„Das erste Schaf hieß Friederich, das war erschreckend niederich.“ Die erste Zeile aus Otto Waalkes’ berühmtem Schlaflied passt zwar nicht auf Friedrich Merz’ Körpergröße, aber ansonsten trifft es die Sache ganz gut: Denn Merz’ Beliebtheitswerte sind erschreckend niedrig. Nach einer neuen Yougov-Umfrage denken nur noch neun Prozent der Bevölkerung, dass Merz für den Job als Kanzler geeignet ist. Und nur 29 Prozent glauben, dass Merz bis zum nächsten regulären Wahltermin 2029 durchhält.Merz, ein Kanzler auf Abruf? Tatsächlich musste man ob der langen Sendepause des Kanzlers den Eindruck gewinnen, dass Merz erst gar nicht mehr aus den Ferien zurückkommt. Waldbrände, Sprengstoff-Drohnen, Reform-Chaos bei der Rente, Wahlkrämpfe im Osten – Merz verweilte ungerührt in seinem sonnigen Liegestuhl und genoss seine zweite Sommerpause als Regierungschef am Tegernsee, als wäre es die letzte.Braungebrannt präsentierte er sich dann doch wieder am Wochenende dem Volk und inspizierte die verkohlten Überreste des Hürtgenwalds in der Eifel. In der Bild am Sonntag ließ er zudem vermelden, dass es nun primär um „Wachstum und Beschäftigung“ gehe: „Volle Konzentration darauf, die Augen auf dem Ball.“ Um neben Otto noch einen weiteren großen deutschen Dichter zu zitieren: Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube. Denn die Bewährungsprobe, vor der Merz steht, hat wahrlich ein faustisches Ausmaß.