Falko Jentsch und sein Team organisieren CSDs in Sachsen-Anhalt. Dann kam der Anschlag in Berlin. Und mit ihm die Frage, was das für die Paraden bedeutet, die noch vor ihnen liegen.

Z eit finden, das schafft Falko Jentsch. Für alle Anfragen und Stichpunkte auf seiner To-do-Liste. Für Unvorhersehbares. Mit der taz spricht er via Videocall, während er zu einer Bushaltestelle in Magdeburg hastet. Sein Gesicht ist schräg von unten zu sehen, eine Haarsträhne wippt beim Gehen auf und ab. Der Hintergrund ist unscharf: das Grau von Häuserwänden, das Grün der Baumkronen. Es ist ein Nachmittag Ende Juli. Eigentlich hätte das Gespräch vom Christopher Street Day, kurz CSD, in Köthen handeln sollen, bei dem die taz vor Ort war und das Orgateam in seinen Vorbereitungen und über den Tag der Demo hinweg begleitet hat. Ein Fazit wollte Falko Jentsch geben. Sich freuen, dass in Köthen – einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt südlich von Magdeburg – alles so gut über die Bühne gegangen ist. Stattdessen spricht er über die noch ausstehenden CSDs im Bundesland: Magdeburg, Halle, Stendal. Und darüber, wie sicher sie sind.

Am Abend des 25. Juli raste der 21-jährige Islamist Abdul B. in eine Menschenmenge beim Berliner CSD. Eine Frau wurde getötet, 31 andere verletzt, zum Teil schwer. Der Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e. V., in dem Falko Jentsch sich engagiert, hatte in diesem Jahr wieder einen Wagen auf der Prideparade in Berlin. Als der Anschlag passierte, war Jentsch gerade im Backstagebereich angekommen, neben der großen Bühne am Brandenburger Tor. Es wurde angestoßen, ganz entspannt. „Auf einmal hieß es: Alle hier raus.“ Der Platz wurde evakuiert, ein Hubschrauber kreiste über ihnen.