Provokation im DFB-Pokal : „Er hat permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert“22.08.2026, 12:51Lesezeit: 3 Min.Nach dem Chaosspiel verweigert Mannheims Trainer seinem Kollegen den Handschlag. Bei der Suche nach Schuldigen für die ausgeheizte Stimmung rücken Waldhof-Verantwortliche ein FCK-Spieler in den Fokus.Der FCK-Trainer war nach dem Last-Minute-Tor zum 1:0-Sieg in der Verlängerung auf Mota zugegangen und hatte ihm die Hand entgegengestreckt. Der Waldhof-Trainer ging Lieberknecht daraufhin verbal an und erklärte in der Pressekonferenz: „Du musst dich auch während des Spiels benehmen. Danach braucht man mir nicht kommen mit 'gut gespielt, wir haben gewonnen'. Ich habe keine zwei Gesichter, nur eines. Ich respektiere jeden. Ich treibe mein Team auch an, und die andere Seite macht das auch. Aber jemanden zu bedrohen, das ist nicht der Weg.“Details gab er nicht preis. Lieberknecht, der ebenfalls auf dem Podium saß, äußerte sich zu dem Vorfall nicht. Er sagte nur: Auf dem Platz sei es eines Derbys „sehr, sehr würdig“ gewesen. „Das, was drumherum war, das wollen wir alle nicht sehen. Das ist auch nicht nachvollziehbar. Rivalität ja. Dass es aber so endet, ist schade für den Fußball.“Zuvor war die Situation nach 90 torlosen Minuten im Carl-Benz-Stadion eskaliert, als nach einer Rudelbildung zwischen den Spielern auf dem Rasen auch noch einige FCK-Anhänger Feuerwerkskörper in den Sitzplatzbereich geschossen hatten. Daraufhin waren einige Mannheimer Fans auf den Platz gestürmt. Auch berittene Polizisten mussten einschreiten, um die Lage zu beruhigen. Zeitweise drohte ein Abbruch des Spiels.Kaiserslauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte für die Geschehnisse. „Das ist ein Derby, da sind die Emotionen groß, so etwas darf aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball“, sagte der frühere Profi bei Sky. Für ihn waren das Einschreiten der Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend dafür, dass es nicht zum Spielabbruch kam.„Es kann nicht sein, dass Leute gefährdet werden“Für Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber war „das Maß überschritten“. Zugleich kritisierten der Österreicher und weitere SVW-Verantwortliche vor allem FCK-Kapitän Marlon Ritter. „Er hat permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert, das ist geduldet worden. So hat man ein Problem“, sagte Zuber, der die abgefeuerten Feuerwerkskörper der Gäste-Fans in Richtung der Haupttribüne verurteilte. „Das muss Konsequenzen haben. Es kann nicht sein, dass Leute gefährdet werden.“Ritter selbst meinte, es sei „wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen Beteiligten“. Angesprochen auf die Mannheimer Vorwürfe erklärte der 31-Jährige aber auch: „Die Waldhof-Bank geht auch nicht jeden Sonntag in die Kirche.“Waldhof-Sportdirektor Matthias Schober ernannte Ritterebenfalls zum mindestens Mitschuldigen. Dieser habe „so provoziert und vor der Haupttribüne Dampf abgelassen. Dass unsere Fans auf den Platz gegangen sind, geht nicht. Trotzdem muss ich auch sagen, kurz vor Ende der Partie hat sich Ritter bei jeder Ecke so viel Zeit gelassen und provoziert.“Ritter, dessen Zeitmanagement Tausende Fans zu Gewalttaten veranlasst haben soll, reagierte gelassen in Richtung des früheren Keeper Schober und bohrte in dessen 2001er-Wunde: „Hätte er damals den Ball weggeschlagen, wäre Schalke Meister geworden.“ Schober war damals Hamburger Torwart und nahm beim Saisonfinale in der Nachspielzeit einen Rückpass in die Hand. Den nachfolgenden Freistoß schoss Patrik Andersson für den FC Bayern ins Tor; Schalke wurde nur „Meister der Herzen“. Ritter ist bekennender Schalke-Fan.Mannheims Kapitän: „Es war eine supergeile Stimmung“„Das war ein ganz besonderer Abend. Es war eine supergeile Stimmung. Unsere Fans haben alles abgerissen“, sagte Mannheims Kapitän Lukas Klünter bei Sky, um hinterherzuschieben: „Ich spreche von dem Spiel. Während das Spiel lief, war es super. Alles andere muss man dann analysieren.“ Kaiserslauterns Torwart Julian Krahl schwärmte: „Wir sind unendlich dankbar für die Unterstützung, die wir heute hatten, alles andere liegt nicht in unserer Hand.“Beide redeten über ein Spiel, das nur beendet werden konnte, weil kurz vor der Verlängerung ein Großteil der insgesamt 1400 für das Hochrisikomatch eingesetzten Polizeikräfte aufmarschierte, mit Pferden, Hunden und Pfefferspray gegen die verfeindeten Fangruppen auf beiden Stirntribünen vorgingen. Mehrere Mannheim-Fans waren zuvor auf den Platz gerannt, es flog eine Unzahl an Raketen, die auch auf der Haupttribüne einschlugen.Letztlich gewann Kaiserslautern das Spiel 1:0 nach Verlängerung. Den entscheidenden Treffer für den Zweitligaklub erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschießen. Ginge es nach Ritter, sollte das Sportliche überwiegen. „Für mich ist der Fußball nicht in den Hintergrund gerückt“, sagte er. „Wir haben das Derby gewonnen. Das ist das, was am Sonntag und Montag in der Zeitung stehen sollte, uns gehören die Schlagzeilen.“