20 Minuten waren noch zu spielen im Supercup zwischen dem SC Magdeburg und den Füchsen Berlin, da war Mathias Gidsel bereits deutlich anzusehen, dass ihm dieser erste Arbeitstag der neuen Saison nur begrenzt Spaß bereitete. Der Welthandballer war gerade rüde von Gisli Kristjansson gestoppt worden und während der Isländer für zwei Strafminuten zur Bank trottete, saß Gidsel schimpfend auf dem Boden. Zum einen, weil er schmerzhaft auf die Hand gestürzt war, aber wohl auch, weil dem erneut besten Berliner bereits klar war, dass dieses Spiel bei neun Toren Rückstand gegen diesen Gegner nicht mehr zu gewinnen war.Zu dominant traten die Magdeburger im ausverkauften Münchner SAP Garden auf, brachten einen ungefährdeten 38:31-Sieg ins Ziel und gewannen erstmals seit 25 Jahren wieder den Supercup. Mit diesem Spiel zwischen Meister und Pokalsieger läutet die Handball-Bundesliga (HBL) die am kommenden Donnerstag beginnende Saison ein, bei dem der SC Magdeburg seine Ambitionen auf die Titelverteidigung eindrücklich untermauerte.Handball:Die nächsten Bundesliga-Promis: Zwei Brüder aus PortugalIn den Costa-Brüdern Francisco und Martim sichert sich die SG Flensburg-Handewitt zwei der größten Talente im Welthandball – und die Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft.Es sei zwar nicht der wertigste Titel der Saison, sagte Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert, er war dennoch zutiefst „zufrieden mit diesem Bonus vor der Meisterschaft“. Bisher habe er stets dem Sieger gratulieren müssen, nach dem vierten Anlauf unter seiner Regie nun ziert das silberne Prachtstück die Trophäensammlung der Sachsen-Anhalter. Noch mehr beeindruckte den Meistertrainer kurz vor dem Saisonstart „wie bereit die Jungs schon sind“.In der Tat präsentierte sich seine Mannschaft in blendender Verfassung, die Rückraumachse Kristjansson, mit neun Toren bester Werfer ohne Fehlversuch, Felix Claar und Albin Lagergren machte enormen Druck. Das Zusammenspiel mit Kreisläufer Magnus Saugstrup funktionierte nach Belieben, die Außen Matthias Musche und Daniel Pettersson trafen nahezu fehlerlos und das kroatische Torhüter-Duo Matej Mandic und Zugang Dominik Kuzmanovic harmonierte mit der Abwehr auf hohem Niveau. Alles fast wie immer, könnte man nach einer Saison sagen, in der die Magdeburger mit nur vier Minuspunkten den Titel gewannen. Zupass kommt dem Titelverteidiger hierbei, dass sich die Änderungen im Kader in Grenzen hielten, der SC Magdeburg geht mit einem eingespielten Team ins Rennen, in dem jedes Rädchen in feinster Abstimmung in das andere greift.Bei den Füchsen Berlin fiel der Kaderumbau deutlich umfangreicher aus als beim SC MagdeburgBeim Pokalsieger, in der Vorsaison als Meisterschaftszweiter ärgster Verfolger der Magdeburger, fiel der Umbruch deutlich umfangreicher aus. Berlin musste in Rückraumwerfer Lasse Andersson und Torhüter Dejan Milosavljev zwei prägende Akteure ziehen lassen, zudem fehlten in Nils Lichtlein, der sich im Juni einer Fuß-OP unterzog, und Fabian Wiede, der nach einem Kreuzbandriss vergangenen Oktober an seinem Comeback arbeitet, zwei weitere Schlüsselspieler verletzt. Folglich müssen Matthes Langhoff und Tobias Gröndahl mehr Verantwortung übernehmen, gleichwohl befinde sich die Mannschaft „in einem Prozess mit vielen jungen Spielern“, wie Gidsel erklärte, „das benötigt einfach Zeit.“ Am Samstagabend jedenfalls „waren wir nicht so weit, Magdeburg zu schlagen, das ist die Wahrheit.“ Gidsel erinnerte noch daran, dass es gegen eine, wenn nicht die beste Mannschaft der Welt ging.„Wir müssen noch hart arbeiten“: Berlins Mathias Gidsel (Mitte) wird von den Magdeburgern Magnus Sugstrup und Albin Lagergren (v.l.) gestoppt. Angelika Warmuth/dpaWas für den Welthandballer fortan bedeutet, dass das Berliner Spiel noch mehr von seiner Leistung abhängt. Gidsel war zwar einmal mehr mit zehn Treffern bester Werfer der Füchse, durfte sich indes einer besonders aufmerksamen Betreuung durch die gegnerische Abwehr erfreuen. Während der Angriff mit 31 Treffern passabel funktionierte, immerhin sind Langhoff wie auch der Norweger Gröndahl Nationalspieler, waren Abstimmungsprobleme in der Abwehr unübersehbar. In Frederik Simak steht ein Zugang im Innenblock der Abwehr, die Abstimmungen mit den Kollegen sowie Torhüter Andreas Palicka, ebenfalls neu im Team, gestaltete sich wenig überraschend holprig.HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann wünscht sich München als Bundesliga-StandortEs werde kein einfaches Jahr, gab Gidsel zu, aber er sei ohnehin einer, der „gerne den schweren Weg geht“. Langhoff hingegen freue sich über die neue Verantwortung und gedenke, an der Aufgabe zu wachsen: „Wir müssen schon noch an ein paar Stellschrauben nachjustieren, aber an einem guten Tag können wir jeden Gegner schlagen.“Trotz der fehlenden Brisanz im Spiel bereitete der Abend mit diesen beiden Weltklasseteams den 10 199 Zuschauern im Spitzenbandball-entwöhnten München große Freude. Nicht nur Gisli Kristjannson schwärmte von der „geilen Stimmung in der tollen Halle“, sondern auch Bundesliga-Geschäftsführer Frank Bohmann bedachte dem Standort München höchstes Lob: „Wir als Gastgeber sind äußerst zufrieden.“ Im Januar bereits findet an gleicher Stelle die Handball-WM statt, in München spielt das deutsche Team seine Vorrunde im SAP Garden. Schon beim Frauen-Supercup, so Bohmann, den der deutsche Meister HSG Blomberg-Lippe in einer spannenden Partie gegen den BVB Dortmund nach Siebenmeter-Werfen gewann, sei die Halle ausverkauft gewesen: „München wäre ein Platz, der der Bundesliga sehr gut zu Gesicht stehen würde.“Dann erinnerte Bohmann noch daran, dass es ja „eine Initiative für Profi-Handball in München gibt“. Die HG München nämlich, die von den ehemaligen Nationalspielern Dominik Klein und Steffen Weinhold ins Leben gerufen wurde, und derzeit als Favorit in der Bayernliga zu Werke geht. Bis der professionelle Bereich erreicht werden kann, wird es folglich noch ein Weilchen dauern, immerhin ist bald WM und der Supercup soll auch im nächsten Jahr nach München zurückkehren.