Perfider Doppelschlag in Kriwi Rih: Russland treibt in der Ukraine die Zahl ziviler Opfer gezielt in die HöheDer Trend, dass Russlands Luftangriffe auf die Ukraine eine immer grössere Zahl von Opfern fordert, setzt sich fort. Die grösste Gefahr stellen Raketenangriffe dar. Aber auch mit Drohnen kann Russland weiterhin grossen Schaden anrichten.22.08.2026, 08.18 Uhr3 LeseminutenNach dem Einschlag russischer Drohnen in einem Einkaufszentrum in Kriwi Rih steigt Rauch aus dem Gebäude auf.APRussland hat am Freitag in der Ukraine einen der blutigsten Luftangriffe der vergangenen Monate verübt. Drohneneinschläge in einem der grössten Einkaufszentren der südukrainischen Industrie- und Bergbaustadt Kriwi Rih töteten mindestens 16 Personen und verletzten 130 weitere, unter ihnen 23 Kinder. Viele der Verletzten befinden sich laut den lokalen Behörden in kritischem Zustand.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Selenski spricht von TerroraktIn einer ersten Stellungnahme in den sozialen Netzwerken schrieb der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski: «Solche Angriffe sind schlicht Terrorakte». Die Ukraine werde auf jeden Fall darauf reagieren. Kriwi Rih in der Provinz Dnipropetrowsk ist die Heimatstadt Selenskis.Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass Russland eine möglichst hohe Zahl von Opfern verursachen wollte. Der Angriff erfolgte am späten Nachmittag, als das Einkaufszentrum gut besucht war. Die Drohnen flogen den Komplex in zwei Wellen an. Eine halbe Stunde nach dem ersten Einschlag, als bereits Rettungskräfte vor Ort waren, gab es einen zweiten Angriff.Dieses besonders perfide Vorgehen, das als «double tap» oder Doppelschlag bezeichnet wird, ist aus dem Luftkrieg in Syrien bekannt. Die russische Luftwaffe war berüchtigt dafür, bei ihren Angriffen zur Unterstützung des Diktators Bashar al-Asad nach einem ersten Treffer nochmals zuzuschlagen. Vermehrt wendet Russland diese auf eine Maximierung der Opferzahl abzielende Taktik nun auch in der Ukraine an.Drohnen mit DüsenantriebDer blutige Angriff auf Kriwi Rih erfolgte nur zwei Tage, nachdem in Kiew durch nächtlichen Beschuss 17 Personen getötet und mehr als 40 weitere verletzt worden waren. In der Nacht auf Freitag hatte zudem ein Angriff in der Region Charkiw zehn Menschenleben gekostet. Am Freitagabend wurden, nur wenige Stunden nach dem Doppelschlag in Kriwi Rih, bei Mikolajiw in der Südukraine mindestens vier Personen getötet.Die hohen Opferzahlen der jüngsten Angriffe werden in der Regel mit dem vornehmlichen Einsatz von Raketen und Lenkwaffen durch Russland in Verbindung gebracht. Während es der Ukraine meist gelingt, bei kombinierten russischen Angriffen einen Grossteil der Drohnen abzuschiessen, erreichen oftmals alle feindlichen Raketen ihr Ziel.Die Ukraine verfügt kaum noch über Munition für Flugabwehrsysteme wie Patriot, die für den Abschuss dieser besonders verheerenden Angriffswaffen notwendig sind. Anders als bei der Bekämpfung von Drohnen ist die Ukraine hierfür noch immer stark auf westliche Technologie angewiesen.Zumindest in der Peripherie kann Russland aber auch mit Drohnen weiterhin grossen Schaden anrichten. Die genannten Angriffe in Kriwi Rih, Charkiw und Mikolajiw wurden mit Drohnen ausgeführt. Russland entwickelt diese Fluggeräte fortwährend weiter. Die neue Generation der berüchtigten Shahed-Drohnen sind mit Düsenantrieb ausgerüstet und können dadurch viel schneller und tiefer fliegen. Mit herkömmlichen Abfangdrohnen, einem der wichtigsten ukrainischen Mittel zur Abwehr russischer Angriffe, sind sie nicht zu bekämpfen.Ukraine weitet Kampagne gegen Online-Händler ausAber auch die Ukraine setzt ihre Schläge im russischen Hinterland fort. In der Nacht auf Samstag wurden in der Region Samara eine Ölraffinerie und ein Logistikzentrum getroffen. Bei letzterem handelt es sich um eine Anlage des Online-Händlers Ozon, dem wichtigsten Wettbewerber von Wildberries.Seit mehr als einem Monat greift die Ukraine gezielt die Infrastruktur des grössten russischen Online-Händlers an. Wie dieser erste Schlag gegen Ozon zeigt, wird diese Kampagne nun auch auf andere Unternehmen in der Branche ausgeweitet werden.Passend zum Artikel