Washington. Natalie Harp schreibt US-Präsident Donald Trump regelmäßig sehr persönliche Briefe. Die 35-Jährige legt sie dann an Stellen im Weißen Haus, wo er sie finden soll.Harp ist so etwas wie Trumps persönliche Assistentin, sie begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Und sie gehört zu den wenigen in seinem engsten Kreis, die Zugang zu seinen Accounts in den sozialen Netzwerken haben.Als der US-Präsident im Juli am Rande des Nato-Gipfels von der Air Force One auf ein anderes Flugzeug geschleust wurde, um ihn vor einem mutmaßlichen Anschlag des Irans zu schützen, nahm er Harp mit.Sie beantwortet in Trumps Auftrag seine Nachrichten und beeinflusst, welche Artikel er liest. Sie ist bei vielen seiner Meetings dabei – auch dann, wenn es um sensible Inhalte geht. Und das, obwohl sie laut Recherchen des US-Senders MS NOW (früher: MSNBC) keine Sicherheitsüberprüfung hat.Harp ist eine der wichtigsten Personen in Trumps innerem Zirkel mit weitreichenden Befugnissen und Einfluss auf den US-Präsidenten – und doch dürften die meisten Amerikaner bislang noch nie etwas von ihr gehört haben. Das änderte sich in der vergangenen Woche.Enges Verhältnis verspottetJon Ossoff, der als US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten für die Wahl 2028 gehandelt wird, verspottete Harps enges Verhältnis zu Trump. Und das Weiße Haus reagierte mit einer extremen Gegenkampagne.„Wissen Sie, er will den Job gar nicht machen“, sagte Ossoff bei seiner Rede, „er will lieber seinen Ballsaal bauen und mit Natalie in ihrem offensichtlich ungeschützten, von dem Emir aus Katar geschenkten fliegenden Palast umherreisen.“Ossoff, ein Senator aus dem US-Bundesstaat Georgia, der bei den Zwischenwahlen im November sein Amt verteidigt, kritisiert in seinen Reden regelmäßig prägnant und spitz die kleinen und großen Skandale von Donald Trumps Präsidentschaft. Die Art, wie er spricht, erinnert an einen Prediger. Er reißt seine Zuschauer mit, wie das Handelsblatt von einer seiner Rallyes Ende Juni berichtete.Donald Trump „Seine Präsidentschaft zerbricht“ – Schlägt jetzt die Stunde der Demokraten? Ein Blick auf die Suchanfragen bei Google zeigt jedoch, dass nicht etwa nur Ossoffs Bemerkung, sondern erst die heftige Reaktion des Weißen Hauses und der Unterstützer von Trumps „Make America great again“- Bewegung (MAGA) auf Ossoffs Bemerkung das große Interesse ausgelöst haben muss.Während es am Tag der Rede selbst noch kein großes Interesse gab, schnellten die Suchanfragen am Montag auf einmal in die Höhe. Am Freitag stiegen sie um über 5000 Prozent im Vergleich zum Vorjahr um diese Zeit.Scharfe Reaktion aus dem Weißen HausSteven Cheung, der Kommunikationsdirektor im Weißen Haus, und andere hatten Ossoff für seine Bemerkungen heftig beschimpft. Neben obszönen Beleidigungen schrieb Cheung auf der Plattform X über den Demokraten: „Anstatt hart arbeitende Menschen zu verspotten, die ihrem Land dienen, sollte Jon tief in seine Seele blicken und sich selbst fragen, warum er so ein elender Mensch ist, der sein Land hasst.“Harp spielt eine besondere Rolle in Trumps innerstem Zirkel – und ist eine der schillerndsten Personen darin. Sie fing bereits vor der Wahl im Jahr 2024 damit an, eine enge Beziehung zu ihm aufzubauen. Mehrere Anekdoten zeigen den außergewöhnlichen Ehrgeiz, mit dem sie Trump nahe sein wollte.So bestand sie darauf, im Oktober 2023 mit in der Entourage von Trump zu einem seiner Gerichtstermine zu fahren. Da kein Sitzplatz mehr übrig war, fuhr sie im Kofferraum mit, wie der Fernsehsender CNN berichtet.Natalie Harp im Oval Office: Schon vor der Wahl Nähe des Präsidenten gesucht. Foto: IMAGO/Newscom WorldSeit Trumps Amtsantritt begleitet Harp ihn überall hin. Dabei führt sie oft einen kleinen Drucker mit sich, mit dem sie ihm positive Presseberichte oder Beiträge in den sozialen Medien ausdruckt. Intern wird sie deshalb auch der „menschliche Drucker“ genannt.Bei allen Meetings dabeiSie ist bei Meetings von US-Präsident Trump immer dabei. Die US-Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan berichten in ihrem Buch darüber, wie Trump Harp in einer Besprechung mit US-Wirtschaftsminister Howard Lutnick über die mögliche Höhe seiner für den „Liberation Day“ geplanten Zölle einmal damit beauftragte, Wirtschaftszahlen zu googeln – die, die er von Lutnick bekommen hatte, hatten ihm nicht gefallen.Trump, so berichten es die Journalisten in dem Buch, soll zu seinen Mitarbeitern gesagt haben, dass Harp die Einzige sei, die ihn so liebe, wie ihn seine Ehefrau und seine Kinder liebten. „Ihr werdet alle einmal weggehen und Geld machen“, soll er zu seinen Mitarbeitern gesagt haben. „Sie wird mich niemals verlassen.“