Mario Voigt hat einen Brombeerschnaps für Zeiten, in denen es mal schwierig wird mit dem Regieren. Mit dieser Erklärung jedenfalls bekam der Thüringer CDU-Landesvorsitzende die Flasche vor zwei Jahren von Landtagspräsident Thadäus König geschenkt: Voigt war gerade zum Ministerpräsidenten gewählt worden, an der Spitze einer Koalition mit der SPD und dem BSW – der Brombeerkoalition. In der vergangenen Woche drohte die auseinanderzubrechen, während die AfD um Björn Höcke ein weiteres Misstrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten ankündigte. Wurde der Schnaps also längst geöffnet?„Nein, noch nicht“, sagt Voigt am Rande des CDU-Landesparteitages in Eisenach. In der Werner-Aßmann-Halle sitzen die 149 Delegierten in langen Reihen, auf jedem Platz findet sich eine Brezel und ein Bier, in Thüringen gebraut. Am Vorabend wurde gemeinsam gefeiert, wie erzählt wird, und auch am Samstag scheint die Stimmung entspannt. Doch der Ärger, der in den vergangenen Tagen vom Bundes-BSW und der Thüringer AfD ausging, ist an der CDU nicht vorbeigegangen.Misstrauensvotum soll am Freitag stattfindenHintergrund sind die Plagiatsvorwürfe gegen Voigt, der in seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll. Auf der Bühne des Parteitages geht er an diesem Samstag ausführlich darauf ein. Zu den Stürmen der vergangenen Tage hätten auch die Diskussionen um seine Person geführt, das wisse er, sagt Voigt. „Und ich weiß, dass euch das beschäftigt.“ Dann erzählt er von einem „inneren Dilemma“, wie er es nennt: In seiner Doktorarbeit stecke viel Arbeit und viel Persönlichkeit, er habe vier Jahre lang daran gearbeitet – „und 14 Tage vor der Landtagswahl kommt dann so ein angezinktes Ding“.Damals, im August 2024, hatte der umstrittene Plagiatsprüfer Stefan Weber öffentlich erklärt, mögliche Plagiate in der Doktorarbeit entdeckt zu haben. Später entzog die TU Chemnitz Voigt seinen Doktorgrad, vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass sein Widerspruch dagegen gescheitert ist. Der BSW-Bundesvorstand nahm das zum Anlass, ihren Thüringer Landesverband zum Koalitionsbruch aufzufordern, und die AfD reichte einen Antrag auf ein Misstrauensvotum ein. Stattfinden soll es am kommenden Freitag.Voigt bekommt etwas weniger Stimmen als 2024Vor den Thüringer Delegierten bekräftigt Voigt, sich gegen die Aberkennung des Doktorgrads gerichtlich wehren zu wollen. Gleichzeitig wisse er, dass das vom politischen Gegner immer wieder gegen seine Partei genutzt werde. Trotzdem müsse er dagegen angehen, aus persönlichen Gründen. „Ihr könnt euch drauf verlassen: Ich bin immer standhaft.“In der Halle kommt das gut an. Fast eine Dreiviertelstunde lang spricht Voigt, anschließend erheben sich die Delegierten und applaudieren für zweieinhalb Minuten. Kurz darauf bestätigen sie den Landesvorsitzenden mit 82,4 Prozent der abgegebenen Stimmen in seinem Amt. Dass das eine etwas geringere Zustimmung ist als bei der vorherigen Wahl vor zwei Jahren, als Voigt 84,6 Prozent erhielt, sieht man in der Werner-Assmann-Halle weitgehend gelassen.Das seien normale Schwankungen, sagt ein Delegierter. Für die Mitglieder spielten die Plagiatsvorwürfe gegen Voigt jedenfalls keine Rolle, schließlich liefen viele Dinge doch gut – etwa, dass in Thüringen weniger Unterricht ausfalle als früher, eines der Wahlkampfversprechen der Partei. Auch andere Delegierte betonen ihre Zufriedenheit mit Voigt. Die CDU müsse nun zusammenstehen, ist an diesem Samstag oft zu hören. Ein Delegierter zeigt sich etwas verwundert, er hätte mit einem höheren Wahlergebnis gerechnet: „Ich verstehe es nicht ganz.“ Schon möglich, dass die Plagiatsvorwürfe und der Trubel der vergangenen Tage etwas damit zu tun haben könnten.Der Fraktionsvorsitzende Andreas Bühl sagt, dass an der Basis darüber gesprochen werde. „Es wäre falsch zu sagen, es bewegt die Leute nicht.“ Politische Gegner versuchten, „zu diskreditieren und zu verunsichern, und das beschäftigt natürlich unsere Mitglieder“. Insgesamt hätte man sich natürlich einen anderen Start nach der Sommerpause gewünscht, so Bühl mit Blick auf den innerparteilichen Streit im BSW und den Vorstoß der AfD. Wegen des anstehenden Misstrauensvotums zeigt er sich aber unbesorgt: „Es bleibt Björn Höcke, der das Ganze nur macht, um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Das Wahlergebnis für Voigt zeige doch, dass die Partei und auch die Fraktion hinter ihm stehe – das sei gerade jetzt ein wichtiges Signal.Kurz bevor die Delegierten zum Ende des Parteitages die Nationalhymne anstimmen, tritt Voigt ein letztes Mal auf die Bühne. Noch einmal bedankt er sich für die Unterstützung: Die bringe, sagt er, viel Rückenwind für die nächste Woche.