Aber Stella, ein Freund der Offenheit, warnte sich und die Seinen: Im Dauerlauf fehlt es McLaren an Konstanz. Der Reifenabrieb ist größer als bei der Konkurrenz. Kann Norris die Jäger hinter sich halten?Im Sprintrennen am Samstag über 100 Kilometer funktionierte es nicht. Charles Leclerc verdrängte den Engländer wenige Runden vor dem Ziel von Platz zwei. So ähnlich stellt sich Toto Wolff, Sportchef von Mercedes, den Verlauf des zwölften Saisonrennens in den Dünen vor der Nordsee, 30 Kilometer westlich von Amsterdam, vor: Seine Piloten George Russell (Startplatz zwei) und Kimi Antonelli (Rang drei) sollen Norris im Verlauf der 72 Runden über gut 306 Kilometer ein- und überholen.Attacke in der ersten Kurve?Leicht gesagt, selbst wenn die Silberpfeile laut Rennsimulation im Dauerlauf schneller kreisen können. Dem Mercedes fehlt es an Topspeed just dort, wo sich die einzige Überholmöglichkeit anbietet. Beim Anlauf über die letzte Steilkurve zur Zielgeraden reichte es bei Antonelli im Sprint nie, nah genug an Norris heranzukommen. Einen Tick schneller zu sein, genügt nicht, um sich am fixen McLaren samt cleverem Steuermann zum Ende der relativ kurzen Geraden in der Bremszone vorbeizuschieben. Was tun?Russell und Antonelli könnte die Aussicht auf eine erfolgreiche Attacke beim Start verlocken. Wer den Sprint zur ersten Kurve gewinnt, genießt als Führender das Glück der freien Fahrt: Ohne Vordermann gibt’s keine Luftverwirbelungen, die Abstand erfordern, damit die Bremswirkung durch den Abtrieb der Frontflügel nicht nachlässt und den Reifenverschleiß erhöht. Aber aus dem Stand bleiben nur 300 Meter für eine Sause vorbei am Vordermann. Zu wenig, wenn der Konkurrent das Verlöschen der Startampel nicht verschläft.Russell wird angreifen, um sich von Antonelli absetzen zu können. Der Italiener liegt in der Fahrerwertung 56 Punkte vor ihm auf Rang eins. Der wäre gut beraten, das Risiko sehr nüchtern zu kalkulieren. Er muss nicht zwingend gewinnen. Aber er wirkt, nicht mal zwanzig Jahre alt, getrieben von seiner großen Lust auf die Attacke – zur Freude von Formel-1-Fans.Ferraris ChanceIn der Nacht zum Sonntag haben die Strategieexperten der Rennställe die schnellsten Wege ins Ziel akkurat berechnet. Und dabei herausgefunden, dass die Boxenstopp-Taktik eine sichere Variante sein kann. Der sogenannte Undercut soll dabei eine entscheidende Rolle spielen. Früher als der Vordermann zum ersten oder zweiten Reifenwechsel abbiegen, dann mit einer schnelleren Runde vorbeiziehen, wenn der im Schnitt leicht langsamere Gegner neue Pneus montieren lässt. So könnte das eigentlich schnellste Team auf Abwegen vorankommen: Ferrari.Das Mienenspiel von Fahrern und Teamchef nach dem Qualifying am Samstag verriet alles, vor allem Enttäuschung im Ferrari-Lager. Die Abfahrt aus der dritten Startreihe zwingt Lewis Hamilton (Fünfter) und Charles Leclerc – kommt es vor ihnen nicht zu einer Karambolage – zu Geduld bei Vollgas. Der SF-26 schont die Reifen in Zandvoort, erlaubt das höchste Tempo im Dauerlauf laut der Simulation am Freitag und der Erfahrung im Sprint. Aber im Verkehr lässt sich der Vorteil kaum ausspielen.Abschied von ZandvoortWeil es trocken bleibt laut Wetterprognose, wird die Scuderia Glück brauchen. So wie Nico Hülkenberg als 13. der Startaufstellung beim nächsten Versuch, mit dem Audi unter die ersten Zehn zu kommen, Punkte zu gewinnen. Piloten auf den hinteren Plätzen und ihre Strategen wünschen sich zwar alles andere als Unfälle, bereiten sich aber auf Safetycar-Phasen vor, die alles durcheinanderwirbeln können. Im vergangenen Jahr gab es drei. Allerdings ließ sich Oscar Piastri nicht beirren. Er gewann das Rennen von der Poleposition.Zandvoort, die Stimmung unter den Fans, die so schön geschwungene Piste werden die Piloten nach der letzten Runde der Formel 1 in den Niederlanden vermissen, wie sie beteuern. Eine Runde am Limit, möglichst allein unterwegs, das lieben sie. Aber das Rennen nicht.
Formel 1: Mercedes startet als Favorit in den Dünen von Zandvoort
Auf der Pole steht Formel-1-Weltmeister Lando Norris im McLaren. Doch dahinter lauern die Silberpfeil-Piloten George Russell und Kimi Antonelli. Sie können ihn abfangen.








