Schwerin (dpa) - Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. In den Umfragen liegt die AfD aktuell vor der SPD. Fachleuten zufolge dürfte die Regierungsbildung in diesem Jahr deutlich schwieriger werden als in der Vergangenheit. Es kommt auch darauf an, welche und wie viele Parteien in den Schweriner Landtag einziehen. Das sind die wichtigsten Spitzenkandidatinnen und -kandidaten:Manuela Schwesig (SPD)Ob Gespräche bei herzförmigen Waffeln oder Streuselkuchen: Die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gibt sich in diesem Wahlkampf stets bürgernah. Die 52-Jährige tritt als Spitzenkandidatin der SPD an. Ihr Wahlkreis liegt in der Schweriner Innenstadt, wo sie auch wohnt. Geboren wurde die Finanzwirtin im benachbarten Bundesland, im brandenburgischen Frankfurt (Oder).Ihre politische Laufbahn führte Schwesig von der Kommunalpolitik über das Amt der Sozialministerin in MV und der Bundesfamilienministerin zurück ins Bundesland und da an die Spitze der Landesregierung. Seit 2017 führt die zweifache Mutter die Regierung – erst mit der CDU, aktuell mit den Linken. Schwesig gilt als beharrlich. Ihr Fokus liegt auf der Familien- und Sozialpolitik, der Stärkung der Wirtschaft und der Vertretung ostdeutscher Interessen. Eines ihrer wichtigsten Projekte: die beitragsfreie Kita.Leif-Erik Holm und Enrico Schult (AfD) Er will der nächste Ministerpräsident werden und eine Alleinregierung der AfD: Leif-Erik Holm. Der gebürtige Schweriner und Landeschef gibt auf Wahlkampfveranstaltungen gerne Autogramme für seine Fans. Im Schweriner Wahlkreis fordert er Schwesig direkt heraus. Über die Landesliste abgesichert ist der studierte Volkswirt und vierfache Vater nicht.Holm ist gelernter Elektromonteur und war jahrelang Radiomoderator, unter anderem beim NDR. Den Rundfunkstaatsvertrag will der 56-Jährige im Falle einer Regierungsverantwortung der Rechtsaußenpartei sofort kündigen. Holm ist wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion.Spitzenkandidat für die AfD auf der Landesliste ist dagegen Enrico Schult, der sich auch die wichtigen Posten des Co-Landes- und des Fraktionsvorsitzes im Landtag erkämpft hat. Der 47-jährige Vermessungstechniker und zweifache Vater wurde in Demmin geboren und sitzt seit 2021 im Landtag, wo er sich als Bildungs- und Finanzpolitiker einen Namen machte. Die „Migrationskrise“ ist für ihn „die Mutter aller Krisen“.Simone Oldenburg (Linke)Von der Schule in den Landtag – Bildungsministerin und Linken-Spitzenkandidatin Simone Oldenburg ist vom Fach. Die Lehrerin und Schulleiterin aus Wismar war zunächst kommunalpolitisch aktiv, wechselte 2011 in den Landtag und profilierte sich dort als Bildungspolitikerin. In der rot-roten Koalition ist die 57-Jährige auch stellvertretende Ministerpräsidentin.Neben bildungspolitischen Themen steht Oldenburg für linke und antifaschistische Positionen und tritt mit ihrer Partei im aktuellen Wahlkampf unter dem Slogan „Wir treten nach oben“ auf. 2021 war sie ebenfalls Spitzenkandidatin ihrer Partei.Daniel Peters (CDU)Mit Fischbrötchen wirbt Daniel Peters als CDU-Spitzenkandidat für „die Mitte“ im Land. Der Rostocker ist Politikwissenschaftler und arbeitete einst für den langjährigen früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg. Heute besetzt er selbst den Stuhl in der ersten Reihe seiner Fraktion im Schweriner Landtag.Falls es nach der Wahl nicht für eine Mehrheitsregierung reicht, kann sich der 45-Jährige auch eine Minderheitsregierung vorstellen. Mit der AfD oder den Linken würde der CDU-Landeschef aber nicht koalieren, sagt er.Claudia Müller (Grüne)Sie sitzt im Bundestag, ist aber im Nordosten zu Hause. Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Müller ist gebürtig aus Rostock und studierte Baltic Management in Stralsund. Auch im Tourismus hat die zweifache Mutter beruflich Station gemacht. In der Berliner Ampel-Koalition war die 45-jährige Betriebswirtin und frühere Grünen-Landeschefin Koordinatorin der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus.Anfang des Jahres wurde Müller bei der Neuwahl einer Landesliste nach innerparteilichen Zerwürfnissen auf den Spitzenplatz gewählt. In Umfragen liegen die Grünen bei um die fünf Prozent. Ihr Einzug in den Landtag gilt als unsicher. Falls es klappt, könnte die Partei für eine Regierungsbildung maßgeblich werden.Jessica Mendle und Jakob Schirmer (FDP)Jessica Mendle steht auf Platz zwei der FDP-Landesliste hinter Jakob Schirmer. Das Spitzenduo wird mit der Kampagne „Du willst was reißen? Wir auch.“ präsentiert. Dass es die FDP über die Fünf-Prozent-Hürde schafft, gilt als unwahrscheinlich. 2021 zogen die Liberalen zu fünft in den Landtag ein, verloren wegen eines Über- und eines Austritts aber ihren Fraktionsstatus und bilden seither eine Gruppe.Mendle ist Krankenschwester und selbstständige Unternehmerin. Schirmer wohnt im Ostseebad Heringsdorf und will einen schlanken Staat. Der Jurist und Hochschullehrer wirbt zudem für eine starke Wirtschaft und einen modernen Rechtsstaat.Peter Schabbel und Sabine Firnhaber (BSW)Auch das BSW ist mit einer Doppelspitze unterwegs: Peter Schabbel und Sabine Firnhaber sollen die erst 2024 gegründete Partei in den Landtag bringen. Landeschef Schabbel ist gebürtiger Berliner, selbstständiger Heilpraktiker und Osteopath sowie ausgebildeter Fachkrankenpfleger und Rettungsassistent. Nicht überraschend zählt die Gesundheitspolitik zu seinen Schwerpunkten.Die Landwirtin und Unternehmerin Firnhaber ist auf den Listenplatz zwei gewählt. Ihre politische Laufbahn begann als Mitorganisatorin von Bauernprotesten, 2020 wurde sie zur Vizepräsidentin des Bauernverbandes MV gewählt. Im Zuge des Wahlkampfs ruht ihr Amt aber gerade.© dpa-infocom, dpa:260823-930-569108/1