Die Lokaljournalisten kennen jedes neue Feuerwehrhaus und die meisten AfD-Politiker aus dem Sandkasten. Ihre Zukunft sehen sie von denen nicht bedroht.

Zu den weit verstreuten Dörfern Sachsen-Anhalts kommt man ohne Auto nur zweimal täglich per Bus und findet dort oft weder Bäcker noch Apotheke. Dafür sieht man hier überall an Zauntüren und Hauseingängen etwas, was anderswo längst verschwunden ist: Zeitungsboxen. Aufschrift: Volksstimme.

BRD-deutsch-Sozialisierte zucken bei dem Namen („klingt irgendwie Nazi“). Dabei wurde die Volksstimme 1890 in Magdeburg als sozialdemokratische Tageszeitung gegründet, 1933 von den Nazis verboten und zwischen 1947 und 1990 als SED-Parteiblatt weitergeführt.

Wie ist die Stimmung in der Volksstimme? „Eigentlich prima“, sagt Chefredakteur Marc Rath. „Vielleicht sogar besser als in Berlin?“

Rath ist sympathisch, unideologisch und schwer aus der Fassung zu bringen. Digitale Medien haben die klassische Zeitung abgelöst, Sachsen-Anhalt ist das am stärksten schrumpfende Bundesland und möglicherweise das erste, das AfD-geführt werden könnte – woher seine gute Laune? „Wir sind für die Zukunft bestens aufgestellt“, sagt Rath. „Die Volksstimme wird die letzte gedruckte Zeitung Ostdeutschlands sein und der Lokaljournalismus das Letzte, was die KI ersetzen kann.“