PfadnavigationHomeWissenschaftNeue GefahrenHitze, Gewässer, Krankheiten – wie verändert sich unser Sommerurlaub?Stand: 12:44 UhrLesedauer: 4 MinutenZwei Urlauber schützen sich vor der Sonne – die Zahl der Sonnenscheinstunden hat sich auch in Deutschland erhöhtQuelle: Jessica Hromas/AAP/dpaMücken, die gefährliche Viren übertragen, schädliche Bakterien im Meer, extreme Temperaturen in den Städten. An beliebten Reisezielen verändern sich die Bedingungen für den Sommerurlaub. Worauf müssen sich Urlauber einstellen?Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt – es ist der Kontinent mit der stärksten Erwärmungsrate weltweit. Das bleibt nicht ohne Folgen für Millionen Urlauber, die im Sommer Erholung, etwa am Mittelmeer, suchen. Doch nicht nur in Südeuropa verändern sich die Bedingungen. Tropische Krankheitserreger dringen nach Norden vor, Badeseen und Küstengewässer verändern sich, Hitzewellen treffen Städte länger und intensiver. Welche Auswirkungen hat dies auf den Sommerurlaub?Sind Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya auch in Europa ein Thema?Ja. Die exotisch klingenden Virus-Erkrankungen werden von der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen, die sich seit Jahren auch in Europa rasch ausbreitet. Vor zehn Jahren war sie in 114 EU-Regionen nachgewiesen, inzwischen sind es 384 – in 16 EU-Ländern. Dazu zählt auch der Süden Deutschlands, wie die zuständige EU-Agentur ECDC im April meldete.Lesen Sie auchIm vergangenen Sommer wurde Chikungunya erstmals im Elsass nahe der deutschen Grenze lokal übertragen – die bislang nördlichste dokumentierte Übertragung in Europa. Mückenschutz sollte deshalb vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie Sonnencreme, rät die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR).Sind die Badegewässer sicher?Insgesamt hat sich die Qualität von Badegewässern seit 2010 eher verbessert, wie eine Auswertung der EU zeigt. Wärmere Gewässer bieten aber Cyanobakterien – umgangssprachlich Blaualgen genannt, auch wenn es keine Algen sind – ideale Wachstumsbedingungen. In der Natur sieht das oft grün aus und kann an Erbsensuppe oder Entengrütze erinnern.Lesen Sie auchCyanobakterien bilden Giftstoffe, die bei Hautkontakt reizen und beim Verschlucken zu Übelkeit, Erbrechen und in schweren Fällen zu Leberschäden führen können. Betroffen sind zunehmend auch Badeseen in Deutschland und Mitteleuropa, nicht nur im Mittelmeerraum. Werden gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Blaualgen-Toxinen an Badestellen gemessen, erlassen die örtlichen Behörden Warnungen und auch Badeverbote. Ist Baden an der Ostsee gefährlich geworden?Die Ostsee erwärmt sich nach Aussage von Forschern des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel schneller als die meisten Meeresökosysteme der Welt. Das begünstigt die Ausbreitung von Vibrionen – Bakterien, die sich bei Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad Celsius stark vermehren.Lesen Sie auchFür gesunde Menschen ist das Risiko gering. Ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem oder offenen Wunden können beim Kontakt mit Vibrionen aber schwere Wundinfektionen und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung davontragen. Auch die Nordsee sei vereinzelt betroffen, meldet das Robert Koch-Institut (RKI). Was hat sich für Bergwanderer in den Alpen verändert?Gletscherschmelze, auftauende Permafrostböden und häufigere Extremwetterereignisse machen Bergtouren unberechenbarer. Routen, die früher im Sommer problemlos begehbar waren, haben dem Deutschen Alpenverein zufolge inzwischen nur noch im Frühjahr oder Herbst sichere Verhältnisse. Lesen Sie auchFelsstürze und Steinschlag nehmen zu, Wetterlagen sind schwerer vorherzusagen. Auf Informationen aus älteren gedruckten Karten und Wanderführern könne man sich nicht verlassen, so die Warnung.Städtereisen im HochsommerEuropäische Metropolen heizen sich durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Grün stark auf und kühlen nachts kaum ab – der sogenannte Hitzeinseleffekt, wie ihn der EU-Klimawandeldienst Copernicus beschreibt. Prognosen zufolge werden Städte wie etwa Madrid, Athen, Rom und Budapest immer häufiger von extremen Hitzeereignissen betroffen sein.Lesen Sie auchFür ältere Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, Schwangere sowie Säuglinge kann das die Gesundheit gefährden. Die DFR-Reisemediziner empfehlen deshalb, Reisezeiten und Reiseziele anzupassen, Städtetrips also vor allem außerhalb der Hochsommermonate zu unternehmen. Steigt das Hautkrebsrisiko im Urlaub?Höhere Temperaturen verleiten zu längerem Aufenthalt im Freien, oft ohne ausreichenden Sonnenschutz. Hinzu kommt, dass die Zahl der Sonnenstunden in vielen Regionen zugenommen hat – auch in Deutschland. „Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lassen deutlich erkennen, dass sich die Anzahl an Sonnenscheinstunden aufs Jahr gesehen im linearen Trend erhöht – von 1951 bis 2021 um 132 Stunden“, schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).Lesen Sie auch„Mehr Sonnenscheinstunden bedeuten mehr Zeit, in der UV-Strahlung ungehindert die Erdoberfläche erreichen kann.“ Damit könne die individuelle UV-Strahlungsbelastung steigen. Dies wirkt sich wiederum auf das Hautkrebsrisiko aus.Haben Waldbrände einen Einfluss auf die Gesundheit?Durch längere Dürreperioden und ausgetrocknete Böden infolge steigender Temperaturen steigt die Gefahr großflächiger Waldbrände vor allem in Südeuropa und rund ums Mittelmeer. Aber auch in Deutschland schafft die Trockenheit Bedingungen, unter denen sich Feuer schnell ausbreiten kann. Rauch und Feinstaub aus Waldbränden verunreinigen die Luft weiträumig und belasten so die Atemwege, auch wenn das Feuer selbst weit entfernt ist.Für Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen kann dies Probleme verursachen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind auch Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Herz‑ oder Lungenerkrankungen besonders gefährdet.dpa/rc
Klima: Hitzewellen, Baden im Meer, Krankheiten – wie verändert sich unser Sommerurlaub? - WELT
Mücken, die gefährliche Viren übertragen, schädliche Bakterien im Meer, extreme Temperaturen in den Städten. An beliebten Reisezielen verändern sich die Bedingungen für den Sommerurlaub. Worauf müssen sich Urlauber einstellen?








