Trumps «Schnuller»: Wer den Präsidenten sprechen will, muss an Natalie Harp vorbeiEine spitze Bemerkung über Harp hat das Weisse Haus in Schnappatmung versetzt. Wer ist die Vorzimmerdame im Oval Office?21.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenFerien kennt sie nicht. Natalie Harp soll den Präsidenten jeden Tag begleiten.ImagoEs war ein abenteuerlicher Stunt. Immer noch gibt die Geschichte zu reden, wie Donald Trump nach dem Nato-Gipfel in Ankara aus Angst vor einem iranischen Attentat aus der Air Force One geschmuggelt wurde. Versteckt im Catering-Wagen hatte der Secret Service den Präsidenten in eine andere Maschine verfrachtet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kaum jemand war in die Finte eingeweiht gewesen, Platz hatte es im Container auch nur für die wenigsten. Selbst Marco Rubio musste in der Präsidentenmaschine bleiben; der Aussenminister war sozusagen zum Abschuss freigegeben. Trump nahm nur mit, wen er unmöglich entbehren konnte. Namentlich Natalie Harp.Auf sie spielte der demokratische Senator Jon Ossoff an, als er sich neulich bei einer Wahlkampfveranstaltung über Trumps mangelnden Arbeitseifer echauffierte. Der Präsident wolle «den Job gar nicht machen», sagte Ossoff. Er wolle bloss «seinen Ballsaal bauen und mit Natalie in seinem neuen, schutzlosen fliegenden Palast herumreisen, den er vom Emir von Katar geschenkt bekommen hat».Eine flapsige Bemerkung, könnte man meinen. Nicht der Rede wert angesichts der Unflätigkeiten, die im gegenwärtigen Politbetrieb in Washington gang und gäbe sind. Doch die Stichelei generierte im Weissen Haus höchste Aufregung.Vulgäre BeleidigungenWomöglich war nicht zuletzt Melania Trump indigniert, da Ossoff eine Liebesaffäre ihres Mannes suggerierte. Jedenfalls reagierte das Trump-Lager bemerkenswert aggressiv. Der Kommunikationschef Steven Cheung verstieg sich auf X zu vulgären Beleidigungen, bezeichnete Ossoff als einen «Schlappschwanz», der hart arbeitende Amerikaner verunglimpfe.Daran, dass Harp hart arbeitet, gibt es wenig Zweifel. «Sie nimmt nie frei, nicht einmal am Sonntag», schreibt die «New York Times»; laut dem «Wall Street Journal» hat sie noch keinen Tag Ferien gemacht, seit sie im Weissen Haus ist. Aber wer ist die 35-Jährige aus Kalifornien, die als Vorzimmerdame über den Zugang zum Oval Office wacht und nicht von der Seite des Präsidenten weicht?Denn das tut sie wirklich nicht, wie sie schon im Wahlkampf 2024 bewies: Ihre ständige Präsenz habe den Secret Service nervös gemacht, erinnerte sich Sarah Matthews, die in Trumps erster Amtszeit stellvertretende Pressesprecherin war. Ihre «seltsame Beziehung» beschäftigte offenbar auch das Wahlkampfteam, das sie von Trumps Golfklub in Bedminster in New Jersey fernhalten wollte. Wie Matthews gegenüber CNN sagte: ohne Erfolg. «Sie blieb den ganzen Sommer über in der Umkleidekabine der Frauen.»Fahrt im KofferraumVideos, die der «New York Times» zugespielt wurden, sollen auch zeigen, wie Harp dem Golfbuggy von Trump hinterherrennt. Es tue ihr leid, wenn das peinlich ausgesehen habe, entschuldigte sie sich laut der Zeitung danach in einem Brief an den Präsidenten. Sie anhänglich zu nennen, wäre untertrieben. Einmal, im Oktober 2023, stieg sie laut CNN in den Kofferraum eines SUV, um Trump zu einem Gerichtstermin in New York zu begleiten.Dieser soll sie gerne in seiner Nähe wissen, weil sie ihm zu schmeicheln weiss. Von der «New York Times»-Journalistin Maggie Haberman hat sie den Übernamen «menschlicher Schnuller» bekommen, da sie den Präsidenten beruhige. Spötter nannten sie auch schon den «menschlichen Drucker». Denn sie schleppe oft einen portablen Drucker mit sich, um den Präsidenten mit Informationen in Papierform zu versorgen.Das liesse sich als eine Schrulligkeit abtun, doch durch ihren Zugang zu Trump dürfe sie auch über geheimdienstlich relevante Informationen verfügen. Dies, obschon sie die längste Zeit nicht einmal über die sogenannte «security clearance» verfügte, wie der Fernsehsender MS NOW berichtete. Erst auf zunehmenden Druck hin soll sie den nötigen Antrag für die Sicherheitsfreigabe nach über einem Jahr ausgefüllt haben.Trump und Harp fliegen ständig zusammen im Präsidentenhelikopter Marine One. Die Aufnahme zeigt sie bei der Ankunft im Weissen Haus am vergangenen Sonntag.Jose Luis Magana / APSie sieht in Trump ihren RetterDoch Trump vertraut ihr offenbar blind. So gehört sie wohl zum ausgesuchten Kreis derjenigen, die Zugang zu seinem Truth-Social-Account haben. Laut dem «Wall Street Journal» war es Harp, die Anfang Jahr ein rassistisches Video veröffentlichte, welches Barack und Michelle Obama als Affen darstellt. Auch bei einem KI-generierten Bild von Trump als Jesus-ähnlicher Figur, die Menschen heilt, soll sie involviert gewesen sein.Letzteres würde insofern nicht überraschen, als Harp im Präsidenten ihren persönlichen Retter sieht. Mit Mitte zwanzig war bei ihr Knochenkrebs diagnostiziert worden. Offenbar konnte dessen Streuung gestoppt werden, was sie der Right to Try Act zuschreibt: Dieses im Jahr 2018 von Trump unterzeichnete Gesetz erlaubt es gewissen unheilbar kranken Patienten, nicht zugelassene Medikamente einzunehmen.Welche Präparate effektiv zu ihrer Genesung geführt haben, ist unklar. Doch auf Fox News sagte sie 2019: «Wegen Präsident Trump sterbe ich nicht mehr an Krebs, ich lebe mit Krebs.» Trump soll das Interview gesehen haben, und seither, so scheint es, sind sich Harp und er auf ewig verbunden.Passend zum Artikel
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