Liebe Leserinnen, liebe Leser, in den kommenden Jahren stehen die zahlreichen Arbeitnehmer, die der sogenannten „Baby Boomer“-Generation angehören, vor dem Eintritt in ihre Rente. Was dann? Darauf haben wir nach Antworten gesucht – die vielleicht wichtigste: Der Ruhestand ist kein ewiger Urlaub, sondern eine neue Lebensform, die man gestalten muss.Gefunden haben wir konkrete Beispiele dafür: Uwe Behm findet nach seiner Zeit als Messegeschäftsführer über Reisen, Naturschutz und die Pflege von Klimabäumen in seiner Heimat neue Erdung. Und Claudia Denfeld baut sich mit Studium, Sport und mehreren Ehrenämtern einen erfüllenden Alltag auf – und tritt danach wieder kürzer. Hans Riebsamen erlebt, wie Corona seine Pläne durchkreuzt, entdeckt Frankfurt mit dem E-Bike neu und findet über ein Buchprojekt mit Nachkommen von Holocaust-Überlebenden sogar in eine zweite berufliche Phase. Die gemeinsame Erkenntnis aller Protagonisten unseres Texts: Es braucht in der Rente keine spektakulären Vorhaben, wohl aber eine Richtung, soziale Kontakte und Aufgaben, die dem Tag Struktur geben.Chinas Autoriesen greifen anMan sieht es auf der Straße, wenn man so wie früher als Kind einmal auf die Automarken achtet, die einem dort begegnen: Chinesische Autohersteller greifen den europäischen Markt mit einer Mischung aus Tempo, niedrigen Preisen und technologischer Eigenständigkeit an. Hersteller wie BYD, MG, Omoda-Jaecoo und Leapmotor gewinnen Marktanteile. Möglich machen das unter anderem Überkapazitäten im chinesischen Heimatmarkt, ein für die Chinesen günstiger Wechselkurs und eine Fertigungstiefe, die den Herstellern zum Beispiel auf dem Gebiet der Batterien deutliche Kostenvorteile verschafft.Für europäische Hersteller wie Volkswagen, Renault und Stellantis wird daraus ein Problem: Sie müssen ihre Preise senken und damit die Profitabilität opfern. VW ruft in der Not schon nach faireren Wettbewerbsbedingungen. Die EU denkt tatsächlich über weitere Zölle und Vorgaben für eine Produktion in Europa nach. Der chinesische Angriff ist aber nicht nur ein handelspolitisches Problem. Er ist die Quittung für Europas verschlafene Batterie- und Elektrostrategie.Eltern müssen nicht perfekt sein, um ihren Kindern Sicherheit zu geben. Alexander Krützfeldt, der Autor unseres Textes, gerät nach der Trennung von seiner Frau und der hälftigen Betreuung der Kinder an den Rand des Burnouts – bis er beschließt, Haushalt, Freizeit und Förderprogramm der Kinder nicht länger zu optimieren. Seine „konstruktive Vernachlässigung“ bedeutet: weniger Termine, niedrigere Ansprüche, mehr Langeweile und mehr Eigenverantwortung. Dabei entdeckt er in der eigenen Kindheit ein Gegenmodell zur permanenten Aufmerksamkeit: Eltern, die verlässlich da sind, aber nicht jeden Moment organisieren und jedes Problem lösen.Ihnen ein schönes Wochenende und viele Grüße aus Frankfurt, wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine konkrete Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de.Herzliche GrüßeIhrCarsten KnopHerausgeberFrankfurter Allgemeine Zeitung