Manchmal hilft Distanz, um etwas besser zu beobachten. Bei Freunden und Verwandten, die man nur alle paar Monate oder gar Jahre sieht, sieht man oft sofort, ob sie zu- oder abgenommen haben, wie stark sie gealtert sind oder ob ihnen der neue Job guttut. Bei den Menschen, die wir täglich um uns haben, ist das anders. Wir leben an ihrer Seite – und können die Dramatik von schrittweise Veränderungen manchmal kaum wahrnehmen.

Etwas Ähnliches scheint bei Reisen der Fall zu sein, besonders bei Orten, die man kennt. Alle Jahre wieder hat die Frage »Wie war der Urlaub?« zwischen Mitte August und Anfang September Hochsaison. Schon immer ging es in den Antworten ums Wetter. Und doch hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert. Viele Menschen kehren aus »der schönsten Zeit des Jahres« mal ernüchtert und mal erschrocken zurück, weil sich ihre liebsten Urlaubsorte so stark verändern. Nicht jede Momentaufnahme lässt sich auf den Klimawandel reduzieren. Aber Klima zeigt sich in der Kombination von vielen Wetterereignissen. In der Veränderung von Landschaften. In den häufiger auftretenden Extremen.

Schweden: »Wir pulten Pilze getrocknet aus dem Waldboden«

Während meine Freunde vor Urlaubsantritt die Waldbrände in Südeuropa beobachteten, fühlte ich mich sicher. Klar, die Katastrophen machten mich betroffen, aber sie wirkten weit weg. Ich reiste schließlich in die sommerlichen Wälder Südschwedens.Noch vor der Abreise erreichte mich allerdings die Nachricht der Vermieterin: Starker Wassermangel. Waschmaschine nur im Notfall. Kein Lagerfeuer. Waldbrandgefahr. Wie bitte, dachte ich, und hoffte auf ein stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis ihrerseits. Bis meine Zehen den Waldboden berührten.Unter den Füßen knirschte das Moos. Pfifferlinge, die wir in den vergangenen Sommern eimerweise gesammelt hatten, fanden wir kaum. Falls doch, pulten wir die Pilze bereits getrocknet aus dem Waldboden. Im See vor der Haustür tauchten jeden Tag neue Steine auf, die das Wasser freigegeben hatte. Die Gefahr war offensichtlich und ich beäugte jeden Funken, der vom Grill wegflog. Nach der Rückkehr befragte ich das Internet. In der Region Skåne sei es bis tief in den Boden trocken, las ich. Zu wenig Regen, schon im Winter. Der Bezirk habe Löschflugzeuge angefordert. Feuer bekämpfen mussten sie zum Glück noch nicht.