat der USA werden. Allerdings könnte Carneys politische Entscheidung die kanadische Wirtschaft einiges kosten.Interessanterweise wählt Kanada mit dem Gegenangriff eine zu derjenigen der Schweiz völlig gegensätzliche Strategie.Als Trump im April 2025 zunächst 31 Prozent Zölle auf Schweizer Waren ankündigte und dann auf 39 Prozent erhöhte, setzte Bern weiterhin auf Verhandlungen und entschied sich ausdrücklich dagegen, Gegenzölle zu erheben, was eine Eskalation bedeutet hätte. Die Schweiz argumentierte mit der Forderung nach Gleichbehandlung zu anderen Handelspartnern wie die EU oder Japan, die von Trump mit geringeren Zöllen belastet wurden.Schweizer Goldbarren-Diplomatie versus KonfrontationAusserdem lockten die Schweizer mit Zollsenkungen und versprachen Schweizer Investitionen in den USA. Die Bundesräte Karin Keller-Sutter und Guy Parmelin hatten Schweizer Privatunternehmen an ihrer Seite, die den USA Investitionen im Wert von 200 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2028 versprachen. Zollfreie Kontingente für amerikanisches Rind-, Bison- und Geflügelfleisch legten sie oben drauf – ein ungewöhnliches Zugeständnis für die Schweiz, die ihre landwirtschaftlichen Produkte traditionell stark schützt.Die Schweizer Strategie hat als «Goldbarren-Diplomatie» Kritik kassiert. Dennoch scheint die Schweiz bisher erreicht zu haben, was sie wollte: möglichst schnell die hohen amerikanischen Zölle zu senken und den wirtschaftlichen Schaden minimieren.Kanadas Wirtschaft ist hingegen viel stärker verstrickt mit der amerikanischen. Das Land befindet sich in höherer Abhängigkeit von den USA. Hinter Carneys offensiver Strategie steht die Furcht, nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch dauerhaft vereinnahmt zu werden. Das ist verständlich. Ob nun die Zuckerbrot- oder die Peitschen-Strategie besser funktioniert, wird sich an langfristigen Ergebnissen messen lassen müssen.Passend zum Artikel